Tagesarchive: 26. April 2009

Urheberrecht vs. Open Access

Von Jörn Brunotte lief gestern Abend bei Twitter die Nachricht “Zum Urheberrecht http://www.faz.net/s/Rub1DA…” über den Ticker. Ich hatte mir nichts dabei gedacht und mir den Artikel angeschaut. Was ich dann aber zu lesen bekam ließ es mir kalt den Rücken herunter laufen.

Der Literaturwissenschaftler und Philologe Roland Reuß plädiert in seinem Artikel “Unsere Kultur ist in Gefahr” für das Urheberrecht, also das Recht aller Produzierenden über das Wann und Wo des Erscheinens ihrer Texte, Bilder, Filme … entscheiden zu können. Verwundert hat mich zunächst, dass Reuß die pragmatische Forderung nach frei verfügbaren Publikationen á la “Creative Commons” für kontraproduktiv und — so es wissenschaftliche oder künstlerische Publikationen betrifft — sogar für verfassungswidrig hält. (“Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei” [Art 5 Abs. 3 GG])

Reuß befürchtet, dass ein Zwang zur digitalen Veröffentlichung entstehen könnte, der den Autorinnen und Autoren eben diese Freiheit nehmen würde und damit gegen geltendes Recht verstößt. Das aber die meisten Menschen, die ihre Werke offen zur Verfügung stellen und dies zum ersten völlig freiwillig und zum zweiten aus einer rein pragmatischen Nutzenabwägung tun, lässt Reuß aus. Hat sich doch die Open Access- Bewegung unter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern formiert, weil diese sich nur durch Veröffentlichungen reputieren können — nur Forschungs- oder Lehraufträge bekommen, wenn man sie kennt.

Die “Ein-Mann-Verteidigungsschlacht” Reuß’ – wie es Spielkamp auf Perlentaucher und TechSoup nennt — macht auf mich den Eindruck des Nicht-Verstanden-Habens (oder Nicht-Verstehen-Wollens) der Kommunikationsprozesse im Social Web (bpsw. “journalism as conversation”). Dabei hat die Wissenschaft mit der “Crowd Intelligence” und Vernetzung über das Social Web sehr viel zu gewinnen.

Die Vernetzung via Blog — der für mich schlussendlich auch nichts anderes ist als eine Plattform für Artikel, Bilder Filme und anderes — halte ich für nur bereichernd. Ich sitze nicht im stillen Kämmerchen sondern tausche mich über alles Mögliche aus. Währen neue wissenschaftliche Erkenntnisse, Thesen und Theorien im Web 2.0- Stil (also im ständigen BETA) über das Internet abrufbar, könnten Fehler schneller erkannt und funktionierende Modelle besser genutzt werden — die Publikation und das Reviewing währe also gecrowdsourced.

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