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Zukunft des freiwilligen Engagements Teil 4: zwei Zukunftsszenarien
Hier nun der letzte Teil meiner Reihe zur Zukunft des freiwilligen Engagements — vorerst. Ich hatte in den letzten Teilen dargestellt, in welchen Rahmenbedingungen freiwilliges Engagement (nicht erst in Zukunft) gestaltet werden muss. These #1 lautete, sich freiwillig zu engagieren muss wie Fernsehen, eine Aktivität friktionsloser Kurzweil, werden. These #2 lautete, Engagementförderung besteht nicht (nur) darin, abstrakte Versprechungen vom Ehrenamt zu vermarkten, sondern darin, den Return on Engagement erlebbar zu machen. Und die implizite These #3 lautete, die ganze Sache könnte zwar engagementförderlich — sprich ‚erfolgreich‘ — sein, könnte aber auch ziemlich in die Hose gehen — ich hatte gar vom „Ende des Ehrenamts“ geschrieben.
Nun ist es freilich eine verzwickte Angelegenheit, sich mit der Zukunft zu beschäftigen. Viel zu oft fällt man dabei auf das eigene Wunschdenken herein. Zu einfach ist es, sich ‚passende‘ empirische Befunde zusammen zu suchen und daraus ‘Trends’ abzuleiten. Ein Beispiel: Nach der zweiten Welle des Freiwilligensurveys war in der Engagmentszene die Ansicht noch weit verbreitet, die Engagementförderung in Deutschland wäre wirklich so erfolgreich, dass sie die bundesdeutsche Engagementquote peu a peu anheben könnte — keine großen Sprünge aber solide Schritte. Nach der dritten Welle haben viele gemerkt, dass dem nicht so ist; viel eher stagniert die Engagementquote und wir müssen nach neuen Wegen zum freiwilligen Engagement suchen.
Um nun nicht erneut auf mein Wunschdenken hereinzufallen — auch ich war vom Erfolg der Engagementförderung mehr oder weniger überzeugt — will ich einen kleinen Kniff versuchen, den ich aus der Betriebswirtschaftslehre bzw. der Managementlehre oder noch genauer einer Vorlesung zu strategischer Planung kenne: die Szenariotechnik. Grundsätzlich geht es dabei um den gedankenexperimentellen Entwurf zweier Zukunftsszenarien: einem best case und einem worst case szenario. Wie gesagt, es ist recht einfach, eine vorgestellte Zukunft zu beschreiben; die Vorstellung formt den Text. Nimmt man sich nun vor, ein grelles Positivszenario und ein düsteres Negativszenario zu entwerfen, bekommt man genau das: Zwei Extreme zwischen denen irgendwo die wahrscheinliche Zukunft liegt.
Online- und Micro-Volunteering: die Flugzeuglandung
Das positive Zukunftsszenario der Engagementförderung mit situativ passgenauen Engagements, die den Return on Engagement erlebbar machen, habe ich mit dem Bild der Flugzeuglandung beschrieben. Hier waren die Freiwilligen jene, die Flugzeugen gleich, losgelöst von fester Struktur in der Zeit sind und sich je nach Situation zur Kontaktaufnahme mit der Außenwelt ‚verführen‘ lassen. Sie unterhalten sich per Funk mit anderen Pilotinnen und Piloten und steuern regelmäßig unterschiedliche Flughäfen an — Unternehmen, für die sie arbeiten, Familienstrukturen, in die sie eingebettet sind, (Aus-)Bildungsstätten, in denen sie sich qualifizieren (müssen). Neben diesen Basisinstitutionen moderner Gesellschaften (Erwerbsarbeit, Familie und Bildung) stehen an der Peripherie des modernen Lebensvollzuges allerdings noch weitere Flughäfen zur Auswahl — z.B. der Fitnessclub um die Ecke, kulturelle Angebote in der Region und Freiwilligenorganisationen mit ‚guten Zwecken‘.
Während die ‚Landungen‘ an der Arbeitsstelle, der Familie oder Bildungsinstitutionen mehr oder minder unausweichlich sind (deshalb Basisinstitutionen), stellen die anderen Möglichkeiten der individuellen Gestaltung frei zur Verfügung stehender Zeit dar, die prinzipiell frei gewählt und insofern gegeneinander abgewägt werden müssen. Wie gezeigt, spielt bei dieser Abwägung neben der grundsätzlichen Wahrnehmung der Option (a) der erwartete Return und (b) die Einschätzung der Realisierbarkeit des jeweiligen Engagements eine Rolle; Abwägungen, die zumeist auf der Basis vereinfachender Heuristiken getroffen werden und damit ‚von außen betrachtet‘ nicht unbedingt rational erscheinen (stark verkürzt: Fernsehen statt Ehrenamt).
Der erste Schritt dieser Landung an Flughäfen der gesellschaftlichen Peripherie besteht nun in der Kontaktaufnahme des Towers mit dem Piloten bzw. der Pilotin. Ganz allgemein kann das Bild dieser Kontaktaufnahme unter das Marketing bzw. die Öffentlichkeits- und Pressearbeit einer Organisation subsumiert werden, wobei allerdings daran zu erinnern ist, dass die Kultur des Social Webs andere Formen der Ansprache nötig macht, als sie in früheren Tagen noch Gang und Gäbe waren (Vom Flyer zu Facebook & Co.). Mit der Ansprache wird die erste Determinante der Entscheidung für ein freiwilliges Engagement anvisiert: die Wahrnehmung des Engagements als Handlungsoption.
Der zweite Schritt kann erst nach dem Engagement des Piloten bzw. der Pilotin, überhaupt auf die Ansprache zu antworten — sprich, Anschlusskommunikation möglich zu machen — gegangen werden. An dieser Stelle folgt nun die Offerte der Freiwilligenorganisation, ein friktionsloses Micro-Engagement ‚dazwischen zu schieben‘, das mit einem konkreten Return-Versprechen verbunden wird (vll. „Wenn du uns an dieser oder jener Stelle hilfst, kommen wir mit unserem sozialen Projekt weiter“). Das Versprechen des guten Gefühls, jemandem mit seinen Fähigkeiten geholfen oder auch ‘nur’ etwas dazu gelernt zu haben, bleibt für die Freiwilligen allerdings solange substanzlos, bis er (oder sie) es tatsächlich selbst erlebt und auch als solches erinnert. Nur die Erinnerung des Return on Engagement kann schließlich dazu führen, sich auch wieder zu engagieren — das nächste Mal vielleicht etwas länger, in einem Team, auf schon geringerer Flughöhe, schließlich steter in Form traditioneller Strukturen freiwilligen Engagements (Landung) und letztendlich (angekommen im Hangar) als ehrenamtliche Führungs- und Leitungspersönlichkeit.
Der entscheidende Punkt bei diesem positiven Szenario der Engagementförderung ist das Erinnern des guten Gefühls des ‚giving back‘, das durch die direkte Beziehung zwischen Organisation und Freiwilligen entsteht. An eben dieser Stelle wiederspricht das Szenario den Forschungsergebnissen Hartmut Rosas, der schließlich konstatiert, die Postmoderne würde durch die Kurz-Kurz-Muster der Erinnerung so erlebnisreich wie erfahrungsarm. Wäre dem nämlich so, würden Micro-Volunteers zwar ihren persönlichen Return on Engagement erleben, aber eben — wenn überhaupt — nur als kurzes Schlaglicht und nicht als wirklich positive Erfahrung erinnern. Hier setzt das, Rosa zufolge wahrscheinlichere, Negativszenario an.
Crowdsourcing: der ewige Blindflug
Mithin wird das Online- und Micro-Volunteering sowohl im angelsächsischen Sprachraum als auch hierzulande unter dem Schlagwort „Crowdsourcing“ lanciert. Der zentrale Gedanke dabei ist, aus der Crowd — wenn man es überspitzt ausdrücken will, der gesichtslosen Masse — Ressourcen für die Erreichung eigener Ziele zu akquirieren. Für die Veranschaulichung dieser Verheißung werden zumeist prominente Beispiele wie die Online-Enzyklopädie Wikipedia, die Wheelmap der Berliner SOZIALHELDEN oder das Projekt reCAPTCHA herangezogen. Dass „Micro-Volunteers“ damit z.T. unfreiwillig unbezahlte Arbeit für Wirtschaftsunternehmen leisten, denen sie sonst vielleicht eher kritisch gegenüber stehen, wird dabei gern unter den Teppich gekehrt (man denke hier an die „Volunteers“, die Facebook übersetzen oder jene, die die Datenbanken von Google mit OCR-untauglichen Informationen füllen).
Zwar gilt es bei Crowdsourcing-Projekten prinzipiell zwischen denen zu unterscheiden, die eine Verbindung der „Crowd“ mit dem jeweiligen Zweck des Projektes herstellen (Wikipedia oder Wheelmap) und jenen, die das nicht tun (reCAPTCHA, Duolingo, Microtask usw.), doch kann für beide gleichermaßen gelten, dass ein Mehr an Commitment damit nicht anvisiert wird. Vielmehr werden zwei unterschiedliche Gesellschaftssphären konstruiert — nämlich jene der Engagierten, die wissen, was getan werden muss und jene der Individualisten, die die Zielereichung möglich machen sollen –, die allein über die Mobilmachung, also das Marketing, aneinander gekoppelt sind. Abseits des eklatanten Demokratiedefizits (nicht gewählte ‚Eliten‘ meinen zu wissen, was getan werden muss) ist diese Vorstellung auch für die Engagementförderung problematisch. Dazu hier der Versuch, das Crowdsourcing in das Bild des Flugverkehrs zu integrieren:
Es kann weiterhin gelten, dass die Individuen der Crowd, Flugzeugen gleich, losgelöst von fester Struktur in der Zeit sind und zwischen den gesellschaftlichen Basisinstitutionen hin und her pendeln. Wie gesagt, die ‚Landung‘ im Erwerbsleben, den Familienstrukturen bzw. den gesellschaftlichen Institutionen der (Aus-)Bildung bleibt auch in der Postmoderne mehr oder minder unausweichlich. Flughäfen an der gesellschaftlichen Peripherie allerdings werden nur noch gelegentlich angesteuert; nämlich dann, wenn sich der jeweilige Pilot bzw. die jeweilige Pilotin zu einem Ausflug zum Sportstudio um die Ecke oder zu kulturellen Angebote in der Region verleiten lässt. Mitgliedschaften ohne Vertragsbindung und Grundgebühr, Drive-In-Angebote unterschiedlichster Couleur wie auch Produkte und Dienstleistungen ‚to go‘ müssen in diesem Bild immer weitere Verbreitung finden, weil sich der individualisierte — auf ‚flexicurity‘ angewiesene — Mensch in der Postmoderne sonst nicht mehr erreichen lässt. Von einer echten Landung irgendwo auf Flughäfen der gesellschaftlichen Peripherie kann hier gar nicht mehr gesprochen werden, weil die Pilotinnen und Piloten immer nur kurz aufsetzen, um dann gleich wieder durch zu starten.
Und auch die Freiwilligenorganisationen mit guten Zwecken tauchen in diesem Bild nur noch auf, wenn auch sie Dienstleistungen (Kinderbetreuung, Sport- und Kultur, Notrettung, Pflegedienste usw.) anbieten und zwar auf die gleiche Weise wie auch alle anderen: Ohne Vertragsbindung und wenn möglich ‚to go‘. Das Commitment potentieller Freiwilliger wird hier nicht mehr forciert, schließlich muss in diesem Bild davon ausgegangen werden, dass der postmoderne Mensch ohnehin keine positiven Erfahrungen damit macht. An die Stelle der Commitment-Förderung tritt der Versuch, die Bewegungen der Crowd (vll. auch nur die Abwärme der Motoren) für den Betrieb eigener Projekte zu nutzen. Dafür könnten die Pilotinnen und Piloten vielleicht darum gebeten werden, kleine Windräder auf den Dächern ihrer Flugzeuge zu montieren und so mit minimalen Friktionskosten „grünen Strom“ zu erzeugen. Oder sie montieren sich hochauflösende Kameras an die Unterseite ihrer Maschinen, um somit eine Echtzeit-Karte der Erdoberfläche zu erstellen. Vielleicht wird auch der Funkverkehr künftig nicht mehr peer-to-peer, sondern über die Bande einer Heerschar von Dolmetsching-Schülern laufen, sodass die Kommunikation in Echtzeit übersetzt und jedermann zugänglich wird.
Prinzipiell rückt die Organisation von Zivilgesellschaft als öffentliche Veranstaltung in diesem Bild hinter die pragmatische Erreichung gesetzter Ziele zurück, wobei unterschiedliche Marketing- und Motivationsstrategien zum Einsatz kommen, die die Individuen der Crowd zum Arbeiten verleiten sollen. Neben moralisierenden Überzeugungsstrategien, die ein ausgemachtes Problem möglichst dicht an die (‚die einzige‘) Lösung rücken, wird zunehmend auch die Gamification — also die Verbindung mit Kurzweil und Flow versprechenden spielerischen Elementen — mit dem Crowdsourcing verknüpft. Da somit der Zweck des Engagements von der eigentlichen Arbeit entkoppelt wird, gestaltet sich eine so entworfene Zivilgesellschaft so undemokratisch wie blind für die tatsächlichen Probleme, die sich in den alltäglichen Lebensbereichen der Menschen finden. Mit Hartmut Rosa wäre im Anschluss an Max Weber sogar zu konstatieren, dass wir es hier mit einem neuen stahlharten Gehäuse zu tun hätten, in dem die pragmatisch-rationale Arbeitsteilung soweit ausdifferenziert wird, dass jede Tätigkeit ihren Sinn in sich verliert und dementsprechend kaum noch mit dem eigenen Leben in Verbindung gebracht werden kann. Im Endeffekt wiederum: Beschleunigung bis zum rasenden Stillstand.
Fazit
Es mag sein, dass sich engagierte Unterstützerinnen und Unterstützer des Crowdsourcings dem Bild des ewigen Blindflugs nicht anschließen möchten. Schließlich — so könnte ihr Argument lauten — darf dem postmodernen Menschen ein gewisser Durchblick unterstellt werden, der ihm oder ihr die Entscheidung offen lässt, sich von dem einen oder anderen Projekt vercrowden zu lassen. Ignoriert man die Tatsache voranschreitender Ausdifferenzierung und Komplexitätssteigerung, mag das zumindest bei jenen Projekten, die eine Verbindung zwischen dem Anliegen (dem ausgemachten Problem) und der Arbeit der Crowd herzustellen versuchen auch stimmen, doch scheinen mir diese Projekte rar gesät. Viel häufiger sind Crowdsourcing-Aktionen, die mit moralischen Überzeugungsstrategien ansetzen oder die Arbeit völlig von ihrem eigentlichen Zweck entkoppeln. Bei ersteren stellt sich zumindest die demokratietheoretische Frage, wer den eigentlich entscheiden (und vermarkten) soll, was moralisch verwerflich ist und was nicht, bei zweiterer lässt sich darüber hinaus noch Fragen, ob solcherlei Engagements nicht vielleicht sogar psychische Schäden (insb. Depressionen) provozieren.
Um es an dieser Stelle deutlich zu sagen: Ich bin kein Gegner gesellschaftlicher Beschleunigung. Ich glaube nicht, dass Reservate der Entschleunigung öffentlich finanziert werden müssen, um müde Gewordenen eine Zuflucht zu bieten. Ich meine aber, dass gesellschaftliche Beschleunigung gestaltet werden kann und sollte. Insbesondere die Desychronisationserscheinungen zwischen den Subsystemen moderner Gesellschaften provozieren Exklusion, die zumindest dem Wording nach mit den Digital Natives (den Beschleunigten), den Digital Immigrants (den Beschleunigern) und den Digital Outsiders (den Beschleunigunsmüden) treffend beschrieben sind; eine Exklusion, die einer Gesellschaft teuer zu stehen kommt, wenn sie weiterhin dem Wachstumsprimat der globalisierten Ökonomie folgen will/muss/soll.
Was nun die wahrscheinliche Zukunft des freiwilligen Engagements anbelangt, bleibt festzuhalten, dass sie irgendwo zwischen den beiden entworfenen Extremen liegen wird. Allerdings sehe ich mehr empirische Evidenzen für den „Blindflug“ als für die „Flugzeuglandung“. Kurzfristig wird Crowdsourcing einigen (bei weitem nicht der Mehrzahl) zivilgesellschaftlichen und profitorientierten Unternehmungen mehr Rücklauf einbringen, langfristig aber wird diese Strategie immer exklusiver (Jene, die erfolgreich sind, werden immer mehr Erfolg haben als andere — Matthäuseffekt), bis schließlich einige ungewählte Eliten ihre Vorstellung ‚einer besseren Welt‘ durchsetzen. Welche Problemlagen sich dann tatsächlich in den privaten Lebensbereichen finden, ist für diese Eliten relativ unerheblich — wichtig ist vielmehr, ob sich das jeweilige Anliegen vermarkten lässt, was wiederum dazu führen dürfte, dass immer versucht wird noch einen Schritt weiter zu gehen.
Für mich ist das keine wünschbare Zukunft. Dennoch bleibt der Auftrag, gesellschaftliche Entwicklung — meint Beschleunigung — zu gestalten. Wir werden gemeinsam Wege suchen müssen, wie gute Erfahrungen — oder Erfahrungen überhaupt — mit zunehmender Individualisierung („losgelöst von fester Struktur in der Zeit sein) und steigender Mobilität (ständiges Durchstarten) noch möglich gemacht werden können. Auf eure Ideen, Kritikpunkte und Anregungen bin ich sehr gespannt.
PS: Das Video zum auf der Berliner SocialBar gefreestylten Vortrag “Neues Freiwilligenengagement” reiche ich sobald als möglich nach.
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Verschlagwortet mit Beschleunigung, Crowdsourcing, Micro-Volunteering, Online-Volunteering, Zivilgesellschaft, Zukunft
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Beschleunigung bis zum rasenden Stillstand
Ich bin mir nicht sicher, ob ich Hartmut Rosas Band zur Beschleunigung in der Moderne empfehlen soll oder nicht. Das Ende nämlich — das konstatiert Rosa treffend — ist kaum eines, “um dessentwillen man eine Geschichte zu lesen oder zu schreiben beginnt” (ebd. 2005: 489). Gelesen habe ich die Geschichte nun — und zwar in Rekordzeit. Nie zuvor habe ich mich so rasch durch knapp 500 Seiten wissenschaftlichen Text geackert, nie zuvor war ich auf das Ende der Geschichte so gespannt und wurde von selbigem so bestätigt, enttäuscht und frustriert zugleich.
Selbstverständlich handelt es sich hier nicht um irgendeine Geschichte. Es handelt sich um wissenschaftliche Wahrheit. Abgeleitet aus der theoretisch fundierten Analyse dessen was war und dessen was ist, entwirft Rosa vier (mehr oder weniger) mögliche Zukunftsszenerien, von denen das wahrscheinlichste der totale Kollaps der menschlichen Zivilisation durch die fortwährende und unaufhaltsame Überforderungen natürlicher Ressourcen ist. Einziger Trost: Durch eben diese finale Katastrophe, die dem Menschengeschlecht wohl den Garaus machen wird, bleibt ihm das erspart, was Rosa als Fluchtpunkt des Projekts der Moderne versteht, nämlich der rasende Stillstand, der zu einer Art zweitem Fatalismus führt und unter postmodernen Menschen die Depression gleichsam einer Epidemie (oder Pandemie) grassieren lässt.
Düstre Aussichten also für die Zukunft der Menschheit, zumal das Potential der digitalen Revolution unter dem Brennglas der Beschleunigung zu nichts mehr als einem weiteren Akzelerator zu werden droht, der von den Prozessen, die er selbst anstößt, ganz schnell überholt und schließlich abgehängt werden wird. Wie der moderne, bürokratische Staat und seine militärischen Strukturen — selbst die bedeutendsten Akzeleratoren der klassischen Moderne (Rosa 2005: 311ff.) — von den von ihnen entfesselten Märkten und dem weltweiten Terrorismus heute mehr als herausgefordert werden, drohen auch Verheißungen der digitalen Revolution — z.B. Liquid Feedback oder Maptivism — alsbald zu Bremsern im spätmodernen Alltag zu werden. Eine bemerkenswerte Passage aus dem Schlusswort Rosas sei diesbezüglich an dieser Stelle zitiert:
Die erste [und damit die unwahrscheinlichste] Möglichkeit besteht in der Tat in der Herausbildung einer neuen Form der institutionellen Hegung und Stabilisierung des Beschleunigungsprozesses und damit im Erreichen eines neuerlichen Equilibriums auf einem höheren Geschwindigkeitsniveau, das die Organisations- und Orientierungsleistung der ‘klassischen Moderne’ wiederholt [Geschichte und Identität wieder zu einem gestaltbaren Projekt macht], indem es die zu langsam gewordenen sozialen, politischen und rechtlichen Institutionen und Arrangements des nationalen Wohlfahrtsstaates durch dynamische Einrichtungen ersetzt, die dann individuell wie politisch das ‘Projekt der Moderne’ mit den Geschwindigkeiten der Spätmoderne versöhnen. Auf dieses Ziel richten sich die Reformhoffnungen derjenigen, die auf adaptive politische Maßnahmen unter Aufrechterhaltung des Autonomieanspruchs drängen. Ihre optimistische Haltung gründet auf der Vorstellung dass die infolge der höheren Dynamik vergrößerten Spiel- und Handlungsräume sich in verbesserte individuelle und politische Gestaltungschancen übersetzen lassen und damit das Autonomieversprechen der Moderne überhaupt erst einlösbar machen. Das individuelle, kulturelle und politische Handeln könnte sich nach und nach den spätmodernen Veränderungsgeschwindigkeiten anpassen, indem es neue Formen der Wahrnehmung und der Kontrolle entwickelt, möglicherweise sogar mithilfe neuer Gen- und implantierter Computertechnologien [man denke hier an das Manifest für Cyborgs].
Ich halte diese Hoffnung jedoch für unrealistisch, weil nicht zu sehen ist, wie jene Reformen das Problem der Desychronisation deliberativ-demokratischer Politik und ökonomisch-technischer Entwicklung in den Griff bekommen könnten und wie sie sich überhaupt politisch bewerkstelligen lassen, wenn eine politische Steuerung mit den vorhandenen Mitteln immer unwahrscheinlicher wird. Aber selbst wenn eine solche Revision des institutionellen Arrangements und, damit verknüpft, der individuellen und kollektiven Selbstverhältnisse in der Spätmoderne gelingen sollte, könnten die neu entstehenden Formen aufgrund des institutionenzersetzenden Charakters des Dynamisierungsprimats den neu gehegten Beschleunigungskräften wohl nicht lange standhalten: Nach der Logik der dargelegten dialektischen Entwicklung von Akzeleraktionskräften und institutionellen Entfaltungsbedingungen wäre damit zu rechnen, dass die so geschaffene ‘zweite Moderne’ von noch kürzerer Bestandsdauer sein würde als die erste (Rosa 2005: 486f.).
Was bleibt?
Auf individueller Ebene ist es zweifelsohne des Menschen Natur, der wahrscheinlichsten Möglichkeit — der kollektiv herbeigeführten Apokalypse — entgegenzuwirken, sie zu vermeiden oder mindestens bis auf umbestimmte Zeit aufzuschieben. Auf gesellschaftlicher Ebene scheint das nicht der Fall: “Der Kapitalismus frißt seine Kinder” (William Greider 1998) und wir alle sind Kapitalisten, mit Haut und Haar. Nicht etwa, weil wir wie eh’ und je den materiellen Profit anstreben, sondern weil wir stets unser eigenes Fortkommen — mit Bourdieu, die Akkumulation sozialen, kulturellen und ökonomischen Kapitals — auf Kosten anderer forcieren.
Viele von uns wissen bereis um diese “kognitive Dissonanz” (Breidenbach 2010:153f.), vielen aber wird sie niemals Gewahr, weil sich die unangenehme Beschäftigung damit leicht aufschieben lässt. Und auch wenn wir nun versuchen durch Gamification, transmedia storytelling und dergleichen das Unangenehme aus der Beschäftigung zu nehmen, bleibt die Erkenntnis, das es nicht so weiter gehen kann, wie wir es gewohnt sind, unangenehm und damit ein Kandidat für Prokrastination: Wir spielen die Öko-Simulation bis zum Ende der Welt, vermeiden aber den notwendigen Schluss.
Wie nun umgehen mit diesen düsteren Befunden? Vorauseilende Resignation, vorgezogener Fatalismus und Depression stellen ja wohl kaum gangbare Optionen dar. Viel ehr sind es Rosas letzte Zeilen, die ein Fünkchen Hoffnung lassen: So plädiert er nämlich für die etablierung einer emanzipativen und interdisziplinären zeit-kritischen Theorie die soziale Fehlentwicklungen (z.B. solche, die auf ein Ende der Demokratie hinauslaufen) identifiziert und Gegenmaßnahmen vorschlägt. Dieser kritischen Theorie nach dem Vorbild der Frankfurter Schule müsste dafür selbstverständlich breite Beachtung geschenkt werden, was ich wiederum wegen der zeitaufwändigen Beschäftigung, in der man so viel ‘Nützlicheres’ tun könnte, kritisch sehe …
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Zukunft des freiwilligen Engagements Teil 3: „der Return on Engagement“
Anhand der Studien Hartmut Rosas zur Beschleunigung in der Moderne habe ich in den letzten beiden Teilen meiner Reihe zur Zukunft des freiwilligen Engagements („Beschleunigung“ & „kostenloses Engagement“) gezeigt, dass die Kosten für ein Engagement seitens der Freiwilligenorganisationen dem postmodernen homo oeconomicus immer noch viel zu hoch zu sein scheinen. Die Angabe, keine Zeit (mehr) für ein freiwilliges Engagement zu haben (bspw. Gensicke/Geiss 2010: 143ff.), hat sich im Zuge der Betrachtung als Symptom der Beschleunigung herausgestellt. Nicht etwa, weil das Freizeitbudget des postmodernen Menschen tatsächlich schrumpfen würde (eher Gegenteiliges ist der Fall) — viel eher ist es die aus der gesellschaftlichen Beschleunigung resultierende gefühlte Zeitnot, die uns die Entscheidung für ein stetes Ehrenamt schwer werden lässt.
Wie Ulrich Beck in seinem Konzept der Risikogesellschaft festhält, beinhaltet die Entscheidung für eine Handlungsoption immer auch die, gegen alle anderen. Während ich bspw. an diesem Text arbeite, verfolge ich nicht die Tweets und Statusmeldungen meiner Netzwerkkontakte und laufe somit Gefahr, eine ‚wichtige‘ Meldung (vll. ein Jobangebot) zu verpassen. Um dieses Risiko zu minimieren und dennoch sein produktiv zu können, übe ich mich in dem, was man allgemein als Multitasking bezeichnet: Ich mache kurze Schreibpausen und schaue bei Twitter und Facebook vorbei bzw. achte auf die Alert-Mails (automatische Benachrichtigungen via E-Mail), die mich als Zeitsparmaschinen, als die ich sie eingerichtet habe, paradoxer Weise zeitlich stark beanspruchen. Durch diese ablenkenden Ausflüge brauche ich immer wieder einige Zeit, um in den Schreibfluss zu kommen, was die Arbeit am Text in die Länge zieht. Da das Surfen im Social Web und das Schreiben dieses Textes im Grunde zwei unterschiedliche Tätigkeits- und Erlebnissphären darstellen und am Ende des Tages von mir auch als solche erinnert werden („Kurz-Kurz-Muster“), wird mich heute Abend wohl das Gefühl beschleichen, eine halbe Ewigkeit für diese paar Seiten Text gebraucht zu haben, woraus wiederum ein gewisser Nachholbedarf dessen erwächst, was ich möglicher Weise verpasst habe. Da der Tag aber nur 24 Stunden hat, bleibt mir schlussendlich das Gefühl, keine Zeit mehr für das zu haben, was ich eigentlich gern tun würde, weil ich zuerst tue, was ich glaube, tun zu müssen: Einen Text schreiben und gleichzeitig auf dem Laufenden bleiben.
Was Sascha Lobo in seiner Kolumne die Mensch-Maschine kürzlich als Prokrastination bezeichnete, stellt sich hier als etwas dar, das Rosa (2005: 297) in Anschluss an Niklas Luhmann als Temporalisierung von Komplexität bezeichnet: Der postmoderne Mensch registriert seine Handlungsoptionen und wägt sie nach Machbarkeit ab. Er (oder sie) entscheidet sich schließlich für das, was momentan möglich erscheint und schiebt alles andere auf. Eben deshalb, so habe ich im ersten Teil dieser Reihe gezeigt, sieht der postmoderne Mensch eher Fern und surft im Social Web, als dass er (oder sie) sich ehrenamtlich engagieren würde.
Im zweiten Teil dieser Reihe habe ich demgemäß die Möglichkeiten betont, freiwilliges Engagement friktionslos zu gestalten — heißt, die Kosten, die Engagierte mit einem Ehrenamt verbinden, soweit zu senken, dass der Return on Engagement überwiegt und die Handlungsoption Ehrenamt als ‚die beste‘ Wahl erscheint. Als problematisch hat sich dabei herausgestellt, dass die Returnversprechungen „Spaß haben“, „Wirkungsmacht“, „neue Leute kennen lernen“ usw. viel zu abstrakt sind, als dass das Ehrenamt mit ihnen ‚vermarktet‘ werden könnte. Und auch die diskursive Hervorhebung der Wichtigkeit bzw. des gesellschaftlichen Nutzens freiwilligen Engagements anhand krisenhafter Erscheinungen unserer Zeit, die Daniela Neumann im Rahmen ihrer Dissertation untersucht, führen nicht zum gewünschten Ergebnis (mehr Engagierte); vielmehr scheinen sie ein hohles Echo in Gestalt engagementfreundlicher Stimmung und hoher Engagementbereitschaft zu erzeugen.
Die Fragen, die sich demnach hier anschließen lauten: Wie lässt sich der Return on Engagement konkret erlebbar gestalten? Was müssen Freiwilligenorganisationen tun, um die nächste Generation der bislang vor allem Engagementwilligen jungen Erwachsenen zu erreichen? Und welche Folgen könnten damit verbunden sein? Bevor ich auf die letzte Frage nach den möglichen Folgen neuen Freiwilligenengagements eingehen kann, will ich in diesem dritten Teil einen Lösungsvorschlag für die ersten beiden Fragen formulieren. Als These notierte ich dafür im letzten Teil: „Engagementförderung besteht nicht darin, abstrakte Versprechungen vom Ehrenamt zu vermarkten, sondern darin, den Return on Engagement erlebbar zu machen.“
Das gute Gefühl erlebbar machen
Der postmoderne homo oeconomicus ist sicherlich kein perfekter Entscheider. Angesichts der Fülle und Vielfalt von Informationen, die der Mensch im spätmodernen Internetzeitalter tagtäglich registrieren, selektieren und verarbeiten muss, ist er (oder sie) auf vereinfachende Heuristiken angewiesen (dazu Bühler 2010: 33). Das subjektive Empfinden wie auch Emotionen und mentale Modelle bilden dabei wesentliche Entscheidungsgrundlagen für oder gegen ein freiwilliges Engagement. Abstrakte Versprechungen von „Spaß“, „Wirkungsmacht“ und „Gemeinschaft“ müssen hier ins Leere laufen, weil die emotionale Verknüpfung zu diesen Kategorien individuell verschieden ist. Was ein Sportkletterer unter Spaß versteht, kann für den Schachspieler eine Höllenqual sein, was eine Politikerin unter Wirkungsmacht versteht, erscheint ihrer Kritikerin als Getrieben-Werden und unter Gemeinschaft resp. „Sozialkapital“ verstehen die einen ‚Vitamin B‘, die anderen den Garant für ein gutes Zusammenleben.
Eben diese unterschiedlichen Verknüpfungen machen das Erleben des Return on Engagements notwendig. Wie wir in der betterplace LAB Studie zum freiwilligen Engagement in Deutschland zeigten (Jähnert/Breidenbach/Buchmann 2011: 33f.), ist es eben dieser gefühlte Return on Engagement, der Freiwillige in ihrem Engagement motiviert und der m.E. nun auch den Schlüssel zur Förderung freiwilligen Engagements darstellt. Insbesondere, weil Stetigkeit und Dauer eines Engagements keine zwingenden Voraussetzungen für das Erleben dieses Returns darstellen — im Zuge steigender Mobilitäts- und Flexibilitätsanforderungen ist eher vom Gegenteil auszugehen (Petersen 2012: 60ff.) — scheint die Beschleunigung von Freiwilligenengagements im Sinne der biographischen bzw. nun situativen Passung (á la Fernsehen) durchaus angebracht.
Werner Kerschbaum, seines Zeichens stellvertretender Generalsekretär des österreichischen Roten Kreuzes, regte auf dem Münsteraner Zukunftskongress des DRK Ende vergangenen Jahres diesbezüglich an, Freiwilligenorganisationen metaphorisch als Flughäfen zu verstehen, bei denen (a) ein ständiges Kommen und Gehen und (b) ein striktes Management herrscht. Die Flugzeuge stellen in diesem Bild die Freiwilligen, die Lotsen im Tower das Freiwilligenmanagement dar. Insbesondere der Landeanflug war für Kerschbaum von besonderem Interesse. Auch ich will dieses Bild hier gern ‚ausmahlen‘. Dabei sei allerdings darauf hingewiesen, dass die Flugzeuglandung nicht losgelöst vom lotsenden Tower (dem Freiwilligenmanagement) und dem koordinierten Abflug (Starterlaubnis) gedacht werden kann.
Nach Hartmut Rosa ist die spät- oder postmoderne Identität eine nur noch situative (ebd. 2005: 352ff.). Die Konstruktion von Identität als Verknüpfung der eigenen Vergangenheit (Wer war ich?) mit der jeweils wünschbaren Zukunft (Wer will ich sein?) in der schrumpfenden Gegenwart des In-der-Zeit-Seins hat sich im Zuge der Modernisierung gewandelt. Wurden Identitäten in der Frühmoderne vor allem vor dem Hintergrund der Vergangenheit konstruiert, wurden sie in der klassischen Moderne zu einem Gestaltungsprojekt in der Lebenszeit. In der Spät- oder Postmoderne aber entzieht sich die Identitätskonstruktion mehr und mehr der räumlichen Umgebung und der materielle Struktur, sodass Identität zu einem Punkt zusammenschrumpft, von dem aus alle ‚Außenbeziehungen‘ gestaltet werden (ebd.: 377); Individualisierung par excellence.
Es ist eben dieser Punkt, auf den die postmoderne Identität zusammenschrumpft, der so trefflich zum Bild des Flugzeuges passt. Losgelöst von fester Struktur und ausgerüstet mit ermöglichender (nicht aber erzwingender) Technik entscheiden die jeweiligen Pilotinnen und Piloten, wann sie mit wem wie Kontakt aufnehmen und ob sie wann und wo landen. Wie Roland Hitzler (1999) bzgl. neuer Gemeinschaften von „Existenzbastlern“ konstatiert, wird zur Landung in der Postmoderne nicht mehr verpflichtet sondern verführt, womit hier noch einmal die Konkurrenz angesprochen ist, der freiwilliges Engagement als eine Möglichkeit der Gestaltung frei zur Verfügung stehender Zeit ausgesetzt ist.
Nicht zum ersten Mal schlage ich für diese Verführung Online- und Micro-Engagements vor, die kein hohes Commitment erfordern und zeitlich wie inhaltlich sehr klar definiert sind. Für solche Engagementangebote braucht es zwar das lotsende Management im Tower, doch noch keine Landug, keine feste Struktur (Teams, Räumlichkeiten, Material usw.). Die freie Entscheidung, rasch wieder davon zu fliegen und sich anderenorts zum Landeanflug verführen zu lassen, bleibt erhalten, wobei der Return on Engagement zunächst ephemer (in ‚small crunches‘), später in längeren Episoden, verbunden mit fester Struktur erlebbar wird.
Fazit
Wenn die stagnierenden Engagementquoten in Deutschland Symptome der Beschleunigung in der Postmoderne sind, sind neue Wege zum freiwilligen Engagement gefragt, die nicht mehr nur biographisch sondern vielmehr situativ passen müssen. Soll auch jenen neuorientierten Individualisten das gute Gefühl des giving back möglich gemacht werden, müssen die Freiwilligenengagements so an deren Lebensweise angepasst werden, dass sie mindestens als ein gute, wenn nicht gar die beste Wahl erscheinen. Freiwilliges Engagement genießt in Deutschland durchaus hohes Ansehen, die Stimmung ist gut, doch wollen die traditionell zeitlich und inhaltlich unspezifischen, meist technikfernen Engagements nicht so recht zur Lebensweise des postmodernen Menschen passen; das freiwillige Engagement und Ehrenamt scheint damit immer noch viel zu teuer. Dass vor allem jungen Erwachsenen das Erleben des Returns on Engagement verwehrt bleibt, dürfte ihnen die Entscheidung für ein Ehrenamt nicht einfacher macheb. Wie soll man Handlungsoptionen gegeneinander abwägen, wenn man kein Gefühl für den erwartbaren Return hat?
Vorgeschlagen habe ich hier, Engagements so zu gestalten, dass sie in den individuellen Alltagsvollzug eingepasst werden können. Ergänzt mit weiteren Möglichkeiten des Engagierens, die die Freiwilligen mehr und mehr einbinden, ihnen mehr Gestaltungsspielraum und Verantwortung überlassen — so das positive Szenario — lässt sich langfristig der Bedarf an Ehrenamtlichen für Leitungs- und Führungspositionen decken. Doch auch das Negativszenario ist zu bedenken. Wenn es nämlich zutrifft, dass unsere Zeit so erlebnisreich wie erfahrungsarm ist, ist es durchaus vorstellbar, dass es niemals zu ‚Landung‘ neuer Freiwilliger kommt und der Bedarf an situativ passgenauen Micro-Engagements bis ins unermessliche steigt. Dann drohte die Stimmung unter den bereits Engagierten umschlagen, was auch sie dem Trend Micro-Volunteering folgen ließe — mit fatalen Folgen. Die Starts am Flughafen würden die Langen überwiegen; die einstmals gut gemeinte Strategie der Engagementförderung würde ins Gegenteil umschlagen und das Ende des Ehrenamts einläuten.
So schließe ich diesmal nicht mit einer These, sondern mit der Ankündigung, diese zwei Szenarien das nächste Mal gedankenexperimentell durchzuspielen. Vielleicht erweist sich das eine, das andere oder gleich alle beide als ziemlich unrealistisch …
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Verschlagwortet mit Beschleunigung, Freiwilligenarbeit, Micro-Volunteering, Online-Volunteering
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