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New Volunteer Management auf der #rc13

Nächste Woche bin ich zum dritten Mal auf der re:campaign anzutreffen. Die „kleine Schwester“ der re:publica, mit dem verheißungsvollen Untertitel „die besten Kampagnen im Netz“, hat sich seit 2010 zu einer Art „Klassentreffen des digital-sozialen Sektors“ entwickelt. Wie die Netz-Kommunikation zu mehr politischer Mitbestimmung führen kann, ist die Frage, auf die sich die Veranstaltung konzentriert. Die letzten Male habe ich die re:campaign als Doku-Blogger und O-Ton-Mitschneider unterstützt, dieses Mal bin ich mit einer eigenen Session am Start — selbstverständlich mit meinem liebsten Thema: Online- und Micro-Volunteering.

Aus der Hornbach-Werbekampagne "Keiner spürt es so wie du"

Unter dem Titel „Mach‘ es zu ihrem Projekt — New Volunteer Management im Campaigning“ will ich versuchen, Freiwilligenmanagement und Campaigning miteinander zu verknüpfen. Ich habe die Session lila — ‚für Fortgeschrittene‘ — markieren lassen, weil ich diesmal gern über die Basics der Mobilisierung von Freiwilligen mit dem Einsatz von Internet und Social Media hinaus gehen und eher das Volunteer Management und die Entwicklung von Engagement und Comitment in den Blick nehmen würde. Die Stunde dafür ist günstig! Das große Interesse an der Mobilisierung freiwillig Engagierter aus dem letzen Jahr haben die Veranstalter!nnen dieses Jahr aufgenommen und Betsy Hoover mit einer Keynote zu Freiwilligen-Mobilisierung eingeladen.

Hoover wird sicherlich interessante Learnings aus der Obama-Kampagne 2012 mit nach Berlin bringen, ich befürchte allerdings, dass sich der „Obama-Effekt“ nicht eins zu eins nach Deutschland übertragen lässt. Für eine derart breite Mobilisierung fehlt es in Deutschland einerseits an OpenData und andererseits an einer gewissen ‚Hans-Dampf-Mentalität‘, die Christoph Bieber im Hörsaal-Podcast von DRadio-Wissen anspricht. Weiterhin — und auch davon Spricht Bieber in seiner wirklich hörenswerten Vorlesung — hat das Obama Kampagnenteam schon vor Jahren ganz klein angefangen, den Long Tail rückwärts zur Maße zu gehen; und zwar über Pflege der eigenen Community und die datenbasierte Zielgruppensegmentierung.

Eben diese Aspekte des Campaigning verbinde ich in der Session zum New Volunteer Management mit meinen Leearnings zur freiwilligen Engagement, dem Online- und Micro-Volunteering sowie der Theorie ‚posttraditionaler Vergemeinschaftung‘ in Szenen. Eine der zentralen Fragen ist, wie der Anflug engagierter Unterstützer!nnen erfolgreich gemanaget werden kann. Die Metapher der Flugzeuglandung hatte ich schon das eine oder andere Mal bemüht; unter anderem in meinem Ad-hoc-Vortrag auf der Berliner SocialBar.

Der Beginn: über den Sinn freiwilligen Engagements

Die These hinter der Metapher ist die, dass sich Commitment und Engagement sukzessive entwickeln und dementsprechend gepflegt werden müssen. Wer seine Unterstützer!nnen gleich zu Beginn überfordert wird es mit hohen Abbruchraten — metaphorisch gesprochen: mit Bruchlandungen und Durchstartern — zu tun bekommen. Diese sukzessive Entwicklung von Engagement und Commitment ist kein neues Phänomen unserer Zeit. Das war schon immer so! Auch die Hochengagierten unserer Tage haben dereinst klein begonnen; informell in der Nachbarschaft, in der Kirche oder im Jugendclub. Über die Zeit haben sie ihr Engagement aufrecht erhalten und ausgeweitet — vielleicht weil sie Spaß daran hatten, vielleicht, weil es sie auch persönlich oder beruflich weitergebracht hat, vielleicht, weil sie sich irgendwie verpflichtet fühlten …

Die Motivation, die freiwilliges — unentgeltliches (!) — Engagement antreibt, ist individuell verschieden und wandelt sich mit der Zeit. Mithin beginnen Freiwillige ein Engagement aus altruistischem Antrieb, merken dann, dass es auch ihnen etwas bringt und bleiben aus egoistischen Motiven im Engagement. Manchmal ist es andersherum. Das Freiwilligenmanagement ist deshalb sehr darauf angewiesen, die Freiwilligen und ihren Lebenswandel gut zu kennen. Im Campaigning kann sich das schwierig gestalten. Zwar ist die Zusammenarbeit mit einer übersichtlichen Schar von Freiwilligen in der Kampagnenarbeit möglich und sinnvoll, doch geht es ja häufig gerade darum, größere Gruppen zu mobilisieren. Hier ist die Frage, was die einzelnen antreibt, müßig. Hier geht es eher darum, zielsicher passende Engagementangebote unterbreiten zu können. Die Zielgruppe zu segmentieren und sie mit Themen und Aufregern zu versorgen, auf die sie schon früher angesprungen sind. Es geht viel darum die Resonanz aus dem Netzwerk aufnehmen zu können — meint, die eigene Community (nicht jeden Einzelnen) zu kennen.

Mein Vorschlag also: Wir verfolgen den Strang der individuellen Motivation freiwilligen Engagements vorerst nicht weiter und nehmen stattdessen den des Sinns freiwilligen Engagements auf. Sinn ist etwas anderes als Motivation! Motivation ist der Antrieb in eine bestimmte Richtung, Sinn ist der Rahmen, in dem wir uns (sicher/unauffällig/wie selbstverständlich) bewegen. Für passende Engagementangebote — vom sekundenschnellen Clicktivism bis zum jahrzehntelangen Ehrenamt — heißt das, dass sie für die Adressat!nnen sinnvoll sein müssen.

Das Modell: Szenen als Issue-Netzwerke

So banal es nun klingen mag, dass nur sinnvolle Angebote auf Resonanz stoßen, so schwierig kann es sein, herauszufinden, was für andere sinnvoll ist. Warum z.B. schreiben manche Menschen stets ins Netz, was sie gerade machen oder denken? Warum klettern manche ohne Not auf hohe Berge? Warum rennen andere am Morgen oder zum Feierabend durch den Park? Und warum tun sie es so häufig gemeinsam?

Einen Eindruck davon, welcher Sinn hinter dem Tun von Menschen steckt, liefert das Modell der Sinus Milieus. Hier wird die Gesellschaft auf den Achsen Grundorientierung (von traditionell bis postmodern)  und soziale Lage (Unter-, Mittel- und Oberschicht) in Milieus oder Lebenswelten geclustert. Wer ein wenig sucht, kann sich einen relativ guten Überblick darüber verschaffen, wie die Angehörigen unterschiedlicher Milieus ‚ticken‘ — welchen Sinn sie z.B. im Ehrenamt sehen. Sehr viel mehr als einen ersten Einblick aber kann man sich mit den Sinus-Milieus nicht verschaffen. Insbesondere dann, wenn es darum geht, treffsicher sinnvolle Engagementangebote zu entwerfen, wird es schwierig. Mit so allgemeinen Dingen wie „Flexicurity“ (neu orientierte Mittel- und Oberschicht), „Distinktion“ (traditionelle und moderne Oberschicht) oder „Resignation/Delegation“ (moderne Unterschicht) kommt man hier nicht weit.

Zum Glück liefert die Sozialwissenschaft auch noch andere Modelle — z.B. das der „Szene“. Szenen sind soziale Gebilde, die durch kollektive Inszenierung öffentlich sichtbar werden und sich selbst stabilisieren. Sie bestehen zunächst aus dem, was einst das Publikum war („The people formaly known as audience“) — einem Kollektiv ähnlich ‚gestrickter‘ Menschen, die ein bestimmtes „Erlebnisangebot“ (vom Block Buster im Kino bis zur Antifa-Demo) gemeinsam konsumieren (Schulze 2005: 460). Szenen kommen ohne Institutionen aus. Allein durch das gemeinsame Tun — die kollektive Inszenierung — entwickeln sie z.B. eine gemeinsame Sprache. Durch eben diese gemeinsame Sprache — aber auch durch Standardthemen, -techniken und -formen (dem „Was“, dem „Wie“ und dem „Womit“) — grenzen sich Szenen nach außen ab und schaffen nach innen das Wir-Gefühl einer Gemeinschaft, die sich selbst gegenwärtig und damit mächtig werden kann („revolutionäre Netze“).

Das Interessante an dem Modell der Szene ist nun, dass es sich um ein „zentralistisches Gebilde“ handelt, das sich um einen Szenekern strukturiert (Hitzler et al. 2005: 27). Den Szenekern bildet die „organisatorische Elite“, diejenigen, die (auch mit kommerziellem Antrieb) Erlebnisangebote schaffen. Um diese Eliten gruppieren sich die „Friends“ der Organisator!nnen und die „Heavy-User“, zwei Gruppen, die die Erlebnisangebote kennen und regelmäßig nutzen. Und um diese Stammgäste schließlich gruppieren sich die „Szenegänger“, jene Personengruppe, die auf Events der Szene kurz mal auftaucht um dann gleich wieder zu verschwinden. Egal aber wie kurz oder lang jemand in der Szene auftaucht, er oder sie inszeniert das Schauspiel nach dem Vorbild und in Interaktion mit den anderen. Anders ausgedrückt: Szenen sind relativ einfach wähl- und abwählbare, vororganisierte Erfahrungsräume, die von außen zwar nicht recht zu greifen, nach innen aber relativ stabil sind, was u.a. an den Netzwerken liegt, die — ausgehend vom Szenekern — mit der Zeit geknüpft werden.

Modell einer Szene als zentralistisches Gebilde aus Netzwerken.

Um seine Zielgruppe nach Sinnhorizonten zu segmentieren ist das Modell der Szene nützlich. Einerseits kann anhand weniger Fälle untersucht werden, was eigentlich sinnvolle Engagementangebote sind, andererseits sind Szenen sehr gut vernetzt und dementsprechend für virale Kampagnen geeignet. Trifft man den Nerv — das Issue — der Gemeinschaft, beginnt das Netzwerk zu schwingen. Um diesen Nerv aber treffen zu können, ist die Untersuchung von Szenen, in denen Teile der eigenen Community aktiv sind, notwendig. Dabei geht es gar nicht so sehr um das „Was“, sondern vielmehr um das „Wie“ und „Warum“ etwas getan wird. Ein gutes Beispiel dafür sind Spendenläufe. Was getan wird ist klar: die Teilnehmenden laufen. Wie sie es tun wird schnell offensichtlich: sie tun es gern gemeinsam. Warum sie es aber tun ist wirklich interessant: Einerseits tun sie es, um fit zu bleiben oder ggf. einem verbreiteten Schönheitsideal nahe zu kommen, andererseits steht im Hintergrund aber auch Möglichkeit, damit etwas Gutes zu tun.

Das Management: Zielgruppen besser kennen lernen

Wie beim freiwilligen Engagement im Allgemeinen läuft das, was in der Gesellschaft als gut und nützlich gilt, also auch beim Szeneengagement eher im Hintergrund. Im Vordergrund steht die irgendwie sinnvolle Tätigkeit mit anderen — der Spaß oder die Freude, um im Jargon der Engagementförderung zu sprechen. Nun gibt es neben den Spendenläufen natürlich  noch viel mehr sinnvolle Engagementangebote. Da gibt es z.B. das Engagement als Botschafterin oder Botschafter einer guten Sache, die Mitarbeit — vll. als Spende von Zeit oder Manpower — in Projekten, die Unterstützung durch kreative Ideen und sicherlich noch einiges mehr. Die Frage, die beim New Volunteer Management im Vordergrund steht, ist die, welche Engagementangebote am besten zu welchem Zielgruppensegment passen, bzw. wie Engagementangebote eigentlich gestrickt werden müssen, dass sie von den einzelnen Zielgruppensegmenten als sinnvoll wahrgenommen werden.

Um den Sinnhorizont — das „Warum“ – anderer Menschen zu erforschen, werden in der Sozialwissenschaft Relevanzen untersucht. Man lässt die anderen einfach mal machen — bei narrativen Interviews erzählen — und beobachtet genau, was sie wie tun, um dann Schlüsse auf das Warum zu ziehen. Auf das Management von freiwillig Engagierten ist das nicht ganz einfach umzumünzen, weil das Was getan werden soll zumindest im Groben vorher feststeht. Möglich ist es allerdings den Unterstützerinnen eigene Projekte zu ermöglichen und dann zu beobachten, wie sie diese umsetzen. Mit Greenaction macht Greenpeace z.B. so etwas möglich. Würde man nun beobachten, wie die Engagierten bei Greenaction die Projekte im Einzelnen umsetzen, könnte man Schlüsse darauf ziehen, warum sie es überhaupt tun und daran anschließend wiederum neue (sinnvolle) Engagementangebote — vom sporadischen Micro-Volunteering, über die Projektleitung bis zum Engagement in Gremien und AGs — erarbeiten.

Im Kern ist das New Volunteer Management also ein an die Grounded Theory angelehnter Forschungsprozess, mit dem Ziel seine Unterstützer-Community datenbasiert zu segmentieren und die einzelnen Segmente mit sinnvollen Engagementangeboten zu versorgen. Das Engagement selbst — ‚the done work‘ — ist anders als beim Freiwilligenmanagement beim New Volunteer Management das Nebenprodukt der Entwicklung von Commitment und Engagement. Das hehre Ziel ist es, (auch virtuelle) Unterstützer-Gruppen zu bilden, die die Kampagne auf ihre eigene Weise in ihren eigenen Netzwerken verbreiten.

tl;dr: Aus einer Mixtur meiner Arbeits- und Interessenfelder der letzten Jahre, dem Online- und Micro-Volunteering, posttraditionaler Vergemeinschaftung und der empirischen Sozialforschung entsteht eine Art Freiwilligenmanagement 2.0. Das Modell des New Volunteer Management stelle ich Montagabend auf der re:campaign vor

PS: Twitter- und G+ Feedback bitte mit den Hashtags #rc13 & #nvm versehen. Danke!

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Zukunft des freiwilligen Engagements Teil 3: „der Return on Engagement“

Anhand der Studien Hartmut Rosas zur Beschleunigung in der Moderne habe ich in den letzten beiden Teilen meiner Reihe zur Zukunft des freiwilligen Engagements („Beschleunigung“ & „kostenloses Engagement“) gezeigt, dass die Kosten für ein Engagement seitens der Freiwilligenorganisationen dem postmodernen homo oeconomicus immer noch viel zu hoch zu sein scheinen. Die Angabe, keine Zeit (mehr) für ein freiwilliges Engagement zu haben (bspw. Gensicke/Geiss 2010: 143ff.), hat sich im Zuge der Betrachtung als Symptom der Beschleunigung herausgestellt. Nicht etwa, weil das Freizeitbudget des postmodernen Menschen tatsächlich schrumpfen würde (eher Gegenteiliges ist der Fall) — viel eher ist es die aus der gesellschaftlichen Beschleunigung resultierende gefühlte Zeitnot, die uns die Entscheidung für ein stetes Ehrenamt schwer werden lässt.

Wie Ulrich Beck in seinem Konzept der Risikogesellschaft festhält, beinhaltet die Entscheidung für eine Handlungsoption immer auch die, gegen alle anderen. Während ich bspw. an diesem Text arbeite, verfolge ich nicht die Tweets und Statusmeldungen meiner Netzwerkkontakte und laufe somit Gefahr, eine ‚wichtige‘ Meldung (vll. ein Jobangebot) zu verpassen. Um dieses Risiko zu minimieren und dennoch sein produktiv zu können, übe ich mich in dem, was man allgemein als Multitasking bezeichnet: Ich mache kurze Schreibpausen und schaue bei Twitter und Facebook vorbei bzw.  achte auf die Alert-Mails (automatische Benachrichtigungen via E-Mail), die mich als Zeitsparmaschinen, als die ich sie eingerichtet habe, paradoxer Weise zeitlich stark beanspruchen. Durch diese ablenkenden Ausflüge brauche ich immer wieder einige Zeit, um in den Schreibfluss zu kommen, was die Arbeit am Text in die Länge zieht. Da das Surfen im Social Web und das Schreiben dieses Textes im Grunde zwei unterschiedliche Tätigkeits- und Erlebnissphären darstellen und am Ende des Tages von mir auch als solche erinnert werden („Kurz-Kurz-Muster“), wird mich heute Abend wohl das Gefühl beschleichen, eine halbe Ewigkeit für diese paar Seiten Text gebraucht zu haben, woraus wiederum ein gewisser Nachholbedarf dessen erwächst, was ich möglicher Weise verpasst habe. Da der Tag aber nur 24 Stunden hat, bleibt mir schlussendlich das Gefühl, keine Zeit mehr für das zu haben, was ich eigentlich gern tun würde, weil ich zuerst tue, was ich glaube, tun zu müssen: Einen Text schreiben und gleichzeitig auf dem Laufenden bleiben.

Was Sascha Lobo in seiner Kolumne die Mensch-Maschine kürzlich als Prokrastination bezeichnete, stellt sich hier als etwas dar, das Rosa (2005: 297) in Anschluss an Niklas Luhmann als Temporalisierung von Komplexität bezeichnet: Der postmoderne Mensch registriert seine Handlungsoptionen und wägt sie nach Machbarkeit ab. Er (oder sie) entscheidet sich schließlich für das, was momentan möglich erscheint und schiebt alles andere auf. Eben deshalb, so habe ich im ersten Teil dieser Reihe gezeigt, sieht der postmoderne Mensch eher Fern und surft im Social Web, als dass er (oder sie) sich ehrenamtlich engagieren würde.

Im zweiten Teil dieser Reihe habe ich demgemäß die Möglichkeiten betont, freiwilliges Engagement friktionslos zu gestalten — heißt, die Kosten, die Engagierte mit einem Ehrenamt verbinden, soweit zu senken, dass der Return on Engagement überwiegt und die Handlungsoption Ehrenamt als ‚die beste‘ Wahl erscheint. Als problematisch hat sich dabei herausgestellt, dass die Returnversprechungen „Spaß haben“, „Wirkungsmacht“, „neue Leute kennen lernen“ usw. viel zu abstrakt sind, als dass das Ehrenamt mit ihnen ‚vermarktet‘ werden könnte. Und auch die diskursive Hervorhebung der Wichtigkeit bzw. des gesellschaftlichen Nutzens freiwilligen Engagements anhand krisenhafter Erscheinungen unserer Zeit, die Daniela Neumann im Rahmen ihrer Dissertation untersucht, führen nicht zum gewünschten Ergebnis (mehr Engagierte); vielmehr scheinen sie ein hohles Echo in Gestalt engagementfreundlicher Stimmung und hoher Engagementbereitschaft zu erzeugen.

Die Fragen, die sich demnach hier anschließen lauten: Wie lässt sich der Return on Engagement konkret erlebbar gestalten? Was müssen Freiwilligenorganisationen tun, um die nächste Generation der bislang vor allem Engagementwilligen jungen Erwachsenen zu erreichen? Und welche Folgen könnten damit verbunden sein? Bevor ich auf die letzte Frage nach den möglichen Folgen neuen Freiwilligenengagements eingehen kann, will ich in diesem dritten Teil einen Lösungsvorschlag für die ersten beiden Fragen formulieren. Als These notierte ich dafür im letzten Teil: „Engagementförderung besteht nicht darin, abstrakte Versprechungen vom Ehrenamt zu vermarkten, sondern darin, den Return on Engagement erlebbar zu machen.“

Das gute Gefühl erlebbar machen

Der postmoderne homo oeconomicus ist sicherlich kein perfekter Entscheider. Angesichts der Fülle und Vielfalt von Informationen, die der Mensch im spätmodernen Internetzeitalter tagtäglich registrieren, selektieren und verarbeiten muss, ist er (oder sie) auf vereinfachende Heuristiken angewiesen (dazu Bühler 2010: 33). Das subjektive Empfinden wie auch Emotionen und mentale Modelle bilden dabei wesentliche Entscheidungsgrundlagen für oder gegen ein freiwilliges Engagement. Abstrakte Versprechungen von „Spaß“, „Wirkungsmacht“ und „Gemeinschaft“ müssen hier ins Leere laufen, weil die emotionale Verknüpfung zu diesen Kategorien individuell verschieden ist. Was ein Sportkletterer unter Spaß versteht, kann für den Schachspieler eine Höllenqual sein, was eine Politikerin unter Wirkungsmacht versteht, erscheint ihrer Kritikerin als Getrieben-Werden und unter Gemeinschaft resp. „Sozialkapital“ verstehen die einen ‚Vitamin B‘, die anderen den Garant für ein gutes Zusammenleben.

Eben diese unterschiedlichen Verknüpfungen machen das Erleben des Return on Engagements notwendig. Wie wir in der betterplace LAB Studie zum freiwilligen Engagement in Deutschland zeigten (Jähnert/Breidenbach/Buchmann 2011: 33f.), ist es eben dieser gefühlte Return on Engagement, der Freiwillige in ihrem Engagement motiviert und der m.E. nun auch den Schlüssel zur Förderung freiwilligen Engagements darstellt. Insbesondere, weil Stetigkeit und Dauer eines Engagements keine zwingenden Voraussetzungen für das Erleben dieses Returns darstellen — im Zuge steigender Mobilitäts- und Flexibilitätsanforderungen ist eher vom Gegenteil auszugehen (Petersen 2012: 60ff.) — scheint die Beschleunigung von Freiwilligenengagements im Sinne der biographischen bzw. nun situativen Passung (á la Fernsehen) durchaus angebracht.

Werner Kerschbaum, seines Zeichens stellvertretender Generalsekretär des österreichischen Roten Kreuzes, regte auf dem Münsteraner Zukunftskongress des DRK Ende vergangenen Jahres diesbezüglich an, Freiwilligenorganisationen metaphorisch als Flughäfen zu verstehen, bei denen (a) ein ständiges Kommen und Gehen und (b) ein striktes Management herrscht. Die Flugzeuge stellen in diesem Bild die Freiwilligen, die Lotsen im Tower das Freiwilligenmanagement dar. Insbesondere der Landeanflug war für Kerschbaum von besonderem Interesse. Auch ich will dieses Bild hier gern ‚ausmahlen‘. Dabei sei allerdings darauf hingewiesen, dass die Flugzeuglandung nicht losgelöst vom lotsenden Tower (dem Freiwilligenmanagement) und dem koordinierten Abflug (Starterlaubnis) gedacht werden kann.

Nach Hartmut Rosa ist die spät- oder postmoderne Identität eine nur noch situative (ebd. 2005: 352ff.). Die Konstruktion von Identität als Verknüpfung der eigenen Vergangenheit (Wer war ich?) mit der jeweils wünschbaren Zukunft (Wer will ich sein?) in der schrumpfenden Gegenwart des In-der-Zeit-Seins hat sich im Zuge der Modernisierung gewandelt. Wurden Identitäten in der Frühmoderne vor allem vor dem Hintergrund der Vergangenheit konstruiert, wurden sie in der klassischen Moderne zu einem Gestaltungsprojekt in der Lebenszeit. In der Spät- oder Postmoderne aber entzieht sich die Identitätskonstruktion mehr und mehr der räumlichen Umgebung und der materielle Struktur, sodass Identität zu einem Punkt zusammenschrumpft, von dem aus alle ‚Außenbeziehungen‘ gestaltet werden (ebd.: 377); Individualisierung par excellence.

Es ist eben dieser Punkt, auf den die postmoderne Identität zusammenschrumpft, der so trefflich zum Bild des Flugzeuges passt. Losgelöst von fester Struktur und ausgerüstet mit ermöglichender (nicht aber erzwingender) Technik entscheiden die jeweiligen Pilotinnen und  Piloten, wann sie mit wem wie Kontakt aufnehmen und ob sie wann und wo landen. Wie Roland Hitzler (1999) bzgl. neuer Gemeinschaften von „Existenzbastlern“ konstatiert, wird zur Landung in der Postmoderne nicht mehr verpflichtet sondern verführt, womit hier noch einmal die Konkurrenz angesprochen ist, der freiwilliges Engagement als eine Möglichkeit der Gestaltung frei zur Verfügung stehender Zeit ausgesetzt ist.

Nicht zum ersten Mal schlage ich für diese Verführung Online- und Micro-Engagements vor, die kein hohes Commitment erfordern und zeitlich wie inhaltlich sehr klar definiert sind. Für solche Engagementangebote braucht es zwar das lotsende Management im Tower, doch noch keine Landug, keine feste Struktur (Teams, Räumlichkeiten, Material usw.). Die freie Entscheidung, rasch wieder davon zu fliegen und sich anderenorts zum Landeanflug verführen zu lassen, bleibt erhalten, wobei der Return on Engagement zunächst ephemer (in ‚small crunches‘), später in längeren Episoden, verbunden mit fester Struktur erlebbar wird.

Fazit

Wenn die stagnierenden Engagementquoten in Deutschland Symptome der Beschleunigung in der Postmoderne sind, sind neue Wege zum freiwilligen Engagement gefragt, die nicht mehr nur biographisch sondern vielmehr situativ passen müssen. Soll auch jenen neuorientierten Individualisten das gute Gefühl des giving back möglich gemacht werden, müssen die Freiwilligenengagements so an deren Lebensweise angepasst werden, dass sie mindestens als ein gute, wenn nicht gar die beste Wahl erscheinen. Freiwilliges Engagement genießt in Deutschland durchaus hohes Ansehen, die Stimmung ist gut, doch wollen die traditionell zeitlich und inhaltlich unspezifischen, meist technikfernen Engagements nicht so recht zur Lebensweise des postmodernen Menschen passen; das freiwillige Engagement und Ehrenamt scheint damit immer noch viel zu teuer. Dass vor allem jungen Erwachsenen das Erleben des Returns on Engagement verwehrt bleibt, dürfte ihnen die Entscheidung für ein Ehrenamt nicht einfacher macheb. Wie soll man Handlungsoptionen gegeneinander abwägen, wenn man kein Gefühl für den erwartbaren Return hat?

Vorgeschlagen habe ich hier, Engagements so zu gestalten, dass sie in den individuellen Alltagsvollzug eingepasst werden können. Ergänzt mit weiteren Möglichkeiten des Engagierens, die die Freiwilligen mehr und mehr einbinden, ihnen mehr Gestaltungsspielraum und Verantwortung überlassen — so das positive Szenario — lässt sich langfristig der Bedarf an Ehrenamtlichen für Leitungs- und Führungspositionen decken. Doch auch das Negativszenario ist zu bedenken. Wenn es nämlich zutrifft, dass unsere Zeit so erlebnisreich wie erfahrungsarm ist, ist es durchaus vorstellbar, dass es niemals zu ‚Landung‘ neuer Freiwilliger kommt und der Bedarf an situativ passgenauen Micro-Engagements bis ins unermessliche steigt. Dann drohte die Stimmung unter den bereits Engagierten umschlagen, was auch sie dem Trend Micro-Volunteering folgen ließe — mit fatalen Folgen. Die Starts am Flughafen würden die Langen überwiegen; die einstmals gut gemeinte Strategie der Engagementförderung würde ins Gegenteil umschlagen und das Ende des Ehrenamts einläuten.

So schließe ich diesmal nicht mit einer These, sondern mit der Ankündigung, diese zwei Szenarien das nächste Mal gedankenexperimentell durchzuspielen. Vielleicht erweist sich das eine, das andere oder gleich alle beide als ziemlich unrealistisch …

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Die Zukunft des freiwilligen Engagements Teil 2: „kostenloses Engagement“

Im ersten Teil meiner Reihe zur Zukunft des freiwilligen Engagements schrieb ich über die Beschleunigung in modernen Gegenwartsgesellschaften. Die Moderne, so der Befund, ist gekennzeichnet von größeren und kleineren Beschleunigungsschüben, die sich auf dreierlei Weise im Leben des post- oder spätmodernen Menschen manifestieren: Die technische Beschleunigung, die Beschleunigung des sozialen Wandels und die Beschleunigung des Lebenstempos. Hartmut Rosa (ebd.: 243ff.) zeigt, dass sich diese drei Ebenen in einem „Akzelerationszirkel“ gegenseitig antreiben und [e]ine wirkungsvolle Unterbrechung […] im Horizont der sich verselbstständigenden systemischen Prozesse der Moderne […] sehr unwahrscheinlich [ist]“ (ebd.: 255).

Die Beschleunigung in spät- oder postmodernen Gesellschaften, so habe ich im letzten Teil zu zeigen versucht, führt auf der Ebene des individuellen Erfahrens zu gefühlter Zeitnot, die einen hilfreichen Hinweis auf das „Warum“ der Diskrepanz zwischen hoher Engagementbereitschaft (37%) und tatsächlichem Engagieren (36%) gibt (zu den deutschen Engagementquoten siehe Gensicke/Geiss 2010). Da die Beschleunigung in der modernen Gegenwartsgesellschaft zu einer Schrumpfung des Zeitraums führt, der sich vom einzelnen als Gegenwart noch sicher überblicken lässt, fühlt sich der postmoderne Mensch schlicht nicht mehr in der Lage, längerfristige Engagements mit unspezifischen Anforderungsprofilen zu übernehmen. Insofern eben diese mehr oder minder unspezifischen Engagements aber typisch für die deutsche Freiwilligenarbeit sind, stellt sich die Angabe keine Zeit für ein Engagement zu haben als Symptom der Beschleunigung dar. Anstatt sich freiwillig für eine gute Sache, eine bessere Welt oder die eigenen Ideale einzusetzen, ‚entscheidet‘ sich der postmoderne homo oeconomicus lieber für Tätigkeiten, die zwar weniger geschätzt werden und weniger Befriedigung verschaffen, aber eben besser in das eigene Identitäts-Patchwork passen; der postmoderne Mensch sieht fern und surft im Social Web.

Mit Angelika Diez diskutierte ich in den Kommentaren diese Identitäts-Patchworks. Während Rosa behauptet, dass die Fragmentierung der postmodernen Erlebniswelt die Ausbildung stabiler Identitäten kaum noch vorstellbar macht, waren wir uns doch einig, dass Identitäten heute zwar nur noch stark fragmentiert zu beschreiben sind, sich aber dennoch als individuell sinnvoll und damit stabil erweisen. Angelika beschrieb dies mit den einzelnen Bildern eines Films, ich mit Gravitationsfeldern, die die Erlebnisse und Erfahrungen um ein (oder vielleicht auch mehrere) Issues kreisen lassen — ein bestimmtes Thema, eine Lebensqhilosophie etc.

Das Für und Wider unserer Vermutungen werde ich später noch einmal aufnehmen. Hier im Folgenden will ich zunächst nach Möglichkeiten friktionslosen Freiwilligenengagements suchen. Als These notierte ich dafür im letzten Teil, dass die Engagementförderung dem Vorbild des Fernsehens folgen sollte und eine ganze Bandbreite von unterschiedlich aufwändigen Engagements möglich machen muss“ – vom langfristigen, anspruchsvollen Commitment bis zum sporadischen Hosentaschenenagegement für zwischendurch.

Kostenloses Engagement!?

Der Schwerpunkt dieses zweiten Teils liegt also nicht auf den Arbeitsleistungen Freiwilliger, die für Nonprofits vermeintlich kostenlos sind, sondern auf der möglichst friktionslosten Gestaltung des Freiwilligenengagements. Speziell die Einstiegsoptionen in den Freiwilligensektor, so die Grundannahme, dürfen den Interessierten nicht mehr abverlangen, als das, was sie eigentlich tun wollen. Wer helfen oder sich einbringen will, sollte es zunächst einfach tun können, ohne vorher oder währenddessen zusätzliche Aufwendungen leisten zu müssen; der Return on Engagement sollte dementsprechend höher sein, als die Aufwendungen, die dafür nötig sind. Wie Brigitte Reiser festhält, sind hier also eher Hosts als Helden gefragt.

Bei oberflächlicher Betrachtung scheint die Gestaltung kostenlosen Ehrenamts schon längst im Gange. Zumindest die tatsächlichen Aufwendungen für die Ausübung eines freiwilligen Engagements werden schon häufig erstattet (Fahrtkosten, Arbeitsmaterial und -kleidung etc.). Zudem wurde im Zuge der Entbürokratisierung 2007 — übrigens auch Symptom der Beschleunigung (Rosa 2005: 323ff.) — eine steuerfreie Ehrenamtspauschale von 500 € p.a. (§ 3 Nr. 26 a EStG) eingeführt, die die Quote pauschaler Aufwandsentschädigungen im freiwilligen Engagement von sieben auf zehn Prozent ansteigen ließ (Jähnert/Breidenbach/Buchmann 2011: 48). Es ist nicht auszuschließen, dass die Möglichkeit pauschaler Aufwandsentschädigungen im Dritten Sektor immer mehr als Anreizsystem für das freiwillige Engagement missverstanden wird, was wiederum tief blicken lässt: Trotz der verbesserten Möglichkeit keine — oder zumindest keine direkten — finanziellen Einbußen durch das Ehrenamt zu haben, stagniert die deutsche Engagementquote seit den 1990er Jahren (Petersen 2012: 53f.). Insbesondere traditionelle Dritt-Sektor-Organisationen klagen über fehlenden Nachwuchs für zu besetzende Ehrenämter, obwohl sie es eigentlich sein müssten, die Ehrenamts- und Übungsleiterpauschalen zahlen und tatsächlich entstandene Aufwendungen entschädigen können.

Das Problem, vor dem die deutsche Engagementförderung also steht, ist, dass das Ehrenamt dem postmodernen Menschen immer noch viel zu teuer scheint. Nicht etwa, weil er (oder sie) nicht bereit wäre, in eine gute Sache zu investieren (vgl. jährliches Spendenvolumen in Deutschland), sondern, weil viel zu oft versteckte Kosten hinter einem Engagementangebot vermutet werden. Versteckte Kosten, die sich nicht in finanziellen Messgrößen wiedergeben lassen und damit nur sehr schwer verhandelbar sind.

Einen nützlichen Hinweis auf diese versteckten Kosten geben Jürgen Habermas und Hartmut Rosa gleichermaßen. Habermas schließt aus der systemischen Verselbstständigung eine strukturell generierte Verantwortungslosigkeit, die jedes einzelne System „unsensiebel für die Kosten [macht], die es für andere Systeme erzeugt“ (ebd. 1992: 417). In Anschluss an Lewis A. Coser spricht Rosa dementsprechend von „gierigen Organisationen“ (ebd.: 2005: 304), die nicht nur einen Teil der Zeit eines Menschen in Anspruch nehmen ‚wollen‘, sondern der Tendenz nach ungeteilter Aufmerksamkeit verlangen (ebd.: 304f.). Eben dieser tendenziell totalitäre Anspruch auf frei zur Verfügung stehende Zeit, der auch aus anderen Gesellschaftsbereichen (Familie, Schule, Erwerbsarbeit) bekannt ist,  wird — so lässt sich an dieser Stelle vermuten — häufig als Okkupationsversuch des eigenen Lebens wahrgenommen und dementsprechend gegen den zu erwartenden Return abgewägt.

Siegfried Bühler (2010: 34f.) sieht eben diesen Prozess des Abwägens als wesentlichen Punkt bei der Entscheidung für ein freiwilliges Engagement. Ihm zufolge determinieren insbesondere die Variablen (a) Wahrnehmung einer Handlungsalternative wie z.B. eines freiwilliges Engagement, (b) die Einschätzung der Realisierbarkeit dieser Handlungsalternative und (c) die Abwägung gegen andere Alternativen als ‚die beste‘ die Entscheidung für die Aufnahme eines Freiwilligenengagements. Über die Variable (a) wird bereits viel gesprochen, über die Variablen (b) und (c) hingegen nicht. Ungeachtet des Konkurrenzdrucks, der dadurch entsteht, scheint es, als würden Engagementangebote allein nach dem Bedarf der Freiwilligenorganisationen ‚gestrickt‘ und einfach gehofft, dass das Engagement schon für irgendjemanden passen wird. Wie gezeigt, schließt dieser Bedarf auch die unsensible Okkupationstendenz gieriger Organisationen ein, weshalb zeitlich und inhaltlich unspezifische Engagementangebote in der deutschen Freiwilligenarbeit so typisch sind.

Da nun aber angesichts stagnierender Engagementquoten die Vermutung nahe liegt, dass das „Freiwilligen-Markt“ (Neumann 2012:11f.) für diese Art von Engagements bereits ausgeschöpft ist, müssen neue Wege des freiwilligen Engagements gegangen werden, die sich nicht mehr nur an den Bedarfen der Organisationen ausrichten, sondern diese auf empathische Weise mit den Bedarfen potentieller Freiwilliger in Einklang bringen. Insofern geht es also viel mehr darum, das gute Gefühl des giving back möglich zu machen und so den von vielen Freiwilligen bestätigten Return on Engagement erlebbar zu machen. Das Erleben dieses Returns aus freiwilligen Engagement ist dabei deshalb so wichtig, weil die Versprechungen von Gemeinschaft, Spaß, Kompetenzerwerb und Wirkung viel zu abstrakt sind, als dass man mit ihnen das traditionelle Ehrenamt ‚vermarkten‘ könnte.

Fazit

Vor dem Hintergrund der Beschleunigung in post- oder spätmodernen Gesellschaften sowie der Stagnation der deutschen Engagementquoten scheinen traditionell zeitlich und inhaltlich unspezifische Engagementangebote, wenn sie überhaupt wahrgenommen werden und realistisch erscheinen, für ein Gros der Deutschen nicht die ‚beste Alternative‘ zu friktions- und (mithin) folgenloser Kurzweil. Mit Freund!nnen und Bekannt!nnen über Facebook & Co.  zu chatten oder Statusmeldungen, Tweets und Blogposts zu kreieren, fern zu sehen oder Sport zu treiben scheinen eher die Freizeitbeschäftigungen der Wahl zu sein; freiwilliges Engagement und Ehrenamt wird damit mehr und mehr zum Sonderfall.

Dabei ist es mitnichten so, dass der individuelle ‚Nutzen‘ freiwilligen Engagements verkannt würde. Vielmehr wird dem Ehrenamt (als höchsten Ausdruck der Sozialmoral [Gensicke 2011: 171]) einiges an Bedeutungs- und Befriedigungspotential beigemessen, was sich aber eben nicht in den Quoten tatsächlich engagierter und damit der zivilgesellschaftlichen ‚Durchschlagskraft‘ widerspiegelt. Die These, die ich das nächste Mal wieder aufnehmen will, lautet dementsprechend: Engagementförderung besteht nicht darin, abstrakte Versprechungen vom Ehrenamt zu vermarkten, sondern darin, den Return on Engagement erlebbar zu machen.

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