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Expertise zur Partizipation im und mit dem Social Web

Auf pb21 — einem Webangebot zur politischen Bildung im Web 2.0 der Bundeszentrale für politische Bildung in Kooperation mit dem Bildungswerk des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) — wurde zu Beginn dieses Jahres die sehr lesenswerte  Zusammenfassung einer Expertise zur Partizipation im und mit dem Social Web von Ulrike Wagner, Peter Gerlicher und Niels Brüggen veröffentlicht. Da ich hier einige Parallelen zum Thema Engagementförderung, Zivilgesellschaft im Zeitalter Sozialer Medien und natürlich auch dem Online-Volunteering sehe, sei der Text an dieser Stelle gemäß der CC-Lizenz unter der pb21 veröffentlicht wiedergegeben.

Originalbetrag auf pb21komplette Fassung der Expertise (45 S. PDF)Kurzfassung Expertise (5 S. PDF)

Ziel und Auftrag der Expertise

Die Expertise verfolgt das Ziel, mit Blick auf die neueren Medienentwicklungen im Social Web die Potenziale für Partizipation im Rahmen des Online-Medienhandelns von Kindern und Jugendlichen zu eruieren.

Ihre Basis ist eine Definition von Partizipation, die soziale, kulturelle und politische Sphären umfasst und nicht auf die Unterscheidung zwischen Inklusion oder Exklusion an bzw. von Gesellschaft reduziert werden kann. Vielmehr wird Partizipation konzipiert als „politische Beteiligung möglichst vieler über möglichst vieles, und zwar im Sinne von Teilnehmen, Teilhaben, Seinen-Teil-Geben und innerer Anteilnahme am Schicksal eines Gemeinwesens“.1 Ernstgemeinte Partizipation sichert Bürgerinnen und Bürgern ihren Status als Subjekte mit eigener Entscheidungsgewalt und wird nicht gewährt, sondern sie ist ein fundamentales Recht aller Mitglieder der Gesellschaft in allen sie be­treffenden gesellschaftlichen Bereichen.2

Den normativen Rahmen der Expertise bildet die Annahme, dass politische Bildungsarbeit diese Subjektwerdung der Individuen befördert. Für die Jugendarbeit konkretisiert meint dies das Ziel, dass Kinder und Jugendliche „sich als Subjekte (Selbstbestimmung) politischen Handelns (gesellschaftliche Mitverantwortung) erfahren, ihre (politischen) Perspektiven und Handlungsmöglichkeiten erweitern und sich Kompetenzen politisch-demokratischen Handelns und Mitentscheidens aneignen“.3 Mit dem Begriff der gesellschaftlichen Mitverantwortung 4 ist zu­dem ein weiter Politikbegriff grundgelegt, der offen für die Themen der Lebenswelt und somit für einen sozialraumorientierten Ansatz ist und gleichzeitig das Subjekt und seine Ressourcen in den Mittelpunkt rückt.

Mit dieser Grundkonzeption von Partizipation im und mit dem Social Web kann das demokratische Poten­zial im Medienhandeln untersucht werden. Insbesondere mit Blick auf die neueren Medien­entwick­lungen im Social Web stellen sich daran anschließend Fragen in Bezug auf die Verwirklichung von Mitsprache, Mitwirkung, Mitbestimmung und Selbstbestimmung der Beteiligten, insbesondere mit Blick auf Jugendliche und junge Erwachsene als Zielgruppe politischer Bildung:

Welche medialen Werkzeuge, Kommunikationskanäle und -angebote sind geeignet, um Partizipation im oben genannten Sinne zu verwirklichen?

Welche (medialen) Räume können von den Beteiligten in welcher Form gestaltet werden? Welche Anforderungen ergeben sich daraus für die politische Bildungsarbeit im und mit dem Social Web?

Zentrale Grundbedingungen sowie Thesen und Kriterien für die politische Bildungsarbeit im und mit dem Social Web sind in dieser Kurzfassung gebündelt:

I Grundbedingungen für die politische Bildungsarbeit

Partizipation im und mit dem Social Web wird im Verständnis dieser Expertise folgendermaßen ge­fasst und impliziert damit bestimmte Grundbedingungen für pädagogisches Handeln:

1. Partizipation

  • sichert den Subjektstatus der Einzelnen und ihrer Entscheidungsmacht
  • hat ihre Grundlage in der alltäglichen Lebensführung, in welcher Teilhabeinteresse und Teilhabefähigkeiten entwickelt werden
  • ist verankert in der Lebenswelt der Subjekte, in der sowohl Potenziale als auch Beschränkungen liegen können
  • nimmt Bezug auf persönliche, soziale und kulturelle Voraussetzungen und Ressourcen der Beteiligten (z.B. Entwicklungsstand und Verstehensfähigkeiten)
  • entfaltet ‚Wirkung‘ im Sinne von Einflussnahme auf und Gestaltung von Entscheidungsprozessen
  • ist zu differenzieren in unterschiedliche Formen der Online-Beteiligung, deren Spektrum von Mitwirkung über Mitbestimmung bis hin zur Selbstbestimmung reicht

2. Die Qualität von Partizipation ist über die Möglichkeiten und Grenzen zu bestimmen, die sich in den Angebotsformen differenzieren lassen, und zwar in Bezug auf

  • Zugangsmöglichkeiten
  • Handlungs- und Gestaltungsmöglichkeiten (z.B. Kommunikationskanäle)
  • Reichweite der Entscheidungen
  • Transparenz
  • notwendige Fähigkeiten und Fertigkeiten im Umgang mit Social Web-Angeboten

Entlang dieser Aspekte sind Partizipationsangebote im Social Web einzuschätzen. Mit der Expertise liegt nun eine exemplarische Analyse unterschiedlicher Partizipationsangebote vor.

II Thesen und Kriterien für die politische Bildungsarbeit im und mit dem Social Web

Partizipationsprojekte im und mit dem Social Web müssen sich der Frage stellen, wie die Prinzipien der Orientierung am Subjekt und seinen Ressourcen im Rahmen handlungsorientierten Lernens umge­setzt werden können. Dabei werden unter den gegebenen gesellschaftlichen Bedingungen Heraus­forderungen offenkundig, die in Form von fünf Thesen zusammengefasst werden:

  1. Politische Bildung im Social Web muss Individualisierungstendenzen im Medienhandeln aufgrei­fen und hinterfragen.
  2. Die kommerziellen Entwicklungen im Social Web müssen von der politischen Bildung als Thema aufgegriffen werden und zugleich muss politische Bildungsarbeit nicht-kommerzielle Alternativen bereithalten.
  3. Transparenz durch den Einsatz digitaler Dienste ist zum einen Voraussetzung für die Realisierung von Partizipation, birgt zum anderen aber auch die Gefahr der Kontrolle über die Beteiligten. Dieses Spannungsfeld muss von politischer Bildung berücksichtigt und für ihre Ziel­gruppen er­fahrbar gemacht werden.
  4. Prozesse der Entgrenzung von öffentlichen und privaten Sphären müssen Gegenstand politischer Bildungsarbeit werden.
  5. Projekte der politischen Bildungsarbeit müssen sich am normativen Ziel, den Beteiligten mög­lichst viel Selbstbestimmung zu ermöglichen, messen lassen.

Pädagogische Partizipationsprojekte, deren Leitlinien handlungsorientiertes Lernen und Ressourcenorientierung bilden und die sozialräumliche Aneignungsprozesse von Heranwachsenden berück­sichtigen, ermöglichen es, Heranwachsende in der Entwicklung ihrer Fähigkeiten und Kompetenzen zu begleiten, um gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen.

Bei der politischen Arbeit im Social Web haben diese Leitlinien weiterhin Gültigkeit. Geschärft werden müssen aber die Kriterien, an denen Projekte der politischen Bildungsarbeit zu messen sind, die sich dieser medialen Werk­zeuge bedienen. Im Sinne der Verwobenheit von On- und Offline-Inter­aktionen in den Sozial­räumen werden die Projekte im Folgenden als ‚Partizipationsprojekte‘ bezeich­net.

1. Partizipationsprojekte brauchen ein klares Profil.

Zentral ist für die Bestimmung der Projektziele zunächst eine Verortung im Spektrum an Partizipationsformen Mitwirkung, Mitbestimmung und Selbstbestimmung. Dabei muss auch geklärt werden, ob und in welcher Form auf Social Web-Angebote eingegangen wird und ob und wie sie im Rahmen des Projekts eingesetzt werden („linking to communities for action“ oder „building communities for action“).

Der Charakter der eingebundenen medialen Strukturen muss von Anfang an geschärft wer­den, um Klarheit darüber zu haben, in welcher Art und Weise Partizipationsräume geschaffen wer­den. Dabei gilt es folgende Fragen zu klären:

  • Dienen Medien als Präsentationsfläche für bestimmte Aktionen?
  • Sind sie Werkräume für die Arbeit mit Heranwachsenden, in denen eine diskursive Auseinandersetzung und/oder die Produktion eigener Werke stattfindet?
  • Soll die Vernetzung zwischen den Nutzenden im Vordergrund stehen, also der Interaktion zwischen den Beteiligten Raum gegeben werden?

2. Partizipationsprojekte müssen sich an den Aneignungs- und Handlungsweisen der Einzelnen in ihren Sozialräumen orientieren.

Das Wissen über die Aneignungs- und Handlungsweisen der Einzelnen in ihren Sozialräumen ist (weiterhin) Voraussetzung, um Projekte der politischen Bildungsarbeit zu konzipieren und umzusetzen. Für Partizipationsprojekte bedeutet dies, sich differenziert mit den anzusprechenden Zielgruppen und ihrem Medienhandeln zu beschäftigen.

Medienhandeln erweist sich als sozial strukturiert und ist eng mit kulturellen Milieus und ihren spezifischen Ausdrucksformen, wie z.B. in bestimmten jugend­kulturellen Szenen, verbunden. Umso wichtiger ist eine fundierte Auseinander­setzung mit der anvi­sierten Zielgruppe und ihren Themen und Interessen sowie den damit verbundenen Motivlagen, den medialen und nicht medialen Interaktions- und Kommunikationsformen in ihren Sozialräumen, vor allem im Peer-to-Peer-Kontakt, den von ihnen gewählten produktiven Ausdrucksweisen (z.B. Videos oder Fotos) sowie ihren ästhetischen Ansprüchen an die mediale Aufbereitung und Gestaltung von Themen.

Die Verwobenheit von On- und Offline-Interaktionen bedeutet, dass Sozialräume zunehmend über Social Web-Angebote, insbesondere Soziale Netzwerkdienste, von den Heranwachsenden struktu­riert werden. Ihre Handlungspraktiken im Alltag sind es, die zunächst den Maßstab für den Einstieg in politische Bildungsarbeit setzen, um sie in der medialen Artikulation ihrer Interessen und Belange zu unterstützen und zu begleiten. Dabei ist insbesondere das Zusammenspiel verschiedener Artikulationsformen (über Text, Bild und Ton) als vernetztes Handeln in den Blick zu nehmen.

3. Partizipationsprojekte müssen Resonanzräume schaffen, damit Jugendliche Anerkennung und Wirksamkeit erfahren.

Die Artikulation von Interessen und Belangen impliziert deren Veröffentlichung. Sich Gehör zu ver­schaffen für seine Anliegen ist aber ein schwieriges Unterfangen, da mit dem Prinzip, dass im Social Web potenziell jede/r senden und empfangen kann, es auch schwieriger geworden ist, Öffentlich­keit(en) anzusprechen und zu erreichen.

Damit ePartizipationsprojekte sich nicht nur mit einem ‚So-tun-als-ob‘ begnügen, bei dem Partizipation auf einer Spielwiese erprobt wird, sondern die Stimmen der Jugendlichen auch gehört werden und sie die Wirksamkeit ihres Handelns erfahren können, sind Resonanzräume erforderlich. Diese Resonanzräume müssen in Projekten politischer Bildungsarbeit bewusst gestaltet werden, dabei sind insbesondere die Spezifika der Social Web-Angebote, z.B. Feedback-Kanäle, kooperative Arbeitsweisen etc. in den Blick zu nehmen.

Diese ermöglichen zum einen Resonanz in Bezug auf das subjektive Kompetenzerleben der Einzelnen, die Rückmeldung auf ihre Handlungen bekommen. Zum anderen ist aber auch Resonanz über das aktive Einbinden von relevanten Teilöffentlichkeiten anzustreben, in dem z.B. der Kontakt zu relevanten Entscheidungsträ­gern oder zu anderen im selben Themenfeld engagierten Gruppierungen on- und offline gesucht wird.

So kann eine diskursive Auseinandersetzung stattfinden, die über den engen Projektkontext hinausreicht und Partizipationserfahrungen in einem (wenn auch medial vermittelten) sozialen Aus­tausch ermöglicht.

4. Partizipationsprojekte müssen ihre Unterstützungsleistungen differenzieren, die sie über medial gestützte Strukturen anbieten.

Heranwachsende erfahren vielfältige Unterstützung über ihre Peergroup und insbesondere in Sozialen Netzwerkdiensten in Form von sozialer Einbettung, Erleben von Kompetenz und Erfahrung von Autonomie. Für Partizipationsprojekte ist es wichtig, Unterstützung im Peer-to-Peer-Kontext als auch angeleitete oder mediale Unterstützungsangebote zu differenzieren. Dabei ist zu klären,

  • in welchen Bereichen Heranwachsende Unterstützung erfahren können und
  • in welcher Form Social Web-Strukturen dafür herangezogen werden.

Information, Hilfestellungen und Materialien sind dabei ein wichtiger Bestandteil, um thematische Anknüpfungspunkte zu bieten. Zentral ist aber, die Beteiligungsmöglichkeiten zu differenzieren und je nach Zielstellung des Projekts ihren Einsatz zu überlegen. Die Kategorien der Mitwirkung, Mitbe­stimmung und Selbstbestimmung sollten dabei leitend sein.

Je nach Vorerfahrungen brauchen Jugendliche Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner für ihre Fragen. Insbesondere Gleichaltrige werden dabei besonders geschätzt. Dem Ideal der Selbstbestimmung am nächsten kommen Projekte, die auf die Expertise unter Gleichaltrigen setzen (Peer-to-Peer-Lernen). Insbesondere jene Jugendlichen, die weniger Erfahrung mit Social Web-Angeboten mitbringen, brauchen gezielte Unter­stützungsangebote zu den Zielen des Projekts, zur Erläuterung der Handlungs- und Gestaltungsmöglichkeiten und dazu, wie sie ihre Ansprechpersonen bei Fragen finden können.

5. Partizipationsprojekte müssen die Rollen der beteiligten pädagogischen Fachkräfte reflektieren.

Partizipationsprojekte, die in den Strukturen des Social Web durchgeführt werden, stellen auch An­forderungen an die pädagogischen Fachkräfte und ihre Medienkompetenz. Eine Orientierung an der Selbstbestimmung aller Beteiligten eines Projektes impliziert dabei auch, dass die pädagogischen Fachkräfte bestimmte Aufgaben abgeben oder zumindest arbeitsteilig mit anderen Beteiligten realisieren können/müssen.

Dies ist insbesondere in zwei Bereichen denkbar bzw. im Sinne der Förde­rung von Selbstbestimmung und einer Partizipationskultur geradezu not­wendig: (gegenseitige) Unterstützung und Bereitstellen von Information.

Unterstützende Angebote sind für Partizipationsprojekte mit Medien unverzichtbar. Im Sinne der Selbstbestimmung wäre hier als Strategie denkbar, die Heranwachsenden als ‚Medienexpertinnen und -experten‘ einzubeziehen, die ihr Wissen an andere Mitwirkende (ggf. auch an die Fachkräfte) weitergeben.

Auch bei der Aufbereitung von Themen und dem Zusammenstellen einer gemeinsamen Informationsgrundlage ist angesichts individualisierter Informationszugänge die Einbindung der Beteiligten notwendig, so dass kooperativ und kollektiv relevante Informationsquellen zusam­mengestellt und bewertet werden. Aspekte von Medienkompetenz wie Quellenkritik können hierbei in der gemeinsamen Bewertung erworben werden, bedürfen aber der Unterstützung durch pädagogische Fachkräfte.

Heranwachsenden die Rolle von Expertinnen und Experten zuzuerkennen, hat zur Folge, dass die Fachkräfte den Teilnehmenden größere Handlungsräume gewähren müssen. Für sie bedeutet bspw. die Abgabe von Souveränität über die Inhalte einen ‚Kontrollverlust‘, der für die beteiligten Heran­wachsenden mehr Selbstbestimmung und damit verbunden auch mehr Verantwortung im pädagogi­schen Prozess mit sich bringt.

Diese Veränderung der Rollen im pädagogischen Prozess kann das Projekt an sich ‚demokratisieren‘ und ermöglicht zugleich vielfältige Lernprozesse im Hinblick auf Autonomieerfahrungen und Selbstwirksamkeit als wichtige Bedingungen für Teilhabeinteresse und Teilhabefähigkeiten. Dies impliziert allerdings auch, Ressourcen bereitzustellen, mit denen haftungs­rechtliche Fragen gelöst werden können (z.B. regelmäßiges ‚Screening‘ der Inhalte).

1 Schmidt, Manfred G. (2008): Demokratietheorien. Eine Einführung. 4. überarbeitete und erweiterte Auflage. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. S. 236.
2 Vgl. z.B. Knauer, Raingard; Sturzenhecker, Benedikt (2005): Partizipation im Jugendalter. In: Hafeneger, Benno; Jansen, Mechthild M.; Niebling, Torsten (Hg.): Kinder- und Jugendpartizipation: Im Spannungsfeld von Interessen und Akteuren. Opladen: Leske + Budrich, S. 63–94.
3 Sturzenhecker, Benedikt (2007): „Politikferne“ Jugendliche in der Kinder- und Jugendarbeit. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, H. 32-33, S. 9.
4 Dieser Begriff ist auch im Sozialgesetzbuch VIII als Ziel von Jugendarbeit verankert (Sturzenhecker 2007, S. 9).

Dieser Artikel steht unter der CC-by-nc-nd 3.0 Lizenz.  Sie dürfen den Text unbearbeitet und unter unter Nennung der Quelle (pb21) für nicht kommerzielle Zwecke weiterverbreiten.

Zitation: Wagner, Ulrike / Gerlicher, Peter / Brüggen, Niels (2011): Partizipation im und mit dem Social Web — Herausforderungen für die politische Bildung. Expertise für die Bundeszentrale für politische Bildung. München: JFF — Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis.

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Ist echte Partizipation relevant?

Spricht die Zahl der Teilnehmenden an einer NPO-Blogparade und vor allem dem abschließenden NPO-Chat auf Twitter für den Grad der Relevanz des jeweiligen Themas?

Für die NPO-Blogparade gilt, wie für viele Aktivitäten im Kontext Sozialer Medien auch, dass zur Teilnahme „verführt“ werden muss. Nur wer die vielen Einzelnen mit seiner Botschaft anzusprechen vermag, wird zur Verführerin. Wer das nicht vermag, steht allein. Unsere Blogsphären sind keine Gemeinschaften im traditionellen Sinne! Vielmehr sind sie Neo-Tribalismen (nach Michel Maffesoli) oder postmoderne Szenen-Gebilde (nach Ronald Hitzler) – Kommunikationsgemeinschaften, die nur bestehen, wenn und weil sie auf der Bühne des Alltags aufgeführt werden (erklärt Hubert Knoblauch). Die Beteiligung an den einzelnen Themenzirkeln der Blogsphäre – diese vergemeinschaftenden Theaterstücke –, kann, ob der Masse an Alternativen, immer nur subjektiv motiviert sein und beruht schon lang nicht mehr auf übermäßig viel Ehr- und Pflichtgefühl.

Auf den Aufruf zur letzten Runde der NPO-Blogparade sind vier Beiträge und ein Kommentar eingegangen. Einen Beitrag hatte ich zusätzlich eingeholt. Eigentlich nicht Regelkonform! Mit dem Tagungsbericht aus Loccum wollte sich Matthias Darberstiel eigentlich gar nicht an der NPO-Blogparade beteiligen. Aber was bedeuten schon Regeln in einer derart fluiden Gemeinschaft? Lag die eher geringe Resonanz (es gab auch schon NPO-Blogparaden mit weniger Beiträgen), wie @elternansnetz während des NPO-Chats meinte, am akademischen Duktus unserer Runde? War es vielleicht wirklich #zuvieltheorie oder eher #zuvieltext?

elternansnetz: Okay haben mal in #npochat reingesehen – ichweiss nicht, kann man da nicht mal eine gemeinsame Onlinsitzung machen? #zuvieltheorien

Tatsächlich hatten wir schon mehrfach überlegt, die einzelnen Runden der NPO-Blogparade mit einer Online-Sitzung, einen separaten Chat oder eine Video-Konferenz abzuschließen – zuletzt nach dem @hirnrinde während eines NPO-Chats kommentierte, solch ein Chat auf Twitter sei wie lautes Telefonieren in der Kirche (oder so ähnlich). Ich persönlich könnte dem auch Einiges abgewinnen, vor allem bessere Möglichkeiten der Moderation und des Aufeinander-Eingehens, wie es bspw. der Treffpunkt Kulturmanagement vor macht. Meine Befürchtung dabei ist aber, dass auch wir damit einen exkludierenden Damm errichten, der uns potentielle Teilnehmende nicht in ihrer alltäglichen Lebenswelt, dem Twittervers, abholen lässt. Was übrigens auf eine Kritik verweist, die (nicht nur) ich immer wieder an traditionelle NPOs richte.

Nun haben wir – zumindest in der vergangenen Runde – offenbar dennoch einen Damm errichtet. Bei den aktiven Partizipanten konnte ich mich in einem einzigen Tweet bedanken.

foulder: #ff to @Haddenbuck @npo_vernetzt, @stefan_zo, @meyner, @weltbeweger, @staranov, @pluralog, @Steffenster, @elternansnetz & @soz_in #npochat

Dass dieser Damm aber aus der Masse des Textes oder dem theoretischen Duktus bestand, bezweifle ich stark. Zum einen war Gerald Czech gar nicht dabei :-) und zum anderen, umfasst die Dokumentation des NPO-Chats zu echter Partizipation gerade einmal 143 Tweets auf kaum acht Seiten. Eine durchaus zumutbare Menge. Ich glaube viel eher, dass ich mit dem Thema „echte Partizipation fördern“ nur wenige zum Mit-Diskutieren verführen konnte, was mich eben zu der oben gestellten Frage zurück führt: Spricht die Zahl der Teilnehmenden für die Relevanz des Themas? Ist „echte“ Partizipation kein relevantes Thema für die Netz-Aktiven? Sieht die Masse der Bloggerinnen und Blogger überhaupt ein Partizipationsdefizit oder wurde gar die Hoffnung, das alte System noch partizipativ umgestalten zu können bereits aufgegeben?

Ich persönlich glaube, dass wir es hier mit der Veränderungsresistenz menschlichen Alltags zu tun haben. Ich bin davon überzeugt, dass sich auch Netz-Aktive hin und wieder mehr Mitgestaltungsmöglichkeiten wünschen. Durch die vielfältig vorhandenen Gestaltungsmöglichkeiten aber, die vor allem versierten Nutzerinnen und Nutern des Social Webs geboten wird, fallen Defizite bürgergesellschaftlicher Gestaltungsmöglichkeiten des physischen Umfeldes (außerhalb der eigenen vier Wände) gar nicht mehr so auf. Es ist sicherlich nicht so, dass das Problem überhaupt nicht gesehen wird. Offenbar hat es im Alltag unserer Zielgruppe nur eben nicht den Stellenwert, wie vielleicht die Frage, wie man seinen Chef zum Besseren erzieht.

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Echte Partizipation fördern — aber wie?! (Auswertung der 19. Runde der NPO-Blogparade)

Eine kurze, knackige Runde der NPO-Blogparade geht zu Ende. Vor dem Hintergrund des Online-Dialoges zur Nationalen Engagementstrategie hatte ich am 29. November die Frage nach den Möglichkeiten der Förderung echter Partizipation gestellt. Damit wollte ich explizit nicht auf die einzelnen Punkte des am 06. Oktober verabschiedeten Strategiepapiers zur zukünftigen Partizipationsförderung durch Bund, Länder und Kommunen (Reiser) einschränken. Mein Ziel war es, auch der Frage nach Partizipationsförderungsmöglichkeiten durch zivilgesellschaftliche Organisationen und Initiativen Raum zu geben. Raum der von den Teilnehmenden dieser Runde auch genutzt wurde.

In dem sehr kurzen Zeitraum dieser NPO-Blogparade sind insgesamt sechs Beiträge eingegangen, auf die ich in diesem Beitrag nicht nur eingehen sondern sie gern auch kommentieren und diskutieren will. Ausgehend von der theoretischen Perspektive auf echte Partizipation werde ich versuchen mich immer weiter der praktischen Basisarbeit zur Partizipationsförderung zu nähern um abschließend ein kurzes Fazit (nicht mehr als 1000 Zeichen) zu formulieren, das ich schließlich auch auf der Online-Dialog-Plattform Engagement 2.0 einstelle.

Grundlegendes zur Partizipation:

In meinem eigenen Beitrag versuchte ich zunächst den von mir gewählten Begriff der „echten Partizipation“ etwas weiter zu explizieren. Anhand eines Medienpädagogischen Analysemodells stellte ich die erwartbare (Selbst-)Wirkungsmacht heraus, die einem echten Partizipationsangebot erst die Qualität eines solchen verleiht. Demnach sind Partizipationsangebote, die die Adressierten von vorn herein keine Wirkungsmacht erwarten lassen, Schein- oder Fehlformen, die eine Alibi- oder Dekorationsfunktion erfüllen sollen bzw. im intriganten Sinne fremdsteuernd wirken.[i]

Auf der Tagung „Die Zukunft der Bürgerbeteiligung. Herausforderungen — Trends — Methoden” der Stiftung Mitarbeit in Loccum, von der Matthias Daberstiel im Fundraiser Magazin (6/2010) berichtete, unterstellte Prof. Thomas Leif der gesamten Diskussion um Bürgerbeteiligung in Deutschland eine eben solche Fehlfunktion.

Bürgerbeteiligung ist doch ein Politikplacebo, die Leute machen sich vor, dass Bürgerbeteiligung existiert, dass 37 Prozent wirklich aktiv sind und 30 Prozent aktiv wären, wenn es ein Angebot gäbe. Das halte ich alles für eine unglaubliche PR-Masche, die mit der Realität nichts zu tun hat, und diese Botschaften sollen Beteiligung eigentlich verhindern.

Ich bin nicht sicher, woher Leif diese Zahlen nimmt. Laut aktuellem Freiwilligensurvey engagieren sich 36% freiwillig und 37% würden es „bestimmt“ bzw. „eventuell“ tun. Doch bei all der Polemik muss ich Leif zumindest darin zustimmen, dass die Versprechungen der bis jetzt praktizierten Engagementförderung nur wenig mit der Realität zu tun haben. Die zum Engagement aufrufende Rhetorik politischer Sonntagsreden kann der Stagnation der bundesdeutschen Engagementquote — die übrigens mit 13 Prozentpunkten über dem europäischen Durchschnitt liegt — nicht entgegen wirken. Es sind grundlegende Strukturänderungen und Perspektivwechsel nötig — z.B. flexiblere Engagementangebote, Open-Data und Community-Organizing.

Dies bestätigt auch Brigitte Reiser vom Blog Nonprofits-Vernetzt. Im Anschluss an ihren oben bereits zitierten Blogpost postuliert Reiser, dass trotz vorgängiger Verlautbarungen — die vorangegangenen Dialogforen befassten sich noch mit Engagement und Partizipation — bei der nationalen Engagementstrategie die Partizipation nur eine untergeordnete Rolle spielt. Viel mehr geht es — so Reiser — um Engagementförderung im Sinne der Aufforderung zum freiwilligen Engagement, der Rekrutierung und Anwerbung von Freiwilligen. Wie natürliche Ressourcen auch — so zitiert Reiser den “endless cycle of recruitment” von Brudney und Meijs (2009) — würde die Ressource des freiwilligen Engagements zugunsten kurzfristiger und rein organisationsbezogener Ziele ausgebeutet.

[So könnte schließlich auch] der Trend zum zeitlich befristeten Engagement, der Unwille von Bürgern, sich länger an eine NPO zu binden, gar nicht so sehr zeitlichen Restriktionen auf Helferseite geschuldet [sein], sondern dem nachlässigen Umgang Gemeinnütziger mit den Freiwilligen, der letzteren wenig Anreiz bietet, sich länger als notwendig auf eine gemeinnützige Einrichtung einzulassen.

Trotz der genuinen Aufgabe gemeinnütziger Organisationen das freiwillige Engagement zu fördern, konzentrieren sich NPOs als professionelle Dienstleister mehr und mehr auf Effizienz- und Effektivitätsziele, die die echte Partizipation weitgehend verunmöglichen. Viel eher brauchen diese Dienstleistungsbetriebe helfenden Hände — am besten von gut gebildeten, selbst und ständig engagierten Ehrenamtlichen — die, wenn nötig, ohne Reibungsverluste im Betriebsablauf ausgetauscht werden können. Diesem (Alp-)Traum einer „ökonomisch nützlichen“ Bürgergesellschaft entsprechend, sieht Reiser die Voraussetzungen für die Förderung echter Partizipation in dem Wechsel von einer rein organisationsbezogenen Überlebenstaktik hin zu einer community-orientierten Empowermentstrategie und der Begegnung von Organisation mit Freiwilligen auf Augenhöhe.

Bezüglich des genannten Community-Empowerment merkt Herbert Schmidt in seinem Kommentar zum Thema eher kritisch an, dass hier mithin auch „Opposition um jeden Preis“ geschürt werden könnte.

„Mich beunruhigt eher, dass über die sogenannte Partizipation irgendwelche Interessengruppen versuchen Politik zu machen. Nun gibt es ja einen Schlchterspruch zu S21. Aber was ist der wert, wenn schon angekündigt wird, dass weiter protestiert wird.“

Sicherlich kann man über den Protest in Stuttgart — wie auch den in Gorleben und anderswo — geteilter Meinung sein, doch glaube ich, dass es durchaus legitim ist, an seinen Interessen fest zu halten. Wenn sich — im Falle S21 — eben ein Gros der Aktiven gegen den Schlichterspruch Heiner Geißlers auszudrücken wünscht, sollten sie das auch tun können. Zivilgesellschaft lebt von der Vernetzung und dem Lobbyismus.

„Da keine Politik vom Besitz der Wahrheit ausgehen kann, muss sie darauf setzen, dass die von Politik Betroffenen ihre Wahrheiten parteilich formulieren und organisieren und in die Politik einbringen. Das Ergebnis ist der so häufig gescholtene Lobbyismus (Wagner 1999: 56).

Schon eher abseits der theoretischen Vogelperspektive beschäftigten sich Anne Wangrin vom Hometown Glory Blog mit eher praktischen Fragen der Partizipationsförderung: dem Projekt- und Freiwilligenmanagement. In ihrem Beitrag hebt Wangrin vor allem kleinere, lokale Initiativen hervor, schreibt aber, dass für die Arbeit mit freiwilligen und ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern gewisse Erfahrungen in Projekt- und Freiwilligenmanagement unabdingbar sind. Hier brauchen vor allem kleinere Initiativen Unterstützung (bspw. bei der Formulierung von Engagementangeboten). Für diese Unterstützung schlägt Wangrin ein lokales Community- bzw. Quartiers-Management vor, das „die Bedürfnisse des Stadtteils und der dort ansässigen Initiativen analysier[t] und sammel[t] und daraus Aufgaben/Projekte erarbeit[t].“

Wie ich bereits in meinem Kommentar auf den Beitrag Wangrins schrieb, sehe ich in einem solchen Modell durchaus Vorteile: So können kleinere Initiativen bspw. sehr viel besser als „die großen Tanker“ des Dritten Sektors individuelle Kreativität kultivieren. Auf der anderen Seite stehe ich diesem Modell, das m.E. stark nach dem Anliegen klingt, das auch im Papier zur Engagementstrategie formuliert ist, kritisch entgegen. Wenn es nämlich im Sinne der Habermas’schen Zivilgesellschaft um die möglichst weitreichende Vernetzung der Bürgerinnen und Bürger zum Zwecke der Lobbyarbeit geht, haben kleinere Initiativen nur selten den Erfolg, den große NGOs regelmäßig vorweisen können.

Freiwilligenmanagement und Volunteer Classification

Stefan Zollondz von net-pilots wendet sich in seinem Beitrag den rein praktischen Herausforderungen des Freiwilligenmanagements zu. Für einen anschaulichen Problemaufriss kategorisiert Zollondz zunächst „etwas plakativ“ freiwillig Engagierte Bürgerinnen und Bürger in A-, B- und C-Engagierte. Unter A-Engagierte fasst Zollondz dabei die „guten“ Freiwilligen — die eigentlich Gefragten. Als B-Engagierte dagegen, bezeichnet Zollondz die Helferinnen und Helfer ohne echte Partizipationsansprüche und die Gruppe der C-Engagierten bilden schließlich die Freiwilligen, die dazu neigen mehr Probleme mitzubringen als sie Hilfe leisten.

Die A-Ehrenamtlichen – besser gesagt, die A-Engagierten, oder A-bürgerschaftlich-Engagierten
Das sind die gefragtesten, die eigentlich jede Organisation haben möchte, gut gebildet, arbeiten selbstständig und suchen sich auch ihre Aufgaben selber. Sie brauchen keine Freiwilligenagenturen, weil sie ein klares Bild davon haben, wo und wie sie sich engagieren Wollen. Dabei steht oft ein zeitlich eng befristetes Interesse mit kurzfristigem Zeitfenster für die Umsetzung im Mittelpunkt.

Die B-Ehrenamtlichen – besser gesagt, die B-Engagierten, oder B-bürgerschaftlich-Engagierten
Diese engagierten Menschen finden sich meistens in den großen Verbänden wieder, betreuen dort die Caféteria, ältere Menschen, Kinder oder übernehmen andere Aufgaben, die ihnen von den professionellen Kräften übertragen werden. Eine echte Partizipation ist hier nicht zu erkennen, da die freiwillig Engagierten meistens nur wenig Beteiligungsmöglichkeiten an Entscheidungen haben. Die B-Engagierten suchen sich Ihr Engagementsgebiet entweder direkt oder über eine Freiwilligenagentur.

Die C-Ehrenamtlichen – besser gesagt, die C-Engagierten, oder C-bürgerschaftlich-Engagierten
Hier reden wir von Menschen, die selber solche Probleme haben, dass sie gar nicht für den Einsatz eingeplant werden können. Solche Menschen laufen überwiegend bei den Freiwilligenagenturen auf und haben ein hohes Beratungspotenzial. Realistische Einsatzmöglichkeiten ergeben sich aber kaum.

Selbst kenne ich mich nicht gut genug in Freiwilligenagenturen aus, als dass ich die Rolle dieser, in diesem Modell zentralen, Einrichtungen fundiert einzuschätzen vermag. Dennoch kann und will ich diese Kategorisierung hier nicht völlig unkommentiert stehen lassen: Es gibt keine A-, B- oder C-Engagierten! Sicherlich gibt unterschiedliche Ziele der Engagierten, unterschiedliche Einstellungen unter Freiwilligen und auch unterschiedliche Persönlichkeitsmuster; es gibt aber keine guten, mittelmäßigen und schlechten Freiwilligen!!!

In einem früheren Blogpost hatte ich einmal von dem Volunteer Classification Model von Nancy McDuff (2006) berichtet, die zwischen „Traditional“, „Serendipitous“, „Social-Change“ und „Entrepreneurial Volunteers“ unterscheidet. Diese Klassifizierung beruht im Grunde auf den Studien Fritz Riehmanns über die „Grundformen der Angst“ und beschreibt relativ beständige Persönlichkeitsmuster (oder eben alltägliche Neurosen). Für die Arbeit mit Freiwilligen ist diese Einteilung insofern hilfreich, als dass ausgehend vom jeweiligen Persönlichkeitstyp passende Aufgabenfelder und Arbeitsbereiche ausgemacht werden können, in denen sich die Freiwilligen wohl fühlen, in denen ihr Potential tatsächlich zu Tage gefördert werden kann. Matching ist — wenn man so will — alles.

Volunteer Classification Model (McDuff 2006)

Volunteer Classification Model (McDuff 2006)

Den A-Engagierten Zollondz’ könnten in diesem Modell die unternehmerisch eingestellten Freiwilligen und die lustvollen Engagementwilligen entsprechen; den B-Engagierten die Weltverbesserer und die traditionellen Freiwilligen. Die C-Engagierten dagegen kommen in diesem Modell nicht vor. Tatsächlich gibt es aber — und da sind wir auch schon wieder ganz nah bei einander — Freiwilligentypen, mit denen traditionelle NPOs — wie auch kleinere Initiativen (dazu den Beitrag von Anne Wangrin) — ihre Schwierigkeiten haben. So arbeitet der A-Engagierte Entrepreneurial Volunteer eher an der Verwirklichung seiner eigenen Ziele, die nicht unbedingt mit denen der Organisation einhergehen müssen und die Serendipitous Engagierte kann das Management mit ihrem sehr spontanen Here-I-am-Auftreten vor schier unlösbare Herausforderungen stellen.

Um derartige Freiwillige dennoch in größere Wohlfahrtsverbände integrieren oder wenigstens mit ihnen zusammenarbeiten zu können, schlägt Zollondz die Anwendung einer Methode aus der Neurolinguistischen Programmierung vor. Mithilfe des sog. „Modelling“, so Zollondz, könnte es gelingen, „die Strategien und Ziele der A-Engagierten zu erkennen […] ihre daraus abgeleiteten Handlungswege zu verstehen [und schließlich] passende Andockstellen“ zu schaffen und diese in die Öffentlichkeit zu kommunizieren; eine Aufgabe die m.E. klar zum praktischen Arbeitsfeld des Freiwilligenmanagements gezählt werden muss.

Fazit in 1000 Zeichen

In der 19. Runde der NPO-Blogparade beschäftigten wir uns mit der Frage nach Förderungsmöglichkeiten „echter Partizipation“. Ausgehend von der Erkenntnis, dass Engagement und Partizipation nicht auf herkömmlichem Wege zu befördern sind, erörterten wir künftige Herausforderungen. Vor allem das Ideal der helfenden Ehrenamtlichen ohne eigene Ansprüche auf Mitgestaltung, ist mit echter Partizipationsförderung nicht vereinbar. Engagementwilligen ist auf Augenhöhe zu begegnen und Partizipationsofferten müssen eine Wirklichkeitsmacht erwartbar machen.

Im Sinne der oft beschworenen Zivilgesellschaft sollten sowohl kleinere Initiativen als auch größere NPOs zum Empowerment der Bürger(innen) angehalten und befähigt werden. Partizipation ist keine menschliche Disposition – Demokratie ist eine Angelegenheit lebenslangen Lernens. Deshalb gehören Projekt- und Freiwilligenmanagement ebenso zur Engagementförderung wie finanzieller und ideeller Rückhalt aus Kommunal-, Länder- und Bundespolitik (wp.me/pLCBE-bE)


[i] Intrigante Fremdsteuerung könnte zum Beispiel der Vorschlag dreier (Schein-)Alternativen sein, von denen sich zwei für den Wählenden definitiv nachhaltig auswirken und die dritte — dann einzig wählbare — Variante bereits die Wahl der Vorschlagenden war.

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