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Die Wheelmap-Google-Kooperation — Eintagsfliege oder zivilgesellschaftlicher Clou?
Anlässlich des ersten Jahrestages von Wheelmap.org präsentierten die Berliner SOZIALHELDEN am Mittwochmorgen (21.09.2011) im eigentlich nicht ganz barrierefreien Café Bilderbuch in Schöneberg ihren ersten TV-Spot. Die Fernsehwerbung für Wheelmap.org soll ab dem 2. Oktober dieses Jahres drei Wochen lang zur prominentesten Sendezeit auf allen Privatsendern laufen. Schon ab dem 25. September wird der Spot im deutschen Youtube-Channel des Google-Browsers Crome zu sehen sein. Damit sollte klar sein, mit wem die Berliner SOZIALHELDEN gedealt haben, um ihre Karte für Rollstuhlgerechte Orte weiter zu promoten.
(Ergänzt am 25. Sept. 2011)
Die Kooperation mit Google Deutschland muss dabei zunächst skurril erscheinen, ist der Katenservice Google-Maps doch so offensichtlich inkompatibel mit dem OpenStreetMap-Programm, auf das die Wheelmap aufsetzt. Die Berliner SOZIALHELDEN – so Raul Krauthausen – hätten sich seinerzeit dafür entschieden, die zu sammelnden Daten unter einer offenen Lizenz allen Interessierten zugänglich zu machen, womit das Kartenmaterial von OpenStreetMap einfach nahe lagen. ‚Wir können ja nicht garantieren‘ – so Rauls Erklärung sinngemäß – ‚das wir auch noch in 100 Jahren da sein werden und die Daten vorhalten können.‘
Soweit so richtig. Dem Deal mit Google steht eben das aber entgegen. Wollte Google nämlich die Daten der Wheelmap nutzen, müssten die Lizenzbedingungen dieses Crowdsourcing-Projektes nachträglich geändert werden, was — wie Nina Diercks kürzlich erläuterte — nicht umstandslos zu machen und auch nicht unbedingt ratsam ist. Doch auch wenn hier (noch) rechtliche Schwierigkeiten zu erkennen sind, scheint der Übertrag gemappter Orte auf stark frequentierte Kartenservices wie Google-Maps & Co. der Vision der Berliner SOZIALHELDEN von einer inklusiven Gesellschaft, die im Wesentlichen der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen entspricht, zuträglich.
Die Wheelmap ist schließlich nicht nur ein Tool für die 1,6 Millionen Rollstuhlfahrerinnen und -fahrer in Deutschland. Obgleich das die zentrale Zielgruppe des Projektes ist, dürfte die Karte (vor allem in ihrer mobilen Version als iPhone- und Android-App) darüber hinaus auch Menschen helfen, die auf einen Rollator, einen Kinderwagen, ihr Fahrrad oder ähnliches Gerät angewiesen sind. Und auch das wird der Wheelmap allein nicht gerecht. Wer das Projekt auf seine Funktionalität als Web-Tool beschränkt, blendet aus, dass die Wheelmap als Crowdsourcing-Projekt Bewusstsein schafft und zivilgesellschaftlichen Druck aufbaut, wie es auf anderen Wegen nur schwer möglich wäre. Seit dem Start dieses Projektes weiß ich bspw., dass mein Bäcker über der Straße — ja eigentlich mein ganzer Kiez — nur bedingt Rollstuhlgerecht ist. Natürlich werde ich daran allein wenig ändern können, was mich zur Medienpräsents und dem größere Publikum für die Wheelmap zurückführt.
Die Frage bleibt: Warum engagiert sich Google Deutschland für Projekte, die auf den offenen Karten des Konkurrenten aufsetzen? Stefan Keuchel — Pressesprecher von Google Deutschland — beteuerte mir gegenüber seine Begeisterung für Open Source Projekte á la OpenStreetMap. Da mit Begeisterung allein aber kein Geld zu machen ist, vermute ich, dass es sich hier zunächst um eine CSR-Aktion von Google handelt, die vielleicht noch ausgebaut werden wird. Zum einen liegt mir das nahe, weil mich der Wheelmap-Spot sehr an andere Google-Clips — die Wheelmap als in ein weißes Google-Kleidchen gesteckt wurde — zum andern vermute ich, dass sich auch die deutschen Google-Guys nicht mit der aktuellen Gesetzeslage oder irgendeinem Ist-Stand abfinden.
Vermutlich wird also ein Weg gefunden werden, der auch Google die Daten der Wheelmap nutzen lässt. Der Vision von einer inklusiven Gesellschaft wäre das nur zuträglich, den Community-Kern von Wheelmap.org — also jenen Mulitplikatorinnen und Multiplikatoren, die die Wheelmap bis heute viral bekannter gemacht haben — aber könnte das verprellen. Ich selbst fände es sehr schade, würde der grundsätzlich beneidenswerte Schritt zur weiteren Kooperation mit Google (über Google Grants und Android-App hinaus) nun doch einen Schritt zurück bedeuten. Ohne Community droht die groß angelegte PR-Aktion schließlich zu einer medialen Eintagsfliege zusammen zu schrumpfen. Ich denke, es ist nun an den Berliner SOZIALHELDEN, ihre Kooperation mit Google transparent zu machen und ihren Leuten jetzt nachvollziehbar zu erklären, wie die weiten Schritte aussehen werden.
"Richtig Googeln"
Kürzlich habe ich mich mal wieder dran gesetzt und die Seite “über mich …” hier auf dem Blog weiter vervollständigt. Aus meinem Arbeitsordner habe ich einfach mal zusammengetragen, was ich bisher schon so alles gemacht habe. Zu meinem Erstaunen hat sich bis heute schon einiges angesammelt und erfreulicher Weise wird wohl dieses Jahr auch noch einiges dazu kommen.
So bin ich eingeladen diesen September auf der stART Conference in Duisburg über das “Micro Volunteering” zu referieren, im Oktober auf der Volonteurope Conference in Athen einen Workshop zu “Internet, Social Media and Volunteering” zu geben und außerdem noch drei Seminartage für die Akademie für Ehrenamtlichkeit Deutschland zu gestalten — einen zum Internet als Mittel der Öffentlichkeitsarbeit (09.09.) und zwei zu “Freiwillige Online!” (20./21.09.). Zwar lässt sich nicht leugnen, dass der Herbst damit wieder einmal eine stressige Zeit werden wird (Man bedenke, dass ich eigentlich Vollzeit [!] studiere.), doch bin ich mit Blick auf die Vorbereitungen frohen Mutes und freue mich auf die neuen Engagements.
Bei meinen Stöbereien in den Untiefen meiner Arbeitsordner, bin ich nun aber auch auf längst verflossene Projekte gestoßen, die eigentlich viel zu interessant sind, als das sie ihre Existens nur auf meinem Rechner fristen sollten. So entdeckte ich unter anderem die Verschriftlichung eines Referates zu “Politics and Truth”, das ich im Februar 2008 in Neu Delhi gehalten hatte, eine witzig geschriebenen Auswertung zu einer der Übungen, die ich 2007 im Rahmen meiner Tutorenstelle an der FH-Erfurt gestaltete (Thema war “Flow im Spiel ‘Counter Strike”) und ein Trainingsskript zum richtigen Gebrauch von Suchmschinen wie Google, wobei ich besonders bei Letzterem begann in Erinnerungen zu schwelgen:
Es war in meinem ersten Praktikumssemester in meinem Sozialarbeitsstudium in Erfurt. Ich absolvierte damals ein 20-wöchiges Praktikum im Bildungsbereich des Paritätischen Landeswohlfahrtsverbandes Thüringen, über das es eigentlich nicht viel mehr zu sagen gibt, als das meine ersten Erfahrungen in der Erwachsenenbildung nicht wirklich erbaulich waren. Ich hatte damals einen dicken Schädel, mit dem ich wohl etwas zu rabiat gegen die Wände der paritätischen Organisation gelaufen bin und mitnichten die leicht gebeugte Haltung, die von mir erwartet wurde. Kurz: Das Praktikum in Neudietendorf war eine wertvolle Erfahrung, die man gemacht haben sollte, wenn man sich nicht all zu naiv mit der Entwicklung von NPOs und zivilgesellschaftlichen Organisationen beschäftigen will.
Eines meiner Praktikumsziele war damals die Konzeption und Durchführung eines eigenen Trainigs. Dank meiner Anleiterin verfolgte ich dieses Ziel damals auch wirklich und konzipierte das Google-Training. Damals war mir aufgefallen, dass viele Leute um mich herum zwar Suchmaschinen — hauptsächlich Google — nutzten, nur irgendwie nicht wirklich brauchbare Informationen zu finden im Stande waren. Eine Wahrnehmung, die sich mit meiner eigenen Erfahrung nicht vertrug. Wenn ich Google bemühte, fand ich mist, was ich suchte …
So trug es sich also zu, dass ich einigen Referent!nnen des Paritätischen Landeswohlfahrtsverbandes in Thüringen das Googeln näher brachte. Das Sktipt dazu wollte ich eigentlich noch einmal überarbeiten, weil es in seiner jetzigen Form tatsächlich etwas veraltet ist. Leider bin ich bis heute nicht wieder dazu gekommen, weshalb ich es nun erstmal so hier einstelle.
PS: Die Adresse, die Telefonnummer sowie die E-Mail stimmen nicht mehr. Wenn ich es schaffe das Skript zu überarbeiten, berichtige ich sie ![]()
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Verschlagwortet mit Arbeit, Blog, google
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Googles Bruch mit China
Irgendwie konnte ich gestern nicht glauben, was am späten Vormittag über #Google und #China getwittert wurde. Google bricht mit der chinesischen Internetzensur und öffnet die Schleusen zu bis dato gesperrten Informationen. Doch es stimmte. Nach umfangreichen Hackerangriffen aus China Ende 2009 entschloss sich der Internetkonzern dem Zensurregime in China den Kampf anzusagen.
Ein Kampf gewiss, der von vornherein aussichtslos war. Mit einem Marktanteil von rund 36% ist Google zwar der zweitgrößte Suchmaschinenbetreiber in China (nach Baidu) aber eben doch nur der zweitgrößte. Google ist damit für den chinesischen Internetmarkt verzichtbar.
Warum entschlossen sich also die Google Guys (und Girls) zum absehbaren Rauswurf aus China? Bloße PR? Na klar! Seit Jahren schreiben sich Kritikerinnen und Kritiker über Googles “Chinasyndrom” die Finger wund. Der Konzern steht als Datenkraken, dem sein Credo “Don’t be evil!” nichts Wert zu sein scheint, schon einige Zeit in der Kritik. Mit dem Öffnen der Zensurschleusen setzte Google nun ein weithin begrüßtes Zeichen für ein freies Internet.
Doch es bleibt dabei: Der Kampf war verloren, bevor ihn Google begann. Es ist wie in der Geschichte vom Kampf David gegen Goliath, nur das hier Goliath erwartungsgemäß gewinnt. Interessant dabei — und für Googles PR sicherlich vorteilhaft — ist, dass der Internetkonzern, der sonst immer als Goliath auftritt, nun mal in die Rolle des sympathischen David schlüpfen durfte.
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