Die zunehmende Internetnutzung in Deutschland wirkt sich deutlich und nachhaltig auf das freiwillige Engagement und Ehrenamt aus. Das Internet und die Sozialen Medien bieten unzählige Möglichkeiten für das Freiwilligenmanagement. Mit dem Online-Volunteering kann bspw. ein alternatives Format freiwilligen Engagements angeboten werden, das sich sehr flexibel ausgestalten lässt. Seit 2008 beschäftige ich mich mit der Digitalisierung des Ehrenamts und den Möglichkeiten und Grenzen des Online- und Micro-Volunteering.

 Statements:

Mit Tim Berners Lees World Wide Web und den ersten Webbrowsern wurde das Internet Anfang der 1990er für jedermann zugänglich. Abgesehen von wenigen Ausnahmen wurden Inhalte aber vorranging konsumiert. Die Produktion neuer Inhalte war eher den Gatekeepern der großen Portale und einer kleinen Avantgard technisch versierter Betreiber von “Special Interest Sites” vorbehalten.

Statement 1: Tim O’Reilly’s “Web 2.0” markiert als Schlagwort nicht mehr aber auch nicht weniger als einen kulturellen Wandlungsschub des Netzes. Die Praktiken der Avantgard wurden von den neuen Eliten, die den Dot-Com-Crash überstanden, aufgenommen und seither stetig massentauglicher gemacht. Diese ‘usability Entwicklung’ birgt großes Potential für das freiwillige Engagement und Ehrenamt.

War das Internet früher etwas, in das man sich bei Bedarf einwählte, wie man etwa die Auskunft anrief, sind wir heute mit Laptops, Smartphones und Wearables “always on”. Das gilt auch im Ehrenamt!

Statement 2: Die Trennung zwischen “Reallife” und “Virtal Reality” macht heute keinen Sinn mehr. Die einst getrennten Sphären der stofflichen Welt und des Cyberspace sind heute interdependent — miteinander verknüpft und aufeinander angewiesen. Entsprechend braucht das Online-Volunteering face-to-face Komponenten sowie das Ehrenamt vor Ort digitale Vernetzung braucht.

Das Internet hilft Arbeit zu erleichtern und zu flexibilisieren. Das trifft auch auf die Arbeit ehrenamtlich Engagierter zu. Zahlreiche nützliche Tools für die digitale Zusammenarbeit sind im Netz kostenfrei verfügbar. Arbeit allein ist aber nur ein Aspekt von Ehrenamt.

Statement 3: Viel zu sehr geht es im Freiwilligenmanagement — auch dem von Online-Volunteers — um ‘tasks to do’; viel zu selten steht die Gemeinschaft, die aus sich selbst heraus Neues schafft, im Zentrum. Statt das Wo, Wie und Wofür des Engagements vorzugeben, sollten Engagementprojekte — ganz besonders die, die über neuen Medienwelten umgesetzt werden — gemeinsam mit den Engagierten entwickelt werden.

Siehe auch Kategorie Online-Volunteering hier im Blog

Projekt 1: Management von Online-Volunteers — ein Handbuch

Titel Management von Online-Volunteers

Management von Online-Volunteers — ein Handbuch

Gemeinsam mit Lisa Dittrich und Thomas Kegel veröffentlichte ich 2011 das erste deutsche Praxiskompendium zum Management von Online-Volunteers. Neben den üblichen Methoden des Freiwilligenmanagements richteten wir den Blick dabei auch auf das Potential des Online-Volunteering für die Inklusion von Meschen mit Behinderungen.

Gleichwohl das Managementmodell wie wir es 2011 beschrieben haben, in vielen Online-Volunteering-Projekten zur Anwendung kommt, würde ich bei einer Neuauflage gern auch alternative Herangehensweisen und einige sinnvolle Modifikationen ergänzen.

 

Projekt 2: ZiviCloud — Engagement aus der Wolke

ZiviCloud

ZiviClouod — Engagement aus der Wolke

Im März 2012 initiierte ich das Projekt “ZiviCloud”, das  Online- und Micro-Volunteering im deutschsprachigen Europa weiter forcieren sollte. Unterstützt von Gerald Czech (Österreichisches Rotes Kreuz) und einigen Interessierten wurde das Webtool “Tasket” als Kernstück von ZiviCloud aufgesetzt und einige Experimente damit gemacht.

ZiviCloud stellte sich in der Praxis des Managements von Online-Volunteers als schwer vermittelbar und wenig praktikabel heraus. Die Erkenntnis aber, dass es nicht die Tasks sondern die Volunteers sind, die gepoolt werden müssen bleibt.