Zeit wird’s! Vor 16 Jahren startete in den USA das “Virtual Volunteering Pilot Project”, nun geht in Deutschland die “ZiviCloud” an den Start. Im letzten Jahr — 15 Jahre nach dem Susan J. Ellis und Jayne Cravens das erste mal in den das Management von Online-Volunteers in den Blick nahmen — war auch in Deutschland und Österreich deutlich mehr Interesse am freiwilligen Online-Engagement zu verspüren als noch in den Jahren davor. Die TU-Dortmund und das DJI veröffentlichten erstmals eine Studie zum Online-Engagement von Teenagern, das DRK nahm das Online-Volunteering in seine Münsteraner Erklärung auf, das ÖRK veranstaltete sogar eine ganze Konferenz zu neuen Wegen des freiwilligen Engagements und auch im Kulturmagazin Bauerfeind (3sat), der Sat1-Morning-Show “WECK UP” und bei flux-FM war das Online-Volunteering Thema. Jetzt gilt es, nicht locker zu lassen.

Was ist Online- und Micro-Volunteering?

Das Online- und Micro-Volunteering beschreibt ganz schlicht den Weg, sich flexibel orts- und ggf. zeitunabhängig über das Internet für eine gute Sache einzusetzen; sowohl von zu Hause, von Arbeit aus oder mobil von unterwegs. Über das Internet können sich Menschen, denen die guten Erfahrungen des ‘giving back’ und der wirkungsmächtigen Teilhabe (‘making a difference’) bis her verwehrt blieben, für ihre Ziele und ihre Ideale — ihre Vorstellung von einer besseren Welt — engagieren. Nicht nur für Teenager, Studies und Berufseinsteiger ist das Online-Volunteering eine gangbare Alternative, auch Menschen mit körperlichen oder geistigen Behinderung bietet das Engagement über das Internet eine Möglichkeit, sich wie alle anderen auch in die Gesellschaft einzubringen.

Vorausgesetzt natürlich, es gibt auch was zu tun. Vorausgesetzt also es gibt klar definierte Aufgaben, die sich über das Internet erledigen lassen. Bisher finden sich in deutschsprachigen Engagement-Datenbanken nur wenige solche Aufgaben. Das liegt aber sicherlich nicht daran, dass es nichts zu tun gibt, sondern eher daran, dass bisher noch nicht explizit danach gefragt wurde. Der Computer gehört schon viele Jahre zum Alltag in nicht profitorientierten Organisationen (NPOs) und wird hier in Zukunft auch immer schwerer wegzudenken sein. Schon heute gilt es immer wieder Texte und Videos für die Webseite zu erstellen. Ein erster Tätigkeitsbereich für Online-Volunteers! Dabei brauchen auch Profis hin und wieder Rat in Sachen Recht und Gesetz, Marketing oder IT. Ein zweiter Tätigkeitsbereich für Online-Volunteers! Und schließlich wird es auch weiterhin gelten Veranstaltungen (on- und offline) zu organisieren. Ein dritter Tätigkeitsbereich für Online-Volunteers!

Das Projekt ZiviCloud

ZiviCloud steht sinnbildlich für die Vision einer neuen Zivilgesellschaft, in der sich Menschen individuell und flexibel für ihre Vorstellung einer besseren Welt engagieren. Als kleine Wassertröpfchen bilden sie eine riesige Wolke mit unscharfen Rändern und fließenden Grenzen. Wie kleine Wassertröpfchen verbinden sie sich zu immer größeren Tropfen die als Nieselregen, Sommerschauer oder heftiger Regenguss auf die Welt der Wirtschaft und der Politik niedergehen. Der flexible Weg des Online- und Micro-Volunteering macht es also vielen unterschiedlichen Menschen möglich, sich ganz individuell als größeres oder kleineres Tröpfchen — mit mehr oder weniger Ressourcen — in diese neue Zivilgesellschaft einzubringen.

Soweit die Vision, wo aber anfangen? Wie kann der deutsche Freiwilligensektor, der so stark mit unserer Kultur verwachsen ist, das schon so manche gute Idee scheiterte, zu so einer neuen Zivilgesellschaft ‘umgebaut’ werden? Ganz einfach: gar nicht! Ohne die Organisationen, die jetzt schon freiwilliges Engagement möglich machen, ohne die Menschen, die in ihrem Umfeld Projekte initiieren und umsetzen und vor allem ohne die Menschen, die auch von einer mächtigen Zivilgesellschaft träumen und sich dafür engagieren geht gar nichts. Deshalb muss auch die ZiviCloud mit genau diesen Menschen und ihren Organisationen entwickelt werden. Und so stelle ich mir das vor:

(1) Offene Struktur

Ohne nach den Aufgaben zu fragen, die sich über das Internet erledigen lassen, werden Engagements für Online-Volunteers im deutschsprachigen Europa weiterhin rar bleiben. Gibt es also Aufgaben, die Freiwilige über das Internet erledigen können? Wie können Online-Volunteers das jeweilige Projekt unterstützen, wie können sie sich einbringen? Ich habe diese Fragen schon sehr oft gestellt und häufig eine positive Antwort bekommen. Irgendwann habe ich aber festgestellt, dass das allein nicht ausreicht. Ganz im Sinne des structure follows function braucht es eine Struktur, die danach verlangt, dass man sich mit diesen Frage befasst. Eine Struktur, die selbstverständlich auf eine positive Antwort hofft, alles Weitere aber so offen hält, wie es nur irgendwie geht.

Mit dem Open Source Tool “Tasket” meine ich genau diese Struktur gefunden zu haben. Im Grunde handelt es sich dabei um ein Web-Tool für das Projektmanagement. Tasket erlaubt es allen Nutzer!nnen eigene Projekte anzulegen, Aufgaben dafür zu beschreiben und sie zu verwalten. Ein wesentlicher Vorteil gegenüber anderen Projektmanagement-Tools: Die Projekte sind auch für nicht angemeldete Nutzer!nnen sichtbar und können mit einer eigenen URL über unterschiedliche Kanäle (Facebook, Twitter & Co.) verbreitet werden.

Die Eingabe ist sehr einfach gehalten: Für Projekte kann ein Titel, eine Beschreibung und ein Bild festgelegt werden. Alles zusammen wird auf der Webseite als eine Art Post-it dargestellt, der Interessierten auch einen Link zu ausführlicheren Projektbeschreibungen anbietet. An diese Projekt-Post-its lassen sich einzelne Aufgaben hinzufügen. Hierfür steht ein Eingabefenster ohne Zeichenbegrenzung und ein Drop-Down-Menü für die Angabe der geschätzten Arbeitszeit zur Verfügung (von 15 Minuten bis zu vier Stunden).

Angemeldeten Nutzer!nnen wird unterhalb der einzelnen Aufgaben, die als an das Projekt angehängt dargestellt werden, der Button “I’ll do it” (Ich mach’s) angezeigt. Entscheidet sich jemand, die jeweilige Aufgabe zu erledigen, klickt er den Button und bekommt sogleich auch eine “Exit-Strategie” angeboten: Links neben der Bestätigung “I’ve done it” (Erledigt!), erscheint ein anderer Button “Actually, I won’t do it” (Ach, doch nich!). Markiert ein Volunteer eine Aufgabe als “Done” muss das nur noch von der jeweiligen Projekt-Administration bestätigt werden, um in den persönlichen Counter und die Gesamtzahl erledigter Aufgaben einzugehen.

(2) Inkubation

Zwischen dem Vorsatz etwas tun zu wollen und dem tatsächlichen Handeln liegen manchmal Welten. Das gilt nicht nur für die vielen Millionen “Engagementwilligen”, die sich zukünftig “bestimmt” oder “eventuell” engagieren wollen. Das gilt auch für die vielen Haupt- und Ehrenamtlichen, die neue Unterstützer!nnen suchen und nicht selten auch von den Alternativen zum traditionellen Ehrenamt wissen. Mit Sicherheit lässt sich nicht sagen, warum die neuen Wege zum freiwilligen Engagement nicht schon lange beschritten wurden — geredet wurde ja schon viel. Ich vermute, es liegt ganz einfach daran, dass der Gedanke, man könne Unterstützung ‘aus dem Internet’ bekommen noch nicht in genügend Köpfen reift. Und hier sind wir bei der Inkubation, die man auch “Inception” nennen könnte:

Gute Beispiele, best practises, Vorbilder und prominente Fürsprecher sind die Instrumentarien, die für eine solche Inception nutzbar sind. Change Agents, Engagierte Menschen, die im Kontext ihrer Arbeit neue Wege beschreiten, gibt es bereits in einigen NPOs. Besonders diese Menschen waren es mit denen ich das Online-Volunteering in den letzten Jahren diskutiert habe und sicherlich auch noch weiter diskutieren werde. Und diese Menschen sind es auch, die als Vorbilder gute Beispiele und best practises liefern können. Ich bin mir sicher, dass sie die ersten sein werden, die ausprobieren, was mit Tasket jetzt schon geht und dann auch sagen, wo es Verbesserungsbedarfe gibt. Sie werden es auch sein, die ihren Kolleg!nnen, Freunden und Bekannten von der ZiviCloud berichten und so dazu beitragen ein Netzwerk auszubreiten, das einen guten Nährboden für die neuen Zivilgesellschaft bietet.

Wenn es aber auf der einen Seite darum geht, so vielen Menschen wie möglich den Gedanken ‘einzupflanzen’, Unterstützung in Form freiwilligen Engagements wäre auch über das Internet möglich, braucht es auf der anderen Seite allerdings auch die Unterstützer!nnen, die sich über das Internet engagieren. Auch diese Menschen gibt es, nur müssen sie auch auf die Engagements aufmerksam gemacht werden. Für die ZiviCloud wird es selbstverständlich einen Blog, einen Facebook- und einen Twitter-Kanal geben, das damit aber viele interessierte Online-Volunteers zu erreichen sind, glaube ich nicht. Viel eher werden die Projekte und Organisationen ihre Unterstützer!nnen in ihren eigenen Netzwerken finden — unter ihren Freunden und Followern auf Twitter, Facebook oder Google+. Die ZiviCloud soll keine Vermittlungsagentur für Online-Volunteers, sondern vor allem das Angebot einer offenen Struktur sein, die die Arbeit mit Online- und Micro-Volunteers einfacher macht.

(3) Verstetigung

Die ZiviCloud soll nicht nur ein Projekt sein, dass in 2013 oder 2014 abgeschlossen ist. Die ZiviCloud soll es länger geben. Sie soll kontinuierlich weiterentwickelt werden und muss selbstverständlich die Kosten ihres Betriebs decken. Dazu braucht es ein tragfähiges Geschäftsmodell — allein mit Spenden oder öffentlicher Förderung ist Zivilgesellschaft nicht zu machen. Bis jetzt gibt es dazu vor allem vage Ideen die es zwar noch nicht Wert sind, hier weiter ausgebreitet zu werden, die aber vermuten lassen, dass vieles möglich ist. Möglich sind selbstverständlich Kooperationen mit Finanziers aus der Wirtschaft, die das Online- und Micro-Volunteering fördern wollen (IBM würde doch gut passen – “Machen wir das Engagement ein bisschen smarter”), möglich ist auch die zeitweilige Förderung mit Stiftungsgeldern und möglich ist auch Spenden für den Betrieb der ZiviCloud einzuwerben. Außerdem sind auch Technik-Partnerschaften mit Unternehmen denkbar, die Men-Power in Form von Beratung und (IT-) Support garantieren. Möglich sind auch Medien-Partnerschaften, die die ZiviCloud bekannter machen …

Denkbar ist also so viel, wie es zu tun gibt. Ich freue mich über jeden Unterstützer und jede Unterstützerin, die ich für die ZiviCloud begeistern kann. Ich bin dankbar für jeden Gedanken, jeden Hinweis in den Kommentaren und natürlich auch für die Unterstützung, die ich bis jetzt bekam: Danke Stefan Jenker für die Installation der ersten Testversion des Tasket-Tools und Danke an Robert Dürhager, der die ZiviCloud vorerst auf seinem Server beherbergt. Vielen Dank auch an die ungenannten, die mir bis jetzt Mut gemacht haben. Ich hoffe, dass es so weiter geht; ich zähl’ auf euch 🙂

Update for my English speaking colleagues

Online- and Micro-Volunteering in the German speaking Europe

Since nearly four years I am speaking, blogging and teaching about Online- and Micro-Volunteering. Everytime next to my studies and often without earning any money (Sometimes people call me ‘pioneer’). One thing I learnd in this time is that you can talk and write a lot without making a big difference. If people should learn about the management of online-volunteers they have to work with online volunteers. In this regard the main problem is that we have no structure that asks nonprofit stuff for thinking about online volunteer tasks in the German speaking Europe.

Time for ZiviCloud – first German online volunteering web app

Via BrightWorks I found an open source tool that is free to use, simple to handle and (hopefully) good to adapt to the needs of German speaking users. Now I try to get it to the internet and start the first online volunteering web app for the German speaking Europe. Of course not by my self – hopefully with broad support of people that want to use the power of their communitys via online and mirco volunteering, from people that want to support the ZiviCloud in tecnical aspects (its a python based web tool) and of course from people that want to speak about this (in Germany) very new way to volunteer.

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