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Blick ins Buch: Motivation und Anerkennung im freiwilligen Engagement
Die Öffentlichkeitsarbeit ist ein wesentlicher Aufgabenbereich im Freiwilligenmanagement. Um neue Freiwillige zu gewinnen, ist es einfach sinnvoll, potentiell Interessierte von seinen Engagementangeboten wissen zu lassen. Allein aber solche Offerten als „Gesuche“ auf der eigenen Webseite oder Engagementdatenbanken zu publizieren und sie dann über Facebook, Twitter und Co. zu bewerben, reicht nicht aus. Einerseits sind Social Networking Dienste wie Facebook — so Christoph Bieber in seiner Vorlesung über den Obama-Effekt — eher auf der Einstellungs- und weniger auf der Handlungsebene wirksam, andererseits lehren uns Analysen von Geschmacks-Clustern (Bolz 2010) und Filter-Bubbles (Praiser 2011), dass Nachrichten im Internet nicht immer dort ankommen, wo man sie gern hätte.
Eine strategisch geplante und gut durchdachte Öffentlichkeitsarbeit ist im Freiwilligenmanagement dementsprechend notwendig. Genau diese wird in den einschlägigen Publikationen aber häufig nur am Rande behandelt. Lisa Katrin Schürmann schreibt in ihrer nun veröffentlichten Masterarbeit:
Auffällig ist, dass die Öffentlichkeitsarbeit […] meist nur ein kleiner Unterbereich des umfassenderen Kapitels ‚Freiwilligenmanagement‘ ist. Im Handbuch ‚Gemeinde & Presbyterium: Systemische Ehrenamtsarbeit‘ widmet der Leitfaden ‚Ehrenamt mit System‘ dem Thema ‚Ehrenamtliche gewinnen‘ beispielsweise nur einen Abschnitt (Schürmann 2013: 95).
Ähnliches gilt auch für das erst letztes Jahr neu aufgelegte ‚Standardwerk‘ für das Freiwilligenmanagement in der Sozialen Arbeit von Doris Rosenkranz und Angelika Weber (ebd.: 2012). Hier widmen sich gerade einmal zwei kurze Beiträge explizit der Öffentlichkeitsarbeit (Bönte 2012: 90ff.; Deeg 2012: 98ff.), wobei lediglich die Grundlagen und einige (ernüchternde) Praxisbeispiele aus der Sozialen Arbeit zusammengestellt werden. Mit ihrem Praxisleitfaden „13 Schritte für eine online-gestützte Öffentlichkeitsarbeit“ unternimmt Lisa den Versuch, diese Lücke zu füllen.
Aufbau und Herangehensweise
Ihre Arbeit, die insgesamt acht Kapitel umfasst, ist in drei größere Teile gegliedert: Grundlagen, Fallbeispiele und Praxisleitfaden. Lisas Vorgehen ist deduktiv, wobei sie die wesentlichen Aspekte der (theoretischen) Grundlagen in Zwischenfazits zusammenfasst und später wieder aufnimmt:
- Am Anfang stehen die Grundlagen zum freiwilligen Engagement, wobei Lisa dem Interneteinsatz hier eine besondere Bedeutung beimisst und auch dem Online-Volunteering ein Unterkapitel widmet (S. 54). In den Vordergrund stehen in diesem ersten Teil aber motivationspsychologische Grundlagen. Hierfür werden zuerst die Erkenntnisse von Edward L. Deci und Richard M. Ryan (Theorie der Selbstbestimmung) sowie Mihaly Csikszentmihalyi (Flow-Erleben) zu intrinsischer Motivation mit dem „letztgültiges Ziel“ der Kompetenzsteigerung (S. 35; Schiefele/Streblow 2005: 53) umrissen, bevor anschließend auf aktuelle Untersuchungen zur Motivation freiwillig Engagierter eingegangen wird. Als Grundlage ihrer weiteren Arbeit beschreibt Lisa abschließend die sechs Dimensionen des funktionalen Ansatzes nach Clary et al. (1998: 1517ff.; S. 41ff.).
- Im zweiten Teil ihrer Arbeit analysiert Lisa drei Kampagnen, die im Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit 2011 in Deutschland, Schweden und der Schweiz durchgeführt wurden (S. 56ff.). Die Analysen umfassen jeweils das freiwillige Engagement sowie der Internet und Social Media Einsatz innerhalb der untersuchten Organisationen, die Kampagnen- und Öffentlichkeitsarbeit vor 2011 und die Aktivitäten im Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit. Den Schwerpunk legt Lisa in diesem Teil auf die jeweilige Kampagne von 2011, die sie auf ihre Aufmachung (z.B. Titelbild), den Internet und Social Media Einsatz sowie die Rolle der Freiwilligen während der Kampagne untersucht.
- Im dritten Teil ihrer Arbeit trägt Lisa die Erkenntnisse aus den vorangegangenen Kapiteln zusammen und formuliert 13 Schritte für die Öffentlichkeitsarbeit mit dem Ziel neue Freiwillige zu gewinnen und bereits Engagierte in ihrer Tätigkeit zu bestärken.
Dieser Leitfaden kann dazu dienen, eine Öffentlichkeitsarbeit bzw. eine Kampagne zum Thema freiwilliges Engagement im Bereich Internet/ Social Web anzugehen und wichtige Aspekte nicht aus dem Blick zu verlieren. Primär richtet sich der Leitfaden dabei an Freiwilligenorganisationen. Aber auch Freiwilligenagenturen und engagierte Einzelpersonen können ihn anwenden (Schürmann 2013: 108).
Ihren Leitfaden will Lisa nicht als abschließende Handlungsanweisung verstanden wissen. Vor dem Hintergrund der sich rasch ändernden Gegebenheiten bei der Öffentlichkeitsarbeit im Social Web wäre ein solch statischer Ablaufplan wenig nützlich. Allerdings — so Lisa (S. 108) — macht es durchaus Sinn die einzelnen Fragen der Reihe nach zu beantworten, weil diese auch aufeinander aufbauen.
Motivation und Anerkennung
Die Lektüre dieses Büchleins mit seinen gerade 112 Seiten hat mir wirklich Spaß gemacht. Ich hatte von Lisa seit Mai 2011 immer wieder Updates zu ihrer Masterarbeit und der Veröffentlichung bekommen und war dementsprechend gespannt auf das Endergebnis. Der Versuchung, gleich zum Leitfaden vor zu blättern, musste ich ein wenig wiederstehen, habe aber so ‚nebenbei‘ auch einige neue Erkenntnisse gewonnen; z.B. zu den motivationspsychologischen Grundlagen. Mit der Theorie des Flow-Erlebens hatte ich mich im Rahmen meiner Diplomarbeit intensiv befasst. Von der Theorie der Selbstbestimmung dagegen hatte ich bisher nur am Rande gehört und die Klammerung mit dem „letztgültigen Ziel“ der Kompetenzsteigerung war mir noch völlig neu. Von dieser Stelle aus, werde ich sicherlich noch etwas weiter recherchieren.
Wie aber alles auf der Welt hatte auch das disziplinierte Von-Vorn-Nach-Hinten-Lesen seine dunkle Seite. Ich habe mich durch Kapitel gelesen, deren Inhalt mir zu großen Teilen bekannt war, womit sich der Blick schnell auf das Ringsherum richtet. Ein paar kritische Punkte seien dazu kurz angemerkt:
- Etwas anstrengend fand ich die bisweilen künstlich-umständliche Sprache. Die gut nachvollziehbaren Befunde, die Lisa regelmäßig in ihren Zwischenfazits zusammenfasst, wären in klarer einfacher Sprache m.E. besser aufgehoben.
- Wenig begeistert war ich von der vielen sekundären und grauen Literatur. Es machst das ‘Eintauchen’ in die Materie nicht einfach, wenn man befürchten muss interessante Fakten und Befunde (z.B. das „letztgültige Ziel“) dreimal um die Ecke recherchieren zu müssen.
- Den Argus-Augen nicht entgangen sind ein paar ärgerliche Zahlendreher bei der aktuellen Lage freiwilligen Engagements in Deutschland (S. 26f.). Die Engagementquote in Deutschland ist seit 1999 — nicht seit 2004 — von 34% auf 36% gestiegen und die Enquete-Kommission “Zukunft des bürgerschaftlichen Engagements” wurde 1999 eingesetzt — nicht 2002.
- Schade fand ich, dass im Grundlagen-Teil die Auseinandersetzung mit dem Begriff der Anerkennung fehlte. Lisa scheint Motivation und Anerkennung irgendwie gleich zu setzen. Das kann man durchaus so sehen, angesichts des manigfaltigen Verständnisses von Anerkennung im freiwilligen Engagement hätte ich mir ein kurzes Statement dazu gewünscht.
Bemerkenswert finde ich die Selbstverständlichkeit, mit der Lisa den Adressatenkreis der Öffentlichkeitsarbeit über neue Freiwillige hinaus auch auf bereits Engagierten ausweitet. In den wenigen Publikationen, in denen die Öffentlichkeitsarbeit als wesentliches Aufgabenbereich des Freiwilligenmanagements behandelt wird, liegt der Fokus eher darauf, Interessierte anzusprechen bzw. über die aktuellen Angebote zu informieren. Dabei muss eine gute Öffentlichkeitsarbeit durchaus zur Anerkennungskultur in Freiwilligenorganisationen gezählt werden — das zumindest ist in den Kapiteln zur Anerkennungskultur immer wieder zu lesen. Beides, sowohl Anerkennung durch Öffentlichkeitsarbeit als auch die Öffentlichkeitsarbeit zur Gewinnung neuer Freiwilliger, — das zeigt Lisa — können sich gut ergänzen.
Fazit
In ihrer Arbeit befasst sich Lisa mit der Motivation und Bindung freiwillig Engagierter mit den Mitteln und Möglichkeiten der Öffentlichkeitsarbeit; ein Themengebiet, das in letzter Zeit in ganz unterschiedlichen Engagementbereichen entdeckt wurde und zu dem wohl auch künftig Expertise nachgefragt werden wird. Mit den Kampagnen zum Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit 2011 in Deutschland, Schweden und der Schweiz hat Lisa interessante Fallbeispiele ausgewählt, mit denen sie auch aufzeigen konnte, was in Deutschland ‚normalerweise‘ unter den Tisch fällt (z.B. die Freiwilligentätigkeit bei der Organisation von Kampagnen). Besonders gefallen hat mir das Beispiel aus Deutschland. Hier nahm Lisa die Jahreskampagne des Diakonischen Bundesverbandes „Da sein, nah sein, Mensch sein“ unter die Lupe.
Wenngleich die Analyse-Ergebnisse im Einzelnen etwas ernüchternd sind, finde ich außerdem Lisas Einbezug des Online-Volunteering lobenswert. Zwar war das freiwillige Engagement über das Internet bei keiner der drei untersuchten Kampagnen von Bedeutung, doch steigt mit der gesellschaftlichen Relevanz des Netzes und seinen Sozialen Medien auch die Bedeutung des wirksamen Einbezugs von Online-Volunteers. In ihrem Fazit weist Lisa auf das Potential dieser neuen Wege zum Engagement hin und ergänzt:
Sich diesen Entwicklungen offen und transparent zu stellen, auf Augenhöhe zu kommunizieren und freiwillig Engagierte nicht nur zu informieren, sondern (z.B. durch Angebote des Online-Volunteering) auch einzubeziehen, sind Aufgaben, die ein großes Maß an zeitlichem, personellem und strategischen Planungsaufwand bedürfen (Schürmann 2013: 111).
Und zum Schluss: Lisas Arbeit zu „Motivation und Anerkennung im freiwilligen Engagement. Kampagnen und ihre Umsetzung in Internet und Social Media“ ist beim Springer Verlag für Sozialwissenschaften erschienen und kostet 29,99 €. Es handelt sich um eine wissenschaftliche Arbeit mit einem profunden, praxisnahen Ergebnis, das nun aber auch in der Praxis erprobt und weiterentwickelt werden müsste. Für Freiwilligenmanagerinnen und -manager lohnt sich der Blick in den Leitfaden ganz bestimmt. Für Studierende der Kommunikationswissenschaften, Soziologie und (Medien) Pädagogik ist die Lektüre m.E. aber nicht geeignet.
Veröffentlicht unter Studium
Verschlagwortet mit Buch, Öffentlichkeitsarbeit, Online-Volunteering, Rezension
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Rezension des Praxiskompendiums zum Management von Online-Volunteers — Gastbeitrag von Lisa Schürmann
Lisa Schürmann arbeitet seit 2009 beim Deutschen Weltgebetstagskomitee und hat sich das Praxiskompendium zum Management von Online-Volunteers angeschaut. Bei ihrer Arbeit als Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit verantwortet sie u.a. die redaktionelle Betreuung der Bildungsmaterialien, mit denen sich die in der Weltgebetstagsbewegung engagierten Frauen in den Gemeinden auf das jeweilige Schwerpunktland und den Gottesdienst vorbereiten. Da wir bei der Arbeit an unserem Praxiskompendium auch auf die engagierte Mitarbeit unseres Grafikers und Online-Volunteers Herbert Schmidt bauen konnten, liegt auch für Lisa das Thema Online-Volunteering recht nahe. Im Rahmen ihrer Masterarbeit beschäftig sich Lisa überdies mit Kampagnen anlässlich des „Europäischen Jahres der Freiwilligentätigkeit 2011“ wobei es auch Ansatzpunkte für die webbasierte Einbindung Freiwilliger gibt. In ihrer Rezension merkt Lisa an, dass mehr Beispiele für das Online-Volunteering gut gewesen wären und eine Entwicklungsprognose der Online-Freiwilligenarbeit fehlt. Kritikpunkte, die wir natürlich gern aufnehmen.
Im Laufe des Jahres 2011, dem „Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit“, wurde in Tagungsbeiträgen sowie in wissenschaftlichen und journalistischen Artikeln immer wieder auf Trends im Bereich „Freiwilligentätigkeit in Deutschland“ hingewiesen, die so schon seit einiger Zeit diskutiert werden: Sei es die Tatsache, dass Menschen mobiler sind und häufiger den Arbeitsplatz und damit auch den Wohnort wechseln. Sei es, dass gerade jüngere Menschen sich – auch aus o.g. Gründen – lieber gezielt für zeitlich befristete Projekte engagieren, als eine Jahre- (oder gar Jahrzehnte-) lange „Ehrenamtskarriere“ in ihrem Heimatort anzustreben. Sei es, dass – wie u.a. der Freiwilligensurvey (1999, 2004, 2009) gezeigt hat – große Bevölkerungsgruppen, z.B. Menschen mit Migrationshintergrund oder Menschen mit Behinderungen, im „freiwilligen Engagement“ unterrepräsentiert sind. Und sei es schließlich, dass die Internetnutzung allgemein, wie auch die der Freiwilligen in Deutschland merklich angestiegen ist (von 44% 2004 auf 59% 2009, siehe Freiwilligensurvey).
Umso erstaunlicher ist es, dass – trotz dieser Entwicklungen – die Online-Freiwilligenarbeit in Deutschland noch „in den Kinderschuhen steckt“. Online-Freiwilligenarbeit („Online-Volunteering“) meint dabei ein freiwilliges Engagement, dass in Zusammenarbeit mit anderen teilweise oder vollständig über das Internet geleistet wird. In der fachlichen Diskussion wird dieser Bereich erst zaghaft wahrgenommen. Menschen, die sich bereits engagieren oder noch engagieren möchten, und v.a. Organisationen, die mit Freiwilligen arbeiten, haben häufig nicht einmal von Online-Volunteering gehört. Oft gibt es gar kein Bewusstsein darüber, was für spannende Projekte und zukunftsträchtige Potentiale sich dahinter verbergen.
Damit sich das ändert, dafür liefert das Handbuch „Management von Online-Volunteers“ einen wichtigen Beitrag. In der von der Akademie für Ehrenamtlichkeit Deutschland (fjs e.V.) herausgegeben Broschüre bieten Hannes Jähnert und Lisa Dittrich auf über 50 Seiten einen Einstieg in das Thema Online-Volunteering in Deutschland.
Das erste Schwerpunkt-Kapitel „Grundlagen“ beginnt mit einem Blick auf die Herausforderungen für Freiwilligenorganisationen in Deutschland und skizziert Chancen von Online-Volunteering. Schnell kommen Jähnert und Dittrich auf die Vorurteile und Ängste gegenüber diesem Tätigkeitsfeld zu sprechen: Wie glaubwürdig kann das „virtuelle“ gegenseitige Kennenlernen zwischen Organisation und am Engagement Interessierten sein? Können sich auch weniger technikaffine Menschen online engagieren? Ist das Internet gar ein rechtsfreier Raum, ohne Absprachen und Regeln? Es ist sicher sinnvoll, gleich zu Beginn mit diesen „Mythen“ aufzuräumen: Schließlich wird das Handbuch für viele seiner Leser/innen die erste intensivere Auseinandersetzung mit Online-Volunteering sein. Besonders gelungen sind die drei Praxisbeispiele (u.a. das Mentoring-Programm „CyberMentor“ für junge Frauen), bei denen an konkreten Projekten mögliche Arbeitsfelder für Online-Engagierte skizziert werden. Weiterführende Links zu anderen „Vorzeige-Projekten“ wären wünschenswert.
Einen zweiten Schwerpunkt widmet das Handbuch dem Bereich Freiwilligen-Management. Welche Arbeitsbereiche im Online-Volunteering denkbar sind und wie Freiwilligeneinsätze über das Internet geplant, gestaltet und evaluiert werden können, sind Fragen, die auch in der „klassischen“ Zusammenarbeit mit Freiwilligen vertrauten Frauen und Männern in den Köpfen schwirren. Das Handbuch fasst die einzelnen Schritte sehr anschaulich zusammen und geht gleich „an Ort und Stelle“ auf mögliche Stolpersteine ein. Aufgelockert werden die übersichtlich gelayouteten Textabschnitte durch visuelle Beispiele, etwa eine Muster-Anzeige „Online-Freiwillige gesucht!“.
Dass das Handbuch dem „Barrierefreien Online-Engagement“ seinen dritten Hauptschwerpunkt widmet, ist v.a. deswegen bemerkenswert, als hier Menschen mit Behinderungen nicht etwa schwammig als neue „Trendzielgruppe“ ausgemacht werden. Vielmehr wird konkret gezeigt, wie ernst gemeinte barrierefreie Engagementangebote aussehen können.
Auf eine Prognose, wie das Online-Engagement die Freiwilligentätigkeit in Deutschland verändern kann, verzichten die Autor/innen des Handbuches. Das ist insofern schade, als Einsätze von Online-Engagierten ganz sicher Auswirkungen auf das Innenleben der Freiwilligenorganisationen haben werden, z.B. in Bezug auf Transparenz oder auf ein Agieren „auf Augenhöhe“ von Hauptamtlichen und Freiwilligen. So ist zu hoffen, dass möglichst viele Leser/innen sich nach der Lektüre von „Management von Online-Volunteers“ an die Umsetzung eines professionellen Angebots für Online-Freiwillige machen. Das Handbuch bietet dafür einen guten, praxistauglichen Leitfaden. Bei der Überarbeitung für eine zweite Auflage werden die Autor/innen dann hoffentlich auf eine breitere Online-Engagement-Landschaft in Deutschland blicken können und vielleicht schon ein erstes Fazit wagen, wie sich die Engagement-Landschaft durch das Online-Engagement verändert hat.
Veröffentlicht unter Online-Freiwilligenarbeit
Verschlagwortet mit HOV, Online-Volunteering, Rezension
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Katja Brendel zum Praxisiskompendium “Management von Online-Volunteers”
Katja Brendel vom Berliner Stützrad e.V. arbeitet seit 2007 als Landeskoordinatorn im Projekt wellcome und hat sich unser Praxiskompendium zum Management von Online-Volunteers angeschaut. Aus der Perspektive einer Freiwilligenmanagerin unterstreicht sie in ihrer Rezension vor allem den voranschreitenden Wandel im freiwilligen Engagement und die Notwendigkeit, Freiwilligenorganisationen dafür zu rüsten. Katja weist darauf hin, dass der notwendigen Anerkennungskultur schon im “klassischen” Engagement mithin zu wenig Beachtung geschenkt wird. Durch die Unsichtbarkeit (physische Abwesenheit) der Freiwilligen beim Online-Engagement stellt aber genau das eine der größten Herausforderungen für das Management von Online-Volunteers dar. Für die nächste Auflage mahnt Katja vor allem mehr Praxisbeispiele und eine kritischere Auseinandersetzung mit der Monetarisierungsdebatte an. Kritik die ich mir natürlich gern annehme.
Bürgerschaftliches Engagement ist vielfältig. Aktuell existieren in Deutschland über 250.000 gemeinnützige Vereine, Stiftungen und Initiativen, die einen substanziellen Beitrag zum Gemeinwesen und Gemeinwohl leisten. Die Spannbreite reicht von großen Gewerkschaften über Umweltschutz- und Bürgerrechtsbewegungen bis hin zu lokalen Sportvereinen, Bürgerstiftungen oder sozialen Einrichtungen. Die Mehrheit dieser Organisationen arbeitet dabei zumindest teilweise mit Freiwilligen zusammen. Dabei geschieht dies nicht voraussetzungslos und ist auch kein Selbstläufer, sondern es bedarf eines professionellen Freiwilligenmanagements in den Organisationen, welche das Tun der Freiwilligen koordiniert und gute Rahmenbedingungen schafft.
Mehr als jeder Dritte ab 14 Jahren übt in Deutschland freiwillig oder ehrenamtlich eine Tätigkeit aus. Dabei unterliegt auch das freiwillige Engagement einem Wandel. Während traditionell eher längerfristige Verpflichtungen damit verbunden wurden, so ist heute ein Trend zu einem zeitlich befristeten, eher projektbezogenem Engagement zu erkennen.
Darüber hinaus ist ein weiterer Trend zu erkennen, der bislang jedoch noch vergleichsweise wenig beachtet wurde: freiwilliges Engagement über das Internet.
Mit diesem Thema setzen sich Hannes Jähnert und Lisa Dittrich in ihrem Handbuch „Management von Online-Volunteers“ auseinander, welches gerade von der Akademie für Ehrenamtlichkeit herausgegeben wurde.
In der knapp 60seitigen Broschüre setzen sie sich mit Mythen und Vorbehalten zum Online-Freiwilligenarbeit auseinander, die ihrer Meinung dazu geführt haben, dass diese Engagementform in Deutschland – im Gegensatz zur USA oder Kanada – noch vergleichsweise wenig beachtet wird.
Einführend wird festgestellt, dass – und das gilt für jede Form freiwilligen Engagements – klare Leitlinien in einer Organisation zur Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen bestehen müssen. Nur auf dieser Basis lässt sich eine gewinnbringende und zufriedenstellende Zusammenarbeit herstellen. Dabei sollte das steigende Bedürfnis von freiwillig Engagierten nach Offenheit (i.S. der organisationalen Entscheidung mit Freiwilligen zusammen zu arbeiten als auch deren Belange in die Öffentlichkeit zu tragen), Transparenz (i.S. klarer Kommunikations- und Entscheidungswege, klare Zielformulierungen und Policys für alle Mitarbeiter/innen), Responsivität (i.S. unmittelbarer und authentischer Rückmeldungen) und Integration (i.S. laufender Anpassung der Organisation an Wünsche, Bedürfnisse und Ansprüche der Engagierten) beachtet werden. Diese vier Punkte werden daraufhin als Grundvoraussetzungen guter Organisation herausgestellt.
Anschließend werden die Aufgabenbereiche des Freiwilligenmanagements (Definition der Zielgruppe, Klärung der Engagementbereiche, Erarbeitung von Engagementangeboten, Werbung von Ehrenamtlichen, Führen von Erstgesprächen, Treffen von Engagementvereinbarungen, Bindung und Wertschätzung) erläutert, wobei hierbei immer der Frage nachgespürt wird, welche Besonderheiten zu beachten sind, wenn es sich um Online-Freiwillige handelt.
Da diese eben gerade nicht vor Ort in der Organisation tätig sind, ergeben sich einige spezifische Herausforderungen für das Freiwilligenmanagement insbesondere die Bereiche Kommunikation, Einbindung und Wertschätzung betreffend.
Stellen dies schon in “klassischen” Engagementbereichen von Freiwilligen mitunter Organisationen vor Herausforderungen, so wird dies im Kontext von Online-Engagement noch dadurch erschwert, dass die Freiwilligen unsichtbarer sind, da nicht vor Ort und im face-to-face-Kontakt. Ihre Belange und berechtigen Anliegen dennoch stets zu beachten und mitzubedenken ist eine wesentliche Aufgabe des Freiwilligenmanagements.
Wäre das Handbuch keine Drucksache sondern ein Onlinetext, so würde man sich an dieser Stelle über Links zu guten Beispielen freuen.
Für Organisationen, die die Einbindung von Online-Freiwilligen planen, dürften zudem die Ausführungen zum Nutzen von Social Media Policys nützlich sein. Diese werden als sinnvolles Werkzeug, welches neben einer klaren Engagementvereinbarung die Rechte und Pflichten beider Seiten regelt, empfohlen. Dabei haben derartige Policys natürlich nicht nur für die Freiwilligen Geltung, sondern auch für Hauptamtliche Mitarbeiter/innen der Organisation.
Ausgesprochen hilfreich sind im Kontext der Nutzung des Web2.0 auch die Hinweise zu rechtlichen Fragen u.a. Datenschutz, Persönlichkeitsrechte, Copyright.
Die Diskussion um die Monetarisierung freiwilligen Engagements wird dagegen nur ganz knapp angerissen. Dies ist wohl auch nicht abschließend gemeint, sondern wohl eher als Aufforderung zu verstehen, sich in die entsprechende Debatte einzubringen.
Last but not least ist den Autor/innen für die Ausführungen zu den Chancen von Online-Volunteering für Menschen mit besonderen Bedarfen zu danken. Das freiwillige Engagement via Internet stellt eine große Chance dar, mehr Menschen mit Behinderungen bürgerschaftliches Engagement zu ermöglichen. Hierfür gilt es die Voraussetzungen weiter zu verbessern.
Veröffentlicht unter Kommentar, Online-Freiwilligenarbeit
Verschlagwortet mit HOV, Online-Volunteering, Rezension
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