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New Volunteer Management — ein zielgruppenorientiertes Framework
Die re:campaign am 06. und 07. Mai stand für mich ganz im Zeichen des freiwilligen Engagements in der Kampagnenarbeit. Mit meinem eigenen Vortrag zum New Volunteer Management im Gepäck war ich besonders gespannt auf die Inputs von Betsy Hoover (Doku, Video), Felix Kolb (Doku) und Yussi Pieck (Audio), die von der Mobilisierung Freiwilliger, von der strategischen Fragen zur Kampagnen-Vorbereitung und von möglichen Learnings aus den USA sprachen (in dieser Reihenfolge). Einiges der Inputs konnte ich gleich mit in meine Session einbauen. Hier die vier wichtigsten Punkte:
- Ladder of Engagement: Die Ladder of Engagement beschrieb Betsy Hoover mit den Schlagworten „share”, „donate”, „advocate”, „attend an event” und „become a leader“. Angefangen also vom Klick auf Facebook bis zur Gestaltung eigener Volunteer-Projekte sollten Freiwillige im Laufe einer Kampagne also ‚nach oben klettern‘ können.
- Supported Journey: Mit dem Schlagwort supported journey wies Yussi Pieck darauf hin, dass das Commitment sporadisch engagierter Volunteers entwickelt werden muss und nicht zu früh mit zu viel Ballast behängt werden darf.
- Small Data: Das Schlagwort Small Data setzte Pieck dem US-amerikanischen Big Data entgegen. Es ist in Europa (noch) nicht möglich, im Campaigning offene Daten zum Wahlverhalten o.ä. zu nutzen. Deshalb, so Pieck, sei man hierzulande darauf angewiesen, mit übersichtlicheren Datensätzen zu arbeiten, um Zielgruppen sinnvoll zu segmentieren.
- Was vererbst du? Nach der Kampagne ist vor der Kampagne stellte Felix Kolb fest und fragte, was den Moment der Kampagne (der durchaus lang sein kann) überdauert. Reputation zahlt sich freilich aus, eine Gewahrmachung neuer Möglichkeiten des Einmischens für die Unterstützerinnen und Unterstützer sicherlich auch.
Es gab natürlich noch viel mehr als diese vier Punkte. Da waren zum Beispiel noch die zentralen Prinzipien Hoovers „relationship based organizing“: „empowerment“, „partizipation“ und „force multipliers“, da waren einige Hinweise zum Storytelling und da war schließlich auch die Feststellung „there is no more online or offline organizing — there is just organizing“. Und auch das, was mir nicht oder nicht wirklich viel begegnete, war aufschlussreich: Gamification spielte keine besondere Rolle in den Keynotes und Inputs, die ich besuchte (übrigens auch nicht auf dem BarCamp am nächsten Tag). Doch wie dem auch sei, hier geht es mir nicht um eine Doku der gesamten re:campaign, ich will hier lieber noch einmal auf das Framework des New Volunteer Managements eingehen, in dem sich die wichtigsten Punkte rund um die Unterstützer!nnen-Mobilisierung wiederfinden.
Die Hintergründe
In die Hintergründe zum Modell hatte ich mich in meinem Vortrag ein bisschen verrannt. Warum eigentlich? Hatte ich das nicht vor der Konferenz schon in meinem Blog beschrieben? Das hatte ich! Doch empfand ich das Szene-Engagement eben nicht nur als nützliches AdOn des New Volunteer Managements, sondern als einen der zentralen Punkte. Es sollte ja gerade nicht nur darum gehen, wie man Menschen dazu bekommt, mit Freude, Pathos und ohne Absicht eigener Bereicherung für die Kampagne / die Organisation zu arbeiten, sondern darum, über den Prozess des freiwilligen – selbstbestimmten (!) — Engagements „Small Data“ zu generieren und so die eigene Zielgruppe besser kennen und segmentieren zu lernen.
Freiwilliges Engagement — auch das im Campaigning — hat definitiv die Schwäche der Homophilie. Gleich und gleich gesellt sich gern! Wenn es (nur) darum geht, Jobs erledigt zu bekommen, fällt es mir am leichtesten, mit jenen zu arbeiten, die ähnlich gestrickt sind wie ich; die sich für ähnliche Themen interessieren und ähnliche Probleme im Engagement kennen (z.B. starre Strukturen). Geht es aber darum, neue Zielgruppen kennen zu lernen, ist dieser ‚Weg des geringsten Widerstandes‘ nicht der beste. Hier geht es darum, andere Sinnhorizonte zu erforschen. Den Leidvollen Prozess des Kulturschocks nicht zu scheuen und neue Verknüpfungen zwischen meinem Anliegen und den ‚normalen Aktivitäten‘ meiner Zielgruppen anzulegen.
Dieser Prioritätenwechsel sollte nicht falsch verstanden werden. Die Prinzipien und Modelle des Freiwilligenmanagements sind gut und richtig. Vor allem als Handwerkszeug für die Projekte vor Ort oder im Netz sollten sie eingesetzt werden. Geht es aber eben darum, den Freiwilligen den ‚Vortritt‘ zu geben und ihnen selbstbestimmte Projekte zu ermöglichen, können die eigenen Vorstellungen vom richtigen Unterstützen nicht mehr als Maßstab herangezogen werden.
Das Framework
Das New Volunteer Management besteht aus acht Schritten, die in einem Kreislaufmodell angeordnet sind. Vor dem Kreislauf steht das Kampagnenthema, das Anliegen, auf das es ankommt. Das Kampagnenthema habe ich absichtlich nicht in den Kreislauf eingebettet, weil es in diesem Modell die Sache der Organisation oder Initiative ist. Nichtsdestotrotz können Themen auch von ‚außen‘ an das Kampagnenteam herangetragen werden. Wichtig war mir hier, dass Kampagnenthemen nicht danach ausgewählt werden sollten, was bei der Zielgruppe gerade am besten ankommt, sondern danach, was im Sinne der Grundsätze der Organisation gerade wichtig ist — noch einmal: der Weg des geringsten Widerstandes ist nicht immer der Beste.
Insight: Bei der #drosselkom Kampagne geht es im Kern um die Netzneutralität. Die Telekom will künftig nur noch Tarife anbieten, bei denen die Übertragungsgeschwindigkeit — ähnlich wie bei den S- und M- Tarifen der Mobil-Web-Anbieter — nach einem gewissen Datenvolumen gedrosselt wird. Da die Angebote der Telekom selbst davon unberührt bleiben sollen, steht ein Eingriff in die neutrale Übertragung aller Daten zu befürchten, dem sich über kurz oder lang auch andere Anbieter anschließen dürften.
(1) Die Zielgruppe
Ist das Kampagnenthema bestimmt, gilt es die Zielgruppe zu identifizieren und (soweit möglich) sinnvoll zu segmentieren. In welche Unterstützergruppen kann ich meine Zielgruppe aufteilen?
- Gibt es geographische Schwerpunkte, mit denen z.B. Rückschlüsse auf genutzte Social Networking Dienste, auf Netzaffinität und mögliche Folgeaktionen vor Ort denkbar wären?
- Gibt es Schwerpunkte bei Alter und Bildungshintergrund ([angestrebter] Abschluss, Studienrichtungen usw.) mit denen erste Anhaltspunkte ausgemacht werden könnten, wie z.B. geschrieben werden muss und inwiefern Differenzierungen angebracht sind?
- Lassen sich schon Freizeit-Themen wie Musikgeschmack, Sportarten o.ä. ausmachen, über die ich Zielgruppensegmente ansprechen kann?
Nicht selten ist die Zielgruppe im Campaigning riesig groß. Da sollen dann einfach alle angesprochen werden. Wenn es darum geht, möglichst breiten Protest auf die Straße zu bringen oder möglichst viele Unterschriften zu übergeben, ist das natürlich auch sinnvoll. Nichtdestotrotz sollte man sich überlegen, ob die eigenen Ressourcen ausreichen, die ganze Welt zur Zielgruppe zu erklären.
Insight: Für die Obama-Kampagnen in den USA konnte auf umfangreiche Datensätze zurückgegriffen werden, die eine Segmentierung (fast) der gesamten Wahlbevölkerung möglich machte. Wer z.B. hat wann Republikaner, wer hat wann Demokraten gewählt? Wo wohnen diese Leute und wo liegen die jeweiligen ‚Hochburgen‘ der Lager? In Deutschland bzw. Europa ist das nicht möglich. Hier verlegt man im Campaigning mehr auf das Testen: A-B-Tests für Webseiten z.B. die Aufschluss darüber geben, ob der Spendenbutton oben rechts in grün oder unten links in blau besser ankommt (Natürlich sehr vereinfacht!). Auch Mailings werden getestet, indem unterschiedliche Gruppen unterschiedliche Mails (mit verschiedenen Betreffzeilen und Texten) geschickt und der Rücklauf gemessen wird. Belastbare Rückschlüsse auf unterschiedliche Unterstützergruppen aber lassen sich — schon wegen der zufälligen Auswahl — damit nicht formulieren.
(2) Die Aufbereitung des Kampagnenthemas
Der Identifizierung und Segmentierung der Zielgruppe folgt die Aufbereitung des Kampagnenthemas. Nicht alle Zielgruppen lassen sich über Webseiten oder über das Social Web ansprechen. Manche werden bei Online-Kampagnen sogar wegen fehlender Anschlüsse oder mangelndem Netzausbau ausgeschlossen. Auch fühlen sich manche von der Komplexität politischer Themen — mithin auch der der Entscheidungsfindung in den Parlamenten — überfordert, wohingegen andere Kampagnen-Sprech á la BILD Zeitung affektiv wegklicken. Wie also lässt sich das Kampagnenthema zielgruppenadäquat aufbereiten?
- Welche Medien, welche Kanäle, welche Dienste nutzen die verschiedenen Unterstützergruppen? Ist z.B. Facebook wirklich der Player oder sollten wer-kennt-wen, Tumblr, Twitter und andere Dienste nicht auch in Betracht gezogen werden?
- Wie einfach / wie komplex darf es sein? Adressiere ich Menschen mit hohem Bildungsabschluss könnte ich mit dumpfen Parolen schnell scheitern. Mache ich es zu komplex, erreiche ich die die anderen nicht.
- Was sind die Themen, an die ich anschließen kann? Welche Themen sind (a) gerade in der Presse und mit welchen Themen beschäftigen sich (b) meine Unterstützergruppen? Es ist sicherlich sinnvoll auf Tagesaktuelles anzuschließen, schaffe ich es aber das Kampagnenthema mit dem zu verbinden, womit die Leute in ihrer Freizeit abschalten, okkupiere ich einen weiteren, nicht unwesentlichen Teil ihres Alltags.
Insight: Auch wenn Spendenläufen eher zum Fundraising denn zum Campaigning gehören, geben sie doch ein gutes Beispiel ab. Zum einen wird hier ein Hobby, bei dem die Leute normalerweise vom Alltag abschalten, mit einem Anliegen (Fundraising) verbunden, sodass das Engagement doppelt motiviert wird. Zum anderen können solche Läufe auch so in Szene gesetzt werden, dass sie zusätzlich ein bestimmtes Image transportieren. Oxfam z.B. inszeniert den Trailwalker-Spendenlauf als Lifestream im Netz und zeigt so z.B., dass ALLES — auch Aktivitäten tief im Wald — ins Netz geholt werden kann (Ein Schauer für manche!). Bei der Frage nach Einfachheit und Komplexität wird im Campaigning zumeist eine Balance gesucht. Der Auftakt ist immer recht einfach. Bei #drosselkom wird zunächst nicht das mega-komplexe Thema Netzneutralität sondern das „Marktverletztende“ der #drosselkom betont. Erst wenn man über den ersten Call hinaus liest, kommt die Netzneutralität zur Sprache.
(3) Die Engagierten-Profile
Mit der Identifikation der Zielgruppen und der Aufbereitung des Kampagnenthemas ist die Vorbereitung beim New Volunteer Management noch nicht abgeschlossen. Weiter geht es mit dem Entwurf von Engagierten-Profilen. Freiwilliges Engagement gibt es nicht umsonst. Deshalb müssen Ressourcen für Freiwilligenprojekte von vornherein eingeplant werden. Überdies lässt sich schlecht von einem strategischen Management sprechen, wenn die Zielmarken nicht zu Beginn gesetzt werden, sondern während der Kampagne nur noch ‚gewurschtelt‘ wird. Im Gegensatz zu den Engagementprofilen im Freiwilligenmanagement, sind Engagierten-Profile allerdings keine Festlegungen von Jobs, die zu tun sind, sondern Aufrisse von Tätigkeiten, mit denen die Kampagne unterstützt werden kann.
- Was also könnten Freiwillige tun, um die Kampagne zu unterstützen? Was ist der Kern dieser Tätigkeit? Sollen sie Botschaften senden, bei Aktionen vor Ort helfen, Projektgruppen anleiten, andere Freiwillige Schulen oder Trainieren usw.
- Welche Fähigkeiten, welche Kompetenzen, welche Eigenschaften sollten die Freiwilligen mitbringen?
Außerordentlich wichtig bei den Engagierten-Profilen ist die Skalierbarkeit des Engagements. Wie gesagt, es geht noch nicht um konkrete Aufgaben, es geht darum, was die Tätigkeit im Kern ausmacht. Geht es bspw. um die Arbeit mit Bildmaterial ist eine große Spannbreite der Engagementintensität denkbar: von der Verschlagwortung bis zur Konferenzdokumentation.
Insight: Betsy Hoover berichtet von zwei Engagementprofilen, die beide in einem Engagierten-Profil zusammengefasst werden können: von Voluneers, die von Tür zu Tür gehen, um Leute von ihrem Kandidaten überzeugen und von Leuten, die potentielle Wäher!nnen am Telefon gewinnen. Im Kern geht es also um Überzeugungsarbeit, die (a) über unterschiedliche Medien und in unterschiedlichen Strukturen geleistet werden kann und (b) auch Engagement in unterschiedlicher Intensität zulässt: Vom Share auf Facebook über die Überzeugungsarbeit in der eigenen Familie oder im eigenen Freundeskreises bis zum öffentlichen Redenschwingen und der Organisation von Kundgebungen usw.
(4) Die (Micro-) Engagementangebote
Mit der Identifizierung und Formulierung von Online- und Mico-Volunteering-Tasks wird es beim New Volunteer Management nun konkreter. Prinzipiell geht es hier darum, einen ausreichend großen Pool zielgruppenadäquater Engagementangebote — meint echte Engagementgelegenheiten — anzulegen, sodass auch kurzfristig motivierte Volunteers schnell versorgt werden können. Worauf man im Allgemeinen bei Engagementangeboten achten sollte, wird z.B. auf der Webseite von Volunteer Marlborough beschrieben. Was das Online- und Micro-Volunteering im Speziellen anbelangt, finden sich auf dem Blog zur ZiviCloud nützliche Hinweise. Es lohnt sich für Engagementangebote, die häufig wiederkehren (z.B. Übersetzung von Kampagnen-Mails oder Newslettern, Illustration von Daten und Fakten usw.) recht ausführliche Engagementbeschreibungen anzulegen und sie ggf. anhand der Nachfragen zu ergänzen bzw. auszudifferenzieren. Je mehr hier gesammelt wird, desto eher lassen sich die Tasks so beschreiben, dass keine oder nur noch wenige Nachfragen nötig sind.
Doch das Online- und Micro-Volunteering ist nur das Vehikel auf der „supported journey“. Insofern sollten bei den Inhalten folgende Fragen beantwortet werden:
- Passen die (Micro-) Engagementangebote zu den Engagierten-Profilen? Ist das Engagement, das hier gefragt ist, inhaltlich eine Ausprägung dessen, was zuvor als Unterstützerengagement identifiziert wurde?
- Lässt sich das Engagement überhaupt weiterentwickeln oder ist es darauf angelegt ‚flach‘ zu bleiben? Gamification und Crowdsourcing können beim Online- und Mirco-Volunteering durchaus sinnvoll eingesetzt werden. Sie können die Weiterentwicklung des Engagements aber auch behindern. Das Beispiel reCAPTCHA: Es ist sicherlich ein Engagement nicht OCD-fähige Texte zu transkribieren. Werde ich mich aber irgendwann intensiver für Google engagieren, weil ich von Webseitbetreibern genötigt wurde, nachzuweisen, dass ich keine Maschine bin?
- Sind die Engagierten, die die Tasks erledigen, zu identifizieren? Es ist durchaus sinnvoll über Wikis, Etherpads und ähnliches mit Online-Volunteers zu arbeiten. Die Option, sich auch Anonym zu engagieren gilt im Netz als guter Ton (ist moralisch gewollt). Wer das Engagement seiner Volunteers aber über einen bestimmten Zeitraum tracken will, könnte damit Schwierigkeiten bekommen.
Es kann sein, das bei einem Brainstorming auch Aufgaben auftauchen, die sich nicht in die vorher formulierten Engagierten-Profile einpassen. In diesem Falle ist es kein Problem zurück zu den Engagierten-Profilen zu gehen und zu überlegen, zu was sich dieses Engagement weiterentwickeln lässt. Wichtig ist dabei aber, dass wenn ein neues Profil geschrieben wird, dieses auch bis zum Ende durchdacht — heißt auch die Ressoucenfrage gestellt — wird.
Insight: Für die #drosselkom Kampagne könnten z.B. Botschafter gesucht werden, die die Kampagne vor Ort und/oder über das Internet verbreiten. Mögliche Tasks, die in dieses Profil passen, reichen vom einfachen Share auf Facebook oder dem Retweet auf Twitter über das Ändern von Avataren und dem Schreiben von Leserbriefen oder Blogbeiträgen bis zur Unterstützung und/oder Organisation von Aktionen vor Ort. Anregungen für Online- und Micro-Volunteering-Tasks gibt es vielenorts; z.B. bei den United Nation Volunteers (#onlinevolunteering Stream auf Twitter), in den Materialien von Helpfromhome, dem Cambridge-Hub oder auch bei Sozialer Funke und der auf der ZiviCloud.
(5) Das Community-Engagement
Sind alle Vorbereitungen abgeschlossen, kann es damit los gehen, die Engagementangebote in der eigenen Community zu bewerben. Das kann einerseits über die eigenen Kanäle geschehen, wie es z.B. das Österreichische Rote Kreuz und 2aid.org vorgemacht haben. Andererseits können auch intermediäre Organisationen wie Freiwilligenagenturen oder Engagementdatenbanken wie Aktion Mensch oder Betterplace zum Einsatz gebracht werden. Wie die eigene Community am besten erreicht werden kann, ist eine Frage, die schon am Anfang des New Volunteer Managements beantwortet werden sollte. Dementsprechend können durchaus auch Anzeigen, Plakate, Abreißzettel, QR Codes oder NFC Chips und vieles andere zum Einsatz kommen.
Das hauptsächliche Ziel beim Community-Engagement ist es, herauszufinden, welche Unterstützer!nnen zu den Engagierten-Profilen passen und inwiefern ihr Engagement und Commitment entwickelt werden kann. Wichtig ist es, die Engagierten nicht gleich zu Beginn zu überfordern. Nur weil jemand einmal einen Inhalt auf Facebook geteilt hat, heißt das nicht, dass er oder sie auch gleich bereit wäre, eine Aktion vor Ort zu organisieren. Dementsprechend vorsichtig sollte hier ein Schritt nach dem anderen gemacht werden. Sinnvoll ist es außerdem, die Engagierten in kleineren Gruppen anzusprechen und mit Angeboten für den nächsten Schritt zu versorgen.
Insight: Die Ansprache von Freiwilligen sollte nicht zu unkonkret sein. „Wir brauchen deine Hilfe“ ist ein üblicher Satz bei der Engagiertenansprache. Bleibt allerdings unklar, wofür man wie helfen soll, folgt in den meisten Fällen keine nennenswerte Reaktion. Auch zu spezifisch sollte es nicht sein, weil es dann (a) zu viel zu lesen gibt und (b) der Gestaltungsspielraum für die Freiwilligen leidet. Es kommt also wieder auf die Balance an, die beim Campaigning auch in „Action Alerts“ gesucht wird.
(6) Die Auswahl von Engagierten
Von 100 Unterstützer!nnen — so heißt es — engagieren sich neun über den Klick oder Like hinaus und eine(n) packt es richtig. Anderswo liest man, dass rund 20% der Unterstützer!nnen etwa 80% der Arbeit machen. Und wieder an anderer Stelle findet man den Verweis auf den Long Tail. All diese Faustregeln deuten darauf hin, dass sich wenige Unterstützer!nnen aus der Community als besonders engagiert hervortun. Eine gute Nachricht! Mit 1.000en Volunteers, die alle eigene Projekte machen wollen, hätte man auch wenig Freude (weil das z.B. das geplante Budget sprengen würde). So kann man sich im New Volunteer Management zunächst auf diese Hochengagierten konzentrieren und sie mit allem, was sie für ihr Engagement brauchen ausstatten. Bei der Auswahl von Engagierten geht es allerdings nicht nur darum, vielversprechende Volunteers zu identifizieren, sondern auch darum, im Gespräch mehr über sie zu lernen.
- Bevor man sich persönlich zu einem Gespräch im Café, im Büro, zum geneinsamen Hangout oder für eine Skype-Session verabredet, sollte man sich einen guten Überblick über die Aktivitäten des Volunteers verschaffen. Was hat er oder sie in der Vergangenheit alles gemacht — lässt sich das in Zahlen ausdrücken (immer gut für den Wow-Effekt)? Was macht er oder sie sonst so (Hobbys, Schule, Studium usw.)? Aus dem, was man nicht weiß oder in Erfahrung bringen kann, kann man dann Fragen formulieren, die auch ehrliches Interesse signalisieren. Nichts ist schlimmer als so zu tun, als wüsste man schon alles, weil man einen Blog oder Twitter-Feed gelesen hat.
- Im Gespräch sollte man sich auf jeden Fall auch selbst vorstellen und für ein Gleichgewicht sorgen. Niemand sollte sich ausgefragt oder analysiert fühlen (Die Analyse läuft als Skript im Hintergrund!). Man muss das nicht übermäßig in die Länge ziehen, sollte aber auch nichts überstürzen, bevor man zum Kern des Gespräches kommt — zur Frage, ob man sich eine intensivere Zusammenarbeit vorstellen kann (… und zwar beiderseits!).
- Besteht das Interesse und die Möglichkeit, zur Zusammenarbeit können die Einzelheiten konkreter Besprochen werden. Welche Unterstützungsmöglichkeiten gibt es? Wie sieht es mit dem Budget, mit Netzwerkpartnern usw. aus? Wie soll weiter verfahren werden? Gibt es z.B. ein nächstes Treffen — vielleicht ein Engagierten-Coaching?
Das Ziel des Gespräches ist es, herauszufinden, ob ein intensiveres Engagement gewünscht und möglich ist. Man sollte hier ehrlich und nicht zu gierig sein. Schüler!nnen und Studierende überschätzen sich schnell; sehen z.B. nicht die Prüfungen am Ende des Semesters. Es ist einerseits eine Frage der Fairness gegenüber seinen Volunteers aber auch eine Frage des guten Managements, auch Nein zu sagen und Interessierte zu enttäuschen. Niemandem ist mit einem überforderten Teamleader vor Ort oder einer Grafikerin, die nicht nachkommt, geholfen.
Insight: Aus dem Team Österreich, einem Engagiertenpool der inländische Katastrophenhilfe z.B., tun sich ab und an Freiwillige hervor, die von den Verantwortlichen persönlich angesprochen und mit weiteren Aufgaben ausgestattet werden. Die Gespräche dazu können, müssen aber nicht, vor Ort stattfinden. Es ist durchaus möglich, ein Erstgespräch im Google Hangout zu machen. Man sollte dabei allerdings die speziellen Rahmenbedingungen nicht unbeachtet lassen. So gut die Video- und Audio-Übertragung auch ist, bei der Online-Kommunikation fehlt immer mindestens die Hälfte: keine Haptik (auch kein Handschlag drauf!), kein Geruch (trotz Google Nose). Dementsprechend braucht es bei Konferenzen regelmäßig mehrere kurze Sessions — heißt insgesamt mehr Zeit.
(7) Das Empowerment
Information, Qualifizierung und Vernetzung sind wichtige Faktoren im freiwilligen Engagement. Sie ermöglichen nicht nur Handlungssicherheit, sondern können auch als Form der Anerkennung wirken und dazu beitragen, dass alle am selben Strang ziehen. Qualifizierung allerdings sollte maßgeschneidert sein. Toolboxes und Manual-Samlungen sind gut und wichtig, wer allerdings übermäßig viel Zeit darauf verwenden muss, das Passende für sich auszuwählen, wird sich schnell allein gelassen und als Freiwilliger wenig anerkannt fühlen. Im Ergebnis entsteht das das ‚Berlin Syndrom‘: Es gibt einfach so viele Möglichkeiten, da mach ich lieber gar nichts. Robert Dürhager und Sophie Scholz haben dazu einmal den „Kommunikativen Verbandskasten“ vorgestellt. Die Idee dahinter: Schlage zunächst nur die Tools vor, mit denen möglichst viele vertraut sind oder die extrem einfach zu nutzen sind, erkläre diese Tools aber noch mal genau, um Missverständnisse zu vermeiden (Es ist kaum zu glauben, wie viele Nutzungsweisen es allein bei Doodle gibt).
Noch ein paar weitere Anregungen:
- Qualifizierungsmaßnahmen können von den Volunteers unterschiedlich aufgenommen werden. Von jüngeren Freiwilligen werden sie oft dankbar für die Berufsorientierung angenommen. Ältere dagegen suchen häufig die Gemeinschaft oder wollen einfach mal was Neues erfahren.
- Auch im Austausch wird gelernt — BarCamps sind das beste Beispiel dafür. Wer seinen Volunteers regelmäßige Netzwerktreffen möglich macht, fördert so den Wissenstransfer und kann Themen für das nächste Training identifizieren.
- Online-Konferenzen sind ein guter Ort, um auch mit Leuten ins Gespräch zu kommen, die man sonst nicht trifft. Bei Vereinen oder Verbänden einmal den Vorstand vor die Kamera zu holen, ist dementsprechend einfacher als bei Vor-Ort-Veranstaltungen mit Anreisezeit und allem was dazugehört.
Insight: Die Zusammenarbeit mit freiwilligen Trainer!nnen und Expert!nnen über das Netz ist ein gangbarer Weg, allen beteiligten Zeit und Mühe zu sparen. Allerdings gilt hier Gleiches wie bei den Erstgesprächen: Die besonderen Rahmenbedingungen sollten nicht außer Acht gelassen werden! Der Hangout funktioniert nicht immer und Skype stürzt auch mal ab. Wer regelmäßig Online-Konferenzen machen will, sollte sich deshalb auf jeden Fall über die Investition in proprietäre Systeme Gedanken machen (z.B. Adobe Connect oder Ready Talk).
(8) Die Volunteer Projekte
Das New Volunteer Management zielt auf Projekte, mit denen Freiwillige die Kampagne selbst unterstützen. Eine Utopie des Freiwilligenmanagements? Ja und nein! Ja, weil ohne gründliche Vorarbeit und einiges an Ressourceneinsatz das selbstständige Engagement für andere nicht zu mobilisieren ist. Nein, weil im New Volunteer Management genau diese Vorbereitungen mitgedacht werden. Schon bei Schritt drei, den Engagierten-Profilen, sollte klar werden, dass das Engagement nicht umsonst zu haben ist. Deshalb gilt es auch schon früh Ressourcen dafür einzuplanen. Als Ressource ist hier nicht nur Geld gemeint. Auch Netzwerke und Kontakte bzw. die eigene Reputation sind wertvolle Ressourcen für Volunteer Projekte. Inwiefern diese Ressourcen allerdings genutzt werden, hängt von den Freiwilligen ab. Ganz wesentlich ist hier schließlich, dass den Freiwilligen zwar ein gewisser Rahmen, nicht aber das konkrete Wie ihres Engagements, vorgegeben wird. Wer seine Freiwilligen in diesem Modell als bloße Erfüllungsgehilfen benutzt, verbaut sich die Chance, seine Zielgruppe noch besser kennen zu lernen — meint: von Punkt (1) im Modell wieder einzusteigen.
Besser ist es, die Volunteers ihren eigenen Weg gehen zu lassen und die Kampagne auf ihre Art zu unterstützen. Die Rolle des Hosts ist es hier, das Geschehen genau zu beobachten und über das, Was, Wie getan wird, zum Warum zu kommen und zu lernen, wie die Unterstützer!nnen-Netzwerke (die Volunteers und ihre Freunde) zum Schwingen zu bringen sind.
- Das Was ist auch im New Volunteer Management vorgegeben (Engagierten-Profile). Wenn es darum geht, Botschaften zu senden, ist das allerdings relativ weit gefasst. Die Aufgabe kann von den Volunteers gut ausgestaltet kann.
- Das Wie ist dementsprechend nicht weiter vorgegeben und kann Rückschlüsse auf das Warum geben. Welche Plattformen z.B. werden benutzt, um Botschaften zu senden? Wie wird die Botschaft verpackt? Welche Aufhänger werden benutzt usw. Wichtig ist auch, darauf zu achten, was überrascht! Warum z.B. erzählen Sport-Videos so selten eine Geschichte?
- Das Warum schließlich ist das Ziel der Untersuchung. Es gilt den Sinnhorizont der Volunteers und ihrer Netzwerke auszumachen, um daran wiederum mit sinnvollen Engagementangeboten anschließen zu können (siehe hier).
Insight: Sich allein zu engagieren macht in der Regel keinen Spaß. Bei sporadischen Projekten ist das kein Problem, da werden kurzerhand die Freundinnen und Freunde mit ins Boot geholt. Bei schwierigeren Angelegenheiten, gilt es aber Teams zu bilden. Dabei sollte man unbedingt darauf achten, Leute zusammenzubringen, die sich (a) untereinander verstehen (vielleicht auch schon kennen) und (b) nicht alle führen wollen. Nur Häuptlinge in einem Indianerstamm, das kann nicht gut gehen. Zum Team-Building hat Sophie Scholz vor zwei Jahren auf der re:campaign die Learnings aus dem Bürgerforum 2011 vorgestellt. Die Teams wurden hier aus drei Online-Moderatoren, einem Supervisor und einem Feedbackmoderator zusammengesetzt, was vor allem deshalb ganz gut funktioniert hat, weil es eine (für die einzelnen) relativ übersichtliche und beständige Struktur war.
Kritische Punkte
Mit dem Framework des New Volunteer Management wollte ich einen Versuch wagen, das organisationszentrierte Modell des Freiwilligenmanagements auf die Zielgruppe in der Kampagnenarbeit umzustricken. Die Gefahr, dass Freiwillige als Erfüllungsgehilfen gesucht und eingesetzt werden, besteht allerdings weiterhin. Der Trost: Ohne den Willen, seine Zielgruppe besser kennen zu lernen, macht es wenig Sinn, dem Modell des New Volunteer Managements zu folgen, weil das des Freiwilligenmanagements schlicht etwas einfacher ist.
Weiterhin kritisch sind die Punkte Policy-Entwicklung und Kontrolle. Wie beim Social Media Einsatz auch müssen die, die Freiwillige mit eigenen Projekten los schicken, einiges Vertrauen vorschießen. Es geht schließlich auch um die Reputation der Organisation, wenn Politiker nicht überzeugt sondern nur noch angepöbelt werden oder Steine durch Fensterscheiben fliegen. Allerdings kann das auch im ‚herkömmlichen‘ Freiwilligenmanagement passieren. Vorbeugen kann man dem eigentlich nur, mit gekonnter Auswahl, einem gewissen Gespür für seine Freiwilligen und der gemeinsamen (!) Entwicklung von Policys bzw. einem Verhaltenskodex.
Mein Fazit
Das Modell des New Volunteer Managements integriert die Methoden(sätze) und Prinzipien, die aus dem Freiwilligenmanagement schon lange bekannt sind. An vielen Stellen werden ihnen einfach nur neue Namen gegeben (z.B. supported journey für strategische Personalentwicklung im Ehrenamt). Das zeigt aber eigentlich nur, dass viele aus der Zunft der Online-Campaigner!nnen schlicht in einem anderen Kulturkreis zu Hause sind als manche Freiwilligenmanager!nnen und das Sprache immer auch ein Stückweit die Grenzen unserer Welt definieren. So möge man mir also verzeihen, dass ich hier vom New Volunteer Management und nicht vom Freiwilligenmanagement im Campaigning schreibe, denn schließlich gibt es dafür auch einen handfesten Grund: Durch seine Organisationszentriertheit avanciert das Freiwilligenmanagement in seiner Praxis nicht selten zur Durchlaufverwaltung für Volunteers. Das New Volunteer Management ist darauf angelegt, die eigene Zielgruppe besser kennen zu lernen und rückt die Organisation in den Hintergrund. Es ist also dieser ‚mind shift‘ (oben hieß es noch Prioritätenwechsel), der das New Volunteer Management vom Freiwilligenmanagement abgrenzt; Freiwilligenmanagement 2.0 sozusagen.
Hinweise und Kritik bitte in die Kommentare oder auf Twitter #rc13 #nvm
Veröffentlicht unter Online-Freiwilligenarbeit
Verschlagwortet mit Freiwilligenmanagement, Micro-Volunteering, New Volunteer Management, Online-Volunteering, recampaign
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Ritter inkognito — Online-Volunteering 2012
Es geht voran! Sowohl in der Engagementförderung als auch in der dazugehörigen Fachliteratur war 2012 immer wieder vom freiwilligen Engagement über das Internet zu lesen. Von einer deutschen Praxis des Online-Volunteering kann zwar noch nicht gesprochen werden, doch wird — vor allem von kleineren Initiativen und StartUps — emsig an den Grundlagen für best practises neuer Wege zum freiwilligen Engagement gearbeitet. Das Thema freiwilliges Engagement über das Internet hat heute mehr Gewicht als noch vor vier Jahren und wird dementsprechend auch in Zeitschriften und Büchern über die Freiwilligenarbeit angeschnitten.
An der Ideen-Genese zu den Online-, Pro-Bono-, Micro- und Kreativ-Volunteering-Projekten, an denen mittlerweile in Deutschland gearbeitet wird, war ich selber nicht oder nur am Rande beteiligt. Sicherlich hat der eine oder die andere mal einen Blick auf meinen Blog geworfen, doch wird das wohl nicht der Stein des Anstoßes gewesen sein. Eher, so scheint es mir, liegt heute viel mehr Menschen die Verbindung von Internet und freiwilligem Engagement nahe als noch vor vier Jahren, was eben auch heißt, dass sich hier sukzessive ein Markt entwickeln lässt, weshalb nun auch finanzkräftige Investoren wie Vodafone aktiv werden, die wiederum die fachliche oder wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Thema attraktiver machen.
Initiativen und Projekte zum Online-Volunteering
Was ist nun also im Einzelnen geschehen? Für mich steht die ZiviCloud — meine eigenes Online- und Micro-Volunteering-Projekt — am Anfang. Den Konzeptentwurf der ZiviCloud habe ich im März dieses Jahres hier im Blog veröffentlicht, die einzelnen Ideen dazu allerdings vorher schon vielfach diskutiert. Mit der Unterstützung durch das Österreichische Roten Kreuz (in Person Gerald Czech) und zahlreichen Python- und Django-Auskenner!nnen ging die ZiviCloud im Spätsommer online. Damit ist sie das erste Webtool für das Online- und Micro-Volunteering im deutschsprachigen Europa
Kurz nach der Veröffentlichung meines Konzeptentwurfes kam ich mit Martijn Schreuder und seinen Kolleg!nnen in Kontakt. Auch sie planten ein Projekt zur Förderung neuer Wege zum freiwilligen Engagement, das sie später Talentspender tauften. Bei Talentspender geht es um ‘skilled volunteering’, meint also das freiwillige Engagement von ‘young professionals’ für Nonprofit-Organisationen, -Initiativen und -Projekten. Unter dem Label ‘pro bono’ will Talentspender junge Profis für zeitlich klar begrenzte Nonprofit-Projekte gewinnen, wobei das Internet für die flexible Arbeitsorganisation in diesen Projekten von einiger Bedeutung sein wird. Die erste Aktion, die Talentspender gemeinsam mit dem Rally Pad in Berlin organisiert, ist das GiveCamp, eine Art ‘life hack’ für gute Zwecke.
Im Sommer sprachen mich dann die Initiator!nnen von Sozialer Funke an. Auch ihnen geht es um die Vermittlung von Freiwilligen im Stile des “Ehrenamt 2.0″; also vor allem um das Online-Volunteering. Im Gegensatz zur ZiviCloud und Talentspender hat Sozialer Funke allerdings einen klar regionalen Bezug. Die Plattform, über die interessierte Online-Volunteers an Nonprofit-Projekte vermittelt werden sollen, wurde dieses Jahr in Osnabrück gelaunched und soll in Zukunft um weitere regionale Plattformen ergänzt werden, womit ein weitreichendes Netzwerk entstehen kann. Dass die Initiative in Osnabrück bereits sehr gut vernetzt ist, wurde mir eindrucksvoll bei meinem Vortrag Anfang Dezember deutlich. Eingeladen hatte nicht nur die Initiative Sozialer Funke, sondern auch der neu gegründete Verein für Nonprofit-Management sowie die Caritas Diözese und die Hochschule Osnabrück, was freilich auch für einen vollen Saal im Forum am Dom sorgte.
Die Initiator!nnen eines dritten Projektes lernte ich Anfang November bei meinem Gastvortrag zum beschleunigten Engagement an der TU-Berlin kennen (leider keine Doku). Im Rahmen eines Semesterprojektes soll hier eine Plattform für die Vermittlung von Interessierten aus Kreativ-Studiengängen (z.B. Produkt-Design) entstehen. Ausgangspunkt dieses Projektes war die Feststellung, dass das Ehrenamt ungeachtet seiner vielen Vorteile unter den ‘Kreativen’ einen eher schlechten Ruf genießt. Dies sicherlich nicht nur, weil mit dem Ehrenamt sehr häufig unflexible Arbeitsweisen einher gehen, die die Studies nicht gewöhnt sind, sondern weil unter den Kreativen wohl am ehesten jene anzutreffen sind, die neue, alternative und unkonventionelle Wege abseits des Mainstreams gehen wollen. Auf eine vierte, viel versprechende Initiative, bin ich neulich erst über die aktuelle Liste der start social Stipendiaten aufmerksam geworden. Die mir (und allen die ich kenne) unbekannten Initiator!nnen wollen mit dem webforgood “eine reine Micro-Volunteering-Onlineplattform im deutschsprachigen Raum etablieren”:
Wir bieten Nonprofit-Organisationen (NPOs) die Chance, Projekte […] auf unserer Plattform zu positionieren. Die angemeldeten Volunteers können dann ihren eigenen Fähigkeiten und Überzeugungen entsprechend an den Projekten mitarbeiten. Durch diese Art des ehrenamtlichen Engagements werden Freiwillige aktiviert, die man sonst nie erreichen würde und NPOs in ihrer Arbeit unterstützt. webforgood bietet zusätzlich Unternehmen die Möglichkeit, sich auf der Plattform anzumelden und diese im Sinne ihrer Corporate Social Responsibility (CSR) zu nutzen.Die Mitarbeiter bilden dann online Teams und setzen ihr Know-how gezielt für soziale Projekte ein.
Und auch damit lässt sich die Liste der (geplanten) Plattformen im Themenfeld Online- und Micro-Volunteering nicht abschließen. Gebloggt hatte ich ja schon mehrmals über den Ausbau von Betterplace zu einer (mobilen) Zeit- und Geldspendeplattform. Da es hier allerdings vorrangig darum geht eine Engagementdatenbank á la Aktion Mensch — und wohl auch in Kooperation mit dieser — in anderem Glanz erstrahlen zu lassen, mag ich die Betterplace-Zeitspende-App hier nicht mit zu den Wegbereitern des Online- und Micro-Volunteering zählen. Vielleicht werden sie das aber noch, wenn sie tatsächlich — wie angekündigt — neue Wege des freiwilligen Engagements über ihre Marketingkanäle (Blog, Facebook & Co.) puschen …
Online-Volunteering in der Fachliteratur
Zuweilen finde ich es sehr erstaunlich was mir meine Monitoring-Tools zum Online- und Micro-Volunteering so liefern. Manchmal ärgere ich mich darüber, dass es Leute gibt, die in Vorträgen oder Workshops so tun, als wäre ihnen morgens unter der Dusche eingefallen, dass sich Freiwillige auch über das Internet engagieren können. Zuweilen mache ich meinem Ärger dann auch Luft — mit zweifelhaftem Erfolg: die Leute schreiben nicht mehr, dass sie etwas zu diesem Thema zu sagen haben und der Google Alert findet nichts, was es dann ziemlich schwierig macht, auf dem Laufenden zu bleiben. Mittlerweile versuche ich das etwas gelassener zu sehen. Wenn ich den SOZIALHELDEN auf dem OpenTransferCamp vorschlage, die vormals geklauten Ideen ruhigen Gewissens zurückzuklauen und auf den eigenen Zettel zu schreiben — die virale Verbreitungsarbeit also konsequent durchzuziehen –, kann ich mich nicht gleichzeitig in ergebnislosen Plagiatsvorwürfen ergehen. Viel sinnvoller ist es doch — ohne wirklich zu klauen — auf die gleiche Weise vorzugehen.
In der merz, einer Zeitschrift für Medienpädagogik, lese ich viel über (informelles) Engagement Jugendlicher, über ihre Mediennutzung und Vergemeinschaftung im “Sozialraum Facebook“. “Mediatisierung” wird hier die mediale Durchdringung aller Lebensbereiche (Alltag und Kultur) bezeichnet (Krotz 2007: 56), die selbstverständlich auch Auswirkungen auf Wandlungsprozesse im freiwillige Engagement hat. Dass sich Jugendliche und junge Erwachsene allerdings auch über das Internet engagieren können, dass das Internet sozusagen ein neues Setting für das freiwillige (nicht nur informelles) Engagement ist, ist mir erst dieses Jahr, in der fünften Ausgabe der merz, begegnet. Jeffrey Wimmer ein Juniorprofessor für sozialwissenschaftliche Aspekte digitaler Spiele und virtueller Welten an der TU-Ilmenau schreibt hier:
Die neuen Medien bringen Engagement-Suchende mit Organisationen und Hilfe-Suchenden zusammen und erleichtern durch die Unabhängigkeit von Ort und Zeit den Zugang zur Partizipation. Dies kommt vor allem denjenigen zugute, die sich flexibel engagieren möchten und sich nicht langfristig an eine Organisation und deren Ziele binden möchten oder können. Insofern schafft das Internet Platz für punktuelles und selbstbestimmtes Engagement und kommt so einem gesellschaftlichen Trend zur Individualisierung der Lebensführung entgegen bzw. treibt ihn noch voran. Gerade in der heutigen Zeit, die von Mobilität und Flexibilität gekennzeichnet wird, ist einem Engagement zu festen Zeiten und an einem festgelegten Ort, beispielsweise in einem Verein, oftmals schwierig nachzukommen. Online-Engagement kann diese Barriere aufbrechen und umgeht zugleich Hemmschwellen, die in der realen Welt womöglich ein Engagement verhindern würden. Es kann auch dazu beisteuern, dass Aktivitäten trotz veränderter Lebenssituation, wie etwa Familiengründung oder Wechsel des Lebensmittelpunktes, fortgeführt werden und somit zumindest online weiterhin ein Beitrag geleistet wird.
Ahmen (!) möchte ich da sagen. Die Vorteile des Internets für die Engagementförderung sind hier gut zusammengefasst. Vielleicht führt das auch zu einer weiteren Beschäftigung mit dem Online-Volunteering im Rahmen der Medienpädagogik, zu der ich selber auch schon einen Beitrag beigesteuert habe, der aber wohl erst im neuen Jahr in der merz erscheint (“Freiheit in Gemeinschaft — über neue Formen des freiwilligen Engagements”). Ebenso hat auch die Randnotiz von Christiane Biedermann in der Neuauflage des ‘Standardwerkes für die Freiwilligenarbeit in der sozialen Arbeit’ von Doris Rosenkranz und Angelika Weber dieses Potential im Bereich der Sozialen Arbeit:
Die Organisationen sollten insgesamt flexibel auf neue Ideen und Kompetenzen von Freiwilligen eingehen können (vgl. Biedermann 1998, 20). Denn schließlich profitiert die Organisation von anderen Perspektiven und Neuerungen. Auch gewinnt freiwilliges Engagement mithilfe des Internets und Social Media (‘Online-Volunteering’) gerade für Fundraising, Öffentlichkeitsarbeit und soziale Beratung an Bedeutung. Durch die flexible Nutzung des Internets lassen sich für Freiwillige, Beruf und Engagement besser miteinander vereinbaren. Für Menschen mit Behinderungen können neue Engagementmöglichkeiten entstehen.
So weit ich weiß, beschäftigt sich Christiane Biedermann seit Mitte der 1990er Jahre mit dem freiwilligen Engagement und ist auch heute noch in diesem Bereich aktiv. Vor dem Hintergrund dieser langjährigen Erfahrung sind ihre Beobachtungen und Schlüsse zum Online-Volunteering als (zukünftiger) Aufgabenbereich für das Freiwilligenmanagement erfreulich deckungsgleich mit denen, die in der NPO-Bloggerszene schon länger diskutiert werden und auch schon in entsprechende Publikationen Eingang gefunden haben (z.B. Eisfeld-Reschke/Hölderle 2010; Jähnert/Dittrich 2011; Reiser 2012):
Mit dem Online-Volunteering entsteht die spezielle Aufgabe, dass Freiwillige, die sich online engagieren und damit wenig oder gar nicht in der Organisation präsent sind, dennoch partizipieren, ihre Aufgaben mitgestalten können und sich der Organisation zugehörig fühlen. Für die Öffentlichkeitsarbeit bedeutet es vor allem, dass Freiwillige stärker als bisher an Kommunikation, Dialog und Interaktion auf der Basis einer Internet- oder Social-Media-Strategie und -Policy mitwirken können.
Nun ist mir natürlich klar, dass man nicht um alle Publikationen wissen und dass man dementsprechend auch nicht immer alles zitieren kann; insbesondere nicht, wenn die einschlägigen Publikationen dazu erst ein oder zwei Jahre alt sind. Insofern Wimmer und Biedermann also selber auf die Idee gekommen sind, dass sich Freiwillige auch über das Internet engagieren können und dies irgendwie auch für Menschen gut sein könnte, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind oder für das freiwillige Engagement andere Barrieren zu überwinden haben, hätten wir hier eine unabhängige Doppelentwicklung, die nach dem organisierten Peer-Review-Verfahren wohl eine der höchsten Gütekriterien in der Wissenschaft ist. Angesichts der Mediatisierung (s.o.), die selbstverständlich auch in der Wissenschaft wirkt, würde ich darauf allerdings nicht bauen. Etwas verlässlicher erscheint da doch die fundierte Recherche frei nach dem Motto, es gibt nichts, was es nicht schon gibt oder wenn du eine neue Idee zu haben glaubst, hast du nicht gründlich genug recherchiert. In diesem Sinne sei hier der vorbildliche Absatz aus der Dissertation zur “Vielfalt der Freiwilligenarbeit” von Johannes Emmerich zitiert (ebd. 2012: 64):
Nicht zuletzt bietet das Internet neue Möglichkeiten zur Freiwilligenarbeit, die allerdings bislang in der Engagementforschung wenig Aufmerksamkeit erhalten (vgl. Jähnert 2012). Beteiligte der ‘Open Source Bewegung’ etwa entwickeln Softwareprogramme, die für jeden Internet-Nutzer gratis zugänglich sind (vgl. Lakhani/von Hippel 2003). Und auch die Autoren und Moderatoren der Online-Enzyklopädie ‘Wikipedia’ tragen freiwillig und unentgeltlich zur Schaffung eines öffentlichen Gutes bei (vgl. Stegbauer 2009).
Und auch damit ist die Liste der Publikationen, in denen das Online-Volunteering 2012 angeschnitten wurde, nicht abzuschließen. Zumindest genannt werden sollten hier auch meine zwei Artikel, die dieses Jahr im BBE-Newsletter erschienen sind, wie auch der Crowdsourcing Report 2012, in dem gute Ratschläge zum Management von Online-Volunteers aus einem Interview mit mir zusammengestellt wurden (auch eine Möglichkeit). Leider wurde mir hier fälschlicher Weise die URL www.onlinevolunteering.org angedichtet, was aber eben auch mal passieren kann …
Weiter gehts: Ausblick 2013
Meinen Blogbeitrag zum “Online- und Micro-Volunteering im deutschsprachigen Europa” begann ich mit der Feststellung, dass dieses Jahr die 15 Jahre überschritten wurden, die wir bei Neuerungen im deutschsprachigen Raum den Angelsachsen hinterher hängen und es nun endlich Zeit wird, auch hier neue Wege zum freiwilligen Engagement zu gehen. Die These scheint sich zu bestätigen: 16 Jahre nach dem Start des Virtual Volunteering Projects 1996 wird auch in Deutschland die Freiwilligenarbeit über das Internet als erstzunehmende ‘Option’ behandelt. Dass dies in der Fachliteratur nur am Rande geschieht und zuweilen so getan wird, als wäre man selber auf das Online-Volunteering gekommen, scheint mir typisch deutsch — Johan Galtung würde sagen ‘teutonisch’.
Sobald man sich nämlich einen gewissen Stand in seiner scientifical community erkämpft hat, ist man sehr darauf bedacht, nicht wieder ‘nach unten’ abzurutschen. Man orientiert sich nach oben, zitiert die alten Meister, die Vorbilder, die Eliten und zeigt sich gegenüber Neuem äußerst kritisch. Wenn man sich denn ernsthaft mit Niederem, das nicht der Feder alter Meister entsprang, beschäftigt, verwendet man viel Energie darauf den schwächsten Punkt an dem Neuen auszumachen, es dort zu packen und so lange zu schütteln bis alles in sich zusammen fällt. Des Teutonen größter Genuss ist es, auf diese Weise siegreich — vernichtend — zu sein. Gelingt es trotz großer Anstrengungen aber nicht, weil sich z.B. eine ganze Reihe von Leuten schon etwas produktiver mit der neuen Idee auseinandergesetzt hat, sitzt der Teutone in der Patsche. Er (oder sie) kann — darf — nicht zugeben, dass einer ohne nennenswerten Stand eine gute Idee hatte, kann diese Idee, die mittlerweile nicht mehr nur wenige beschäftigt, aber auch nicht mehr ignorieren. Der Ausweg: Es wird so getan, als sei man selber drauf gekommen oder als sei die neue Idee gar nicht mehr neu — wäre sozusagen schon common sense — und könne ohne Weiteres in das eigene Wissens-Portfolio eingebaut werden.
Damit werden Plagiate in ‘Standardwerken’ und Fachzeitschriften — auch wenn sie ‘nur’ mangelhafter Recherche geschuldet sind — hinterrücks zum Ritterschlag für all jene, die daran arbeiten, dass sich auch in Deutschland Freiwillige wirkungsvoll über das Internet engagieren können. (Herzlichen Glückwunsch ganz besonders den jüngsten Initiator!nnen!) Und weil das so ist, werden sich in den folgenden Jahren mehr und mehr Menschen dem Thema widmen; entweder in dem sie best practise Beispiele produzieren oder in dem sie sich mit mit dem Online-Volunteering fachlich und/oder wissenschaftlich auseinander setzen. Ob dies dann nicht auch zum großen Kampf um Prestige und Status wird, bleibt abzuwarten und aufmerksam zu beobachten.
tl;dr:
Das Online-Volunteering kommt in Deutschland an. Neben erfolgversprechenden Initiativen sind Plagiate in der Fachliteratur der wohl beste Beweis dafür.
PS: Den erfreulichen Wink in Richtung “Engagement und Internet” in der Dokumentation des 7. Forums Bürgergesellschaft von Thomas Olk und Ivanka Somborski hatte ich ganz vergessen. Er sei hier noch nachgereicht:
Einigkeit bestand darin, dass die mediale Entwicklung Einfluss auf die Entwicklung bürgerschaftlichen Engagements haben wird und das Thema Engagement und Internet daher ins Zentrum der künftigen Diskussionen gehört (ebd. 2012: 83).
Veröffentlicht unter Online-Freiwilligenarbeit
Verschlagwortet mit Fachliteratur, Micro-Volunteering, Online-Volunteering, Plagiat
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Online- und Micro-Volunteering: Wer denkt sich sowas aus?!
Die einen wird es überraschen, die anderen nicht: Ich habe mir das Online- und Micro-Volunteering nicht ausgedacht; weder die Begriffe noch das Konzept. Ich versuche nur es aus dem angelsächsischen Sprachraum in den deutschen zu übertragen. In den USA waren Susan J. Ellis und Jayne Cravens die ersten, die das Konzept des Online-Volunteerings auf seine Anwendbarkeit im Freiwilligenmanagement untersucht haben — mit bekanntem Ergebnis. Und auch diese beiden Pionierinnen haben sich das Online- und Micro-Volunteering nicht ausgedacht. Eher da war zum Beispiel Michael Hart mit seinem Project Guttenberg, aber das ist eine andere Geschichte.
Auf den ersten Blick gibt es bei der Übertragung angelsächsischer Konzepte in den deutschen Sprachraum eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder man beweist einen extrem langen Atem und wartet ab, bis die Zeit reif ist. Oder man versucht das betreffende Konzept selbst an die bestehenden Bedingungen anzupassen. Eigentlich sind diese Möglichkeiten keine grundsätzlich verschiedenen, denn jene, die die erste Strategie fahren, warten ja nicht auf die ‘reife Zeit’ sondern auf die Arbeitsergebnisse jener, die die zweite Strategie fahren, wenngleich diese selten selbst von einer Strategie sprechen würden. Ich für meinen Teil stehe eher für den aktiven Part. Einfach nur warten, ist mir ein bisschen zu langweilig. Und auch von der vermeintlich dritten Möglichkeit, der multimedialen Blechtrommel, halte ich nicht all zu viel. Sicherlich, mit geschicktem Marketing kann man viel erreichen, die nachhaltigen Ergebnisse — meint die Wirkungen über den Lärm hinaus — halte ich aber für eher mager.
Doch woran soll man sich orientieren, wenn man Neues, das es in Deutschland noch nicht gibt, an die hiesige Kultur anpassen will? Diese Frage habe ich bei meinem Vortrag in Osnabrück gestellt, zu dem mich die Kolleginnen und Kollegen von Sozialer Funke eingeladen haben. Dabei ging es mir eigentlich gar nicht so sehr um das Online- und Micro-Volunteering — das war ‘nur’ das naheliegende Beispiel. Vielmehr wollte ich — wieder einmal ganz im Sinne der Nachhaltigkeit — zeigen woran man sich auch bei zukünftig neuen Formen des freiwilligen Engagements orientieren kann.
Die SINUS-Milieus und das freiwillige Engagement
Den Ausgangspunkt bildeten hier einmal mehr die SINUS-Milieus. Ich hatte mich schon früher auf die sog. Kartoffelgrafik bezogen und die These aufgestellt, dass einige Milieus von Engagementofferten bereits erreicht werden und andere nicht. Schon damals waren es die unterschiedlichen Bedürfnisse und Geschmäcker, die die einen vor den gängigen Formen freiwilligen Engagements zurückschrecken lassen, während sich die anderen dafür offen zeigen. Folgt man dieser These — zu mehr hat es bislang nicht gereicht — heißt das, (1) dass unterschiedliche Formen und Wege freiwilligen Engagements angeboten werden müssen, wenn man Angehörige unterschiedlicher Milieus erreichen will und (2) dass freiwilliges Engagement mit dem sozioökonomischen Status und der normativen Grundorientierung zusammenhängt. Insbesondere die traditionell Eingestellten erreicht man mit herkömmlichen Engagementofferten, die Postmodernen und einige Milieus der Modernen erreicht man damit nicht.

Wenngleich ich diese These heute etwas modifizieren würde, bleibt sie doch auch bestehen, wenn man sich die neue Studie der SINUS-Milieus zu den Teenagern in Deutschland anschaut. Hier haben wir — m.W. das erste Mal — eine ausführliche Beschreibung der unterschiedlichen Lebenswelten, die differenziertere Einblicke gewährt als die Kurzbeschreibungen, die über deren Webseite SINUS-Milieus einsehbar sind.
- Sieben Prozent der deutschen Teenager werden den „Prekären“ zugeordnet. Das sind Jugendliche, die sich um Orientierung und Teilhabe bemühen aber wegen ihrer schwierigen Startvoraussetzungen eine zuweilen fatale Durchbeißermentalität entwickeln. Freiwilliges Engagement ist hier nur selten zu finden. Wenngleich man sich untereinander hilft — eine Frage der Ehre — ist das organisierte Engagement in dieser Lebenswelt weitgehend unbekannt.
- Mit zwölf Prozent etwas größer ist die Gruppe der „materialistischen Hedonisten“. Das sind freizeit- und familienorienierte Jugendliche, die zumeist aus Elternhäusern der Unterschicht stammen und ausgeprägt markenbewusste Konsumwünschen aufweisen, die für eine starke Aufstiegsorientierung sprechen. Auch hier findet sich nur ausnahmsweise freiwilliges Engagement. Nicht etwa, weil es als Option der Freizeitgestaltung unbekannt wäre, sondern weil freiwilliges Engagement für die Befriedigung kostspieliger Interessen ungeeignet ist.
- Mit 13 Prozent erstaunlich groß ist die Gruppe der „konservativ Bürgerlichen“. Das sind ziemlich bodenständige, familien- und heimatorientierte Jugendliche mit großem Traditionsbewusstsein und Verantwortungsethik: als perfekte Feuerwehrmänner und -frauen mittlerweile so etwas wie eine Randgruppe innerhalb der deutschen Jugend.
- Mit zehn Prozent erstaunlich klein ist dagegen die Gruppe der „Sozialökologischen“. Angehörige dieser Lebenswelt zeichnet sich durch Nachhaltigkeits- und Gemeinwohlorientierung, einer ausgeprägt sozialkritischen Grundhaltung und einer gewissen Offenheit für alternative Lebensentwürfe aus. Hier finden sich vor allem die high potentials der heutigen Umweltjugend.
- Mit 19 Prozent die große und eher in Mitmach-Ehrenämtern engagierte bürgerliche Mitte unserer Jugend bilden die „adaptiv Pragmatischen“, einem leistungs- und familienorientierten modernen Mainstream mit hoher Anpassungsbereitschaft. Freiwilliges Engagement ist hier durch aus verbreitet, aber eben vor allem dort anzutreffen, wo der persönliche „Return on Engagement“ stimmt.
- Ganz ähnlich gestrickt, aber wohl nicht für Mitmach-Ehrenämter zu begeistern, sind die „Expediven“ (20%). Das sind erfolgs- und lifestyleorientierte Networker mit hoher Medienaffinität auf der Suche nach neuen Grenzen und unkonventionellen Erfahrungen. Bei diesen stets auf den eigenen Vorteil bedachten „Egotaktikern“ handelt es sich wohl vor allem um die Petitionszeichner und Voluntouristen unserer Zeit.
- Und schließlich haben wir da noch die „experimentalistischen Hedonisten“ (19%). Das sind die spaß- und szeneorientierten Nonkonformisten mit Fokus auf das Leben im Hier und Jetzt. Das sind die Teenager, die im Jugendzentrum alternative Partys schmeißen, sich selber das Gitarre-Spielen oder Skater-Tricks beibringen und sicherlich auch hin und wieder mit geltendem (Urheber-) Recht in Konflikt geraten.
Grundsätzlich bleibt es also dabei: Die traditionell eingestellten Teens lassen sich eher auf ein freiwilliges Engagement ein als die Postmodernen. Und auch bei den Modernen scheint es zuzutreffen, dass hier eher die adaptiv-pragmatische Mitte als die Sozialökologischen angesprochen werden. Nicht etwa, weil es im sozialökologischen Bereich des freiwilligen Engagements nichts zu tun gäbe, sondern, weil Jugendliche mit intellektueller Potenz nicht viel mit dem pädagogisierten Jugendengagement anfangen können. Sie wollen von den Erwachsenen gern ernst genommen werden, sie wollen Diskussion auf Augenhöhe, statt eine Verlängerung des Schultags.
Soviel also zur Einordnung des freiwilligen Engagement in die SINUS-Milieus: Unterschiedliche Milieus lassen sich unterschiedlich gut für erprobte (traditionelle) Formen des freiwilligen Engagements begeistern. Nur aber weil sich die postmodernen Milieus heute nicht freiwillig Engagieren, heißt das nicht, dass sie dem organisierten Engagement fern stünden. Das ist sicher bei den traditionell eingestellten Prekären der Fall, definitiv aber nicht bei den experimentalistischen Hedonisten, den Sozialökologischen und Expediven. Hier sind alternative, ‘neue’ Formen des freiwilligen Engagements gefragt.
Die Theorie der Verbreitung gesellschaftlicher Praktiken
Doch woher nehmen wenn nicht stehlen? Wenn es um Innovation im freiwilligen Engagement geht, kann es ja niemals nur darum gehen, einfach etwas zu machen, was noch niemals jemand gemacht hat. Vielmehr geht es darum, Wege zu gehen, über die sich jene, die bislang nicht erreicht wurden, jetzt erreichen lassen. Der Mehrwert ist der Kern jeder Innovation und damit dem Phänomen der Kreativität, wie es Mihaly Csikszentmihalyi beschreibt, sehr nah:
Kreativität ist eine Form von geistiger Aktivität, ein Erkenntnisvorgang, der in den Köpfen einiger außergewöhnlicher Menschen stattfindet. Wenn wir unter Kreativität eine Idee oder Handlung verstehen, die neu und wertvoll ist, dann können wir die Beurteilung des einzelnen nicht als Maßstab für die Existenz der Kreativität akzeptieren. Man kann unmöglich wissen, ob ein Gedanke neu ist, es sei denn man zieht gewisse Vergleichsmaßstäbe heran, und ob er wohl wertvoll ist, hängt von der Einschätzung der Gemeinschaft ab. Insofern findet Kreativität nicht im Kopf des Individuums statt, sondern in der Interaktion zwischen dem individuellen Denken und einem soziokulturellen Kontext. Sie ist eher ein systematisches denn ein individuelles Phänomen.
Nehmen wir jetzt die eingangs formulierte Feststellung, die Geschichte des Online-Volunteerings wäre eine Geschichte der Adaption und Anpassung, bringen sie mit der Verortung freiwilligen Engagements in den SINUS-Milieus zusammen und folgen dann auch noch Csikszentmihalyi, für den der Wert eines Gedankens von der Einschätzung der Gemeinschaft abhängt, stellt sich die Frage, ob und wo es bereits Praktiken — meint beobachtbare, in Handlung überführte Gedanken — gibt, die wir für die Engagementförderung adaptieren können, um dann auch der breiten Masse das Online- und Micro-Volunteering zugängig machen zu können.
Um diese Frage(n) beantworten zu können, lohnt es sich, zu sammeln, was wir schon wissen: Zunächst wissen wir relativ sicher, dass das Internet — ein wesentlicher Faktor beim Online-Volunteering — unter Jugendlichen recht weit verbreitet ist. Insofern ist die SINUS-Jugendstudie schonmal ein guter Ausgangspunkt. Außerdem vermuten wir, dass sich angehörige postmoderner Milieus eher nicht für traditionelle Formen des freiwilligen Engagements begeistern lassen, was nicht heißt, dass sie in ihrer Freizeit faul wären. Eher unwahrscheinlich scheint allerdings, dass sich jugendliche postmoderner Grundorientierung in großer Zahl für Projekte und Organisationen in den angelsächsischen Ländern oder in der internationalen Entwicklungshilfe engagieren. Wahrscheinlicher ist, dass sie ihr Engagement — ihre ganze Power — auf andere Aktivitäten richten. Welche zwei (Haupt-) Aktivitäten das sind, dazu gibt SINUS-Jugendstudie Auskunft:
- Allen voran richten Jugendliche ihre Aktivitäten auf die Bewältigung lebensphasenspezifischer Herausforderung. Insbesondere Bildung und das Sammeln nützlicher Bildugnszertifikate steht hier im Vordergrund, wobei die Schule zumeist ein Ort ist, an dem man sich nicht länger als nötig aufhalten will.
- Den Bildungsaufgaben folgt vor allem in den postmodernen Milieus die Inszenierung. Während die Expedieven vor allem sich selber inszenieren, inszenieren die experimentalistischen Hedonisten ihre Jugendszenen.
Es ist schwer, den starken Selbstbezug der Expediven mit freiwilligem Engagement in Verbindung zu bringen. Diesen Jugendlichen — und übrigens auch ihren erwachsenen Pendents — ist die Abgrenzung von anderen, vom Mainstream, von Szene-Spinnern, von Harzern und auch von Intellektuellen ziemlich wichtig. Diese Latte-Macchiato-Jugend engagiert sich nur dann mit anderen, wenn davon ein Prestige-Gewinn zu erwarten ist. Anders die experimentalistischen Hedonisten! Die inszenieren nicht vorrangig sich selbst, sondern eine Issue-Gemeinschaft, eine Jugendszene. Auch das ist zunächst kein freiwilliges Engagement im engeren Sinne, doch gibt es auffällige Überschneidungen.
- Die ineraktiv-symbolische Inszenierung von Jugendszenen (Punk, HipHop, Skating, Gothic, Cosplay usw.) findet im öffentlichen Raum statt und gestaltet ihn. Nicht umsonst werden z.B. Skateparks gebaut.
- Weder die Inszenierung von Jugendszenen noch die Selbstbestätigung in der Gemeinschaft funktionieren allein. Vergemeinschaftung ist immer ein Prozess mit Anderen, der mithin auch ephemere Organisationen hervorbringt. Z.B. wenn es darum geht, ein gemeinsames Event zu organisieren.
- Und nicht zuletzt sind jugendliche Gemeinschaften nicht primär auf persönlichen Profit ausgerichtet. Sicherlich, manche träumen davon, als großer Star der Szene entdeckt und damit auch reich zu werden, im Vordergrund steht aber die Gemeinschaft.
Damit wird klar, wo wir hinschauen müssen, um alternative Engagementformen auszumachen: Es ist die Lebenswelt der experimentalistischen Hedonisten, die in der Jugend als Avantgarde vormachen, was Angehörige anderer Lebenswelten dann peu a peu adaptieren. Und hier kommt die Theorie der Verbreitung gesellschaftlicher Praktiken ins Spiel, die uns einen Hinweis darauf gibt, wie hier eigentlich was von wem adaptiert wird.
Ich hatte diese Theorie schon das eine oder andere Mal hier im Blog erwähnt (z.B. bei meiner Beschäftigung mit Vegetarismus). Sie stammt von meinem ehemaligen Professor Wolf Wagner, der sie bei unterschiedlichen ethnographischen Studien anwandte und damit zeigte, dass sich gesellschaftliche Praktiken nach dem immer gleichen Muster durch die Gesellschaft verbreiten: von der Avantgarde über die kulturellen, gesellschaftlichen und ökonomischen Eliten gelangen sie in den Mainstream und schließlich irgendwann zu den Armen und Ungebildeten.
Der zentrale Antrieb dabei ist das Streben nach Prestige (Norbert Elias) bzw. Kapitalakkumulation (Pierre Bourdieu), der den Expediven am schwierigsten abzusprechen ist. Aber auch die Sozialökologischen lassen deutliche Distinktionsbemühungen erkennen, wenngleich sie etwas mittleidigiger aber doch auch mit einer verklärten Vorstellung vom Arm-Sein auf die die Prekären herunterschauen. Im Falle der bürgerlichen Mitte unserer Jugend sagt schon der in der SINUS-Jugendstudie gewählte Name, dass hier fleißig Adaptiert wird — und zwar von den Expediven und den Sozialökologischen. Und wenn ich oben bei den materialistischen Hedonisten von einer deutlichen Aufstiegswilligkeit schrieb, sollte nun auch klar sein, wohin man aufsteigen will: Mindestens in die bürgerliche Mitte, wenn nicht gleich zu dem bürgerlich-konservativen Familienideal. Die Prekären schließlich wünschen sich nichts anderes, als fort zu kommen, wobei hier wohl stärkste Orientierung am Maistream offensichtlich wird.
Übertragen wir diese Theorie nun auf das freiwillige Engagement und seine Vorformen, sehen wir, dass sich hier schon einiges getan hat. Auf der Einstellungsebene sehen wir, dass sich der Individualismus und der große Drang nach Selbstbestimmung und Anerkennung (allg. „Wandel des Ehrenamts“) bereits durch die Milieus verbreitet hat, die man in der Jugend als elitär ansehen könnte: den expediven und den sozialökologischen. In die Lebenswelt der adaptiv Pragmatischen ist diese Einstellung noch nicht so stark vorgedrungen, hier ist man auch in Mitmach-Ehrenämtern engagiert, wenn es denn was bringt (RoE). Auf der Handlungsebene sehen wir, dass die Praktik der (Selbst-) Inszenierung bei den Expediven schon angekommen ist, wobei sie hier aus anderen Gründen praktiziert wird als in der Lebenswelt der experimentalistischen Hedonisten, nämlich zur Abgrenzung. Ähnliches gilt auch für die Sozialökologischen, die sich durch ihre sozialkritische Grundhaltung auf etwas subtile Weise von anderen abgrenzen. Kurz: Wer etwas auf sich hält blufft, macht sich zu mehr als wirklich da wäre. Insofern sind bei den Expediven auch die Engagements beliebt, mit denen man angeben kann. Freiwilligenarbeit in Kapstadt bzw. Einmischung in die Bundes- oder Europapolitik via Online-Petition mit großem Medienecho. Die Sozialökologischen dagegen stehen dem traditionellen Engagement schon näher, sind aber dermaßen Kritisch, dass es ihnen wohl leichter fällt, einen eigenen Verein zu gründen und mit den Mitteln und Möglichkeiten des Internets zu organisieren, als einen zu suchen, der ihren Ansprüchen genügt.
Fazit: eine Genialogie des Online- und Micro-Volunteering (?)
Wir sehen also, die Theorie der Verbreitung gesellschaftlicher Praktiken ist auch für das freiwillige Engagement anwendbar. Problematisch ist hier allerdings, dass die sich verbreitenden Praktiken niemals eins-zu-eins übernommen, sondern immer ein bisschen abgewandelt werden, was heißt, dass man sie, wenn sie dann in der bürgerlichen Mitte angekommen sind, nicht mehr wiedererkennt. Wie ist das nun aber mit dem Online-Volunteering? Wer denkt sich sowas aus?
Ganz genau kann man das natürlich nicht sagen. Sicher ist aber, dass die Angehörigen jener Lebenswelten (ob jugendlich oder nicht) das Online-Engagement zuerst erprobten, die ihre Gemeinschaft vor allem über das Internet inszenieren bzw. das Internet nutzen, um gemeinsame Events zu organisieren. Da wären z.B. eher kleinere Jugendszenen wie Cosplay oder Manga, hinter denen internationale Communitys stehen, die dementsprechend auf die Organisation und Koordination über das Internet angewiesen sind. Weiterhin sind da auch noch Jugendszenen wie die der Gamer, die ihre Gemeinschaft vorrangig über das Inter- oder ein Intranet — sozusagen im virtuellen Raum — inszenieren. Wenngleich die Gamer häufig als ‘Problemkinder’ in Sachen freiwilliges Engagement gesehen werden, kann man hier doch einiges an Online- und Micro-Volunteering erkennen: Organisation von Online-Meetings (z.B. im Spiel), webbasierte Organisation von Events (z.B. LAN-Partys), Produktion szenespezifischer Artefakte (z.B. Maps bei Counterstrike) usw. Nicht umsonst wurde ich schon von Gamern gefragt, ob sich die ZiviCloud nicht eventuell auch für solche Zwecke gebrauchen lässt.
Adaptiert wurde das Netz-Engagement dann von den Eliten, die sich damit von anderen abgrenzen wollten, in dem sie das, was sie tatsächlich tun, einfach etwas aufblasen. Expedive zeichnen z.B. Online-Petitionen mit und mischen sich damit in die Bundes- oder Europapolitik ein. Das zumindest denkt der Mainstream, denn tatsächlich ist die Wirkung von Online-Petitionen sehr beschränkt. Die Sozialökologischen zeichnen sicherlich hin und wieder auch eine Petition mit, wobei sie wohl besser informiert ans Werk gehen als die Expediven. Was allerdings das Online- und Micro-Volunteering anbelangt, adaptieren sie es eher, um selbst Gruppen und Initiativen zu organisieren. Das scheint zunächst nichts anderes zu sein, als das was die experimentalistischen Hedonisten in ihren Jugendszenen treiben, der Unterschied ist aber, das Szene-Angehörige eine Gemeinschaft gemeinsam inszenieren, währenddessen die Sozialökologischen ihre kleinen Gruppen und Initiativen selbst organisieren und sich damit auch zu kleinen Königen machen, wodurch sie natürlich auch Führungs- und Leitungskompetenzen erwerben, die ihnen im späteren Leben helfen.
In den bürgerlichen Maistream ist das Online- und Micro-Volunteering noch nicht wirklich vorgedrungen. Das liegt nicht daran, dass das Netz-Engagement nicht für Mitmach-Ehrenämter geeignet wäre, sondern dass es noch an dessen Anerkennung als ‘echtes’ Engagement fehlt. Es wird zumeist als „Vorform“ des Engagements — als so etwas wie eine jugendliche Vorübung für das Ehrenamt — angesehen, wodurch sich der Return on Engagement insbesondere für junge Menschen, die noch vorrangig mit der Sammlung von Bildungszertifikaten befasst sind, nicht als sonderlich attraktiv darstellt. Und damit haben wir die Antwort auf die eingangs gestellte Frage, woran man sich orientieren muss, wenn man neue Formen freiwilligen Engagements in Deutschland etablieren will: (1) an den konkreten Bedürfnissen der jeweiligen Zielgruppe — wenn es um die breite Etablierung geht ist das vor allem die Mitte der Gesellschaft — und (2) an bereits erprobten Praktiken, der Avantgarde, denen die gesellschaftlichen Eliten durch Adaption zumindest ein Minimum an Legitimität verleihen (sonst sind sie ja für die adaptive Mitte unattraktiv).
Ohne nach der Genialogie dieser Praktik zu fragen hier noch der tl;dr zum twittern:
Das #onlinevolunteering ist kein gänzlich avantgardistisches Konzept mehr, in der bürgerlichen Mitte ist es aber auch noch nicht angekommen.
Veröffentlicht unter Online-Freiwilligenarbeit
Verschlagwortet mit Innovation, Jugend, Micro-Volunteering, Online-Volunteering, Sinus-Milieus
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