Innovation-Karte_Cabridge-Workshop-2019
Machen ist wie wollen, nur krasser! Und um Verzeihung zu bitten ist einfacher, als um Erlaubnis zu fragen. Manche Dinge müssen einfach geschehen gegen Widerstände, abseits aller Zuständigkeit und ungeachtet irgendwelcher 'Pfadabhängigkeiten'. Heute geht es um Intrapreneurship, um radikale Elemente der Organisationsentwicklung und fundierte Tipps für das Management etablierter Nonprofits.
Als ich neulich die alten Grundlagen rauskramte, um sie mit aktuellen Insights zur Innovationsförderung aufzufrischen, stand das Paper von René Burfeindt (DRK) und Peter Schubert (ZiviZ) schon ganz oben auf meiner Leseliste. Die Case-Study zum Innovationslabor der DRK-Wohlfahrt (2017 bis 2019) versprach fundierte Tipps für die Förderung sozialer Innovationen in etablierten Nonprofits. Ein Träumchen! Denn:
... research [by now] has not explicitly studied management strategies for these organizations (Burfeindt/Schubert 2022: 7).
DISCLAIMER: Es geht hier nicht um heroische Innovator!nnen in schicken Beibooten vermeintlich behäbiger Tanker. Und es geht auch nicht um blendend-helle Strohfeuer in hohen Leuchttürmen unerreichbarer Küsten. Es geht um Innovation from inside und die praktischen Hürden auf dem Weg. Es geht um den strategischen Fokus auf Fortschritt und das gekonnte Management von Komplexität.
Nebst interessanter Einblicke in die internationalen Diskurse um soziale Innovationen finden wir bei Burfeindt und Schubert vier Hürden, die es auf dem Weg zu sozialen Innovationen in etablierten Nonprofits zu überwinden gilt. In a nutshell: (1) zu wenig 'Slack' in den Personalressourcen, (2) finanzielle Abhängigkeiten, (3) hohe organisationale Komplexität und (4) mangelndes Ownership.
Sechs Tipps für den Hürdenlauf
  • Das Commitment zu sozialen Innovationen in den Führungsetagen verschafft Grass-Root-Initiativen Raum für Wachstum.
  • Eine innovationsfreundliche Organisationskultur verschiebt den Fokus auf das, was für soziale Innovationen wichtig ist: zum Beispiel Kreativität.
  • Das Forcieren kollaborativer Ansätze in Innovations-Ökosystemen befreit Intrapreneurs von der Not aussichtsloser Alleingänge.
  • Das Framing aussichtsreicher Ansätze als gewollte Innovationen motiviert Intrapreneurs für lange und steinige Wege.
  • Die Zusammensetzung diverser Teams und die Vermittlung diversifizierender Netzwerk-Ressourcen helfen, Risiken zu minimieren.
  • Räume und Plattformen bieten Gelegenheit für den Aufbau persönlicher Netzwerke vertrauter Mitstreiter!nnen abseits der Hierarchie.
Intrapreneurship ist wichtig. Es ist aber auch ein Kampfsport, bei dem es dann und wann gehörig auf die Nase gibt. Führungskräfte, die es mit sozialen Innovationen ernst meinen, tun gut daran, ihre Intrapreneurs zu echten Change-Agents zu machen und mit entsprechender (Schutz-)Ausrüstung auszustatten. Die Geht-Nicht-Keule mit dem Nicht-Zuständig-Beschlag ist da wenig hilfreich.

Und sonst so?

Zum Internationalen Tag des Ehrenamtes werden wieder jene gewürdigt, gelobt und gefeiert, die unsere Gesellschaft zusammenhalten "Ehre wem Ehre gebührt" titelt das BMI und ballert dazu gleich ein paar Ehrenvideos raus: bmi.bund.de/ehrenvideos. Anerkennung und Würdigung im Ehrenamt – hab' ich mal bei Stefan Güntert (ETH Zürich) gelesen – gehen bei Engagierten (ähnlich wie die Bürokratie) mit einem "belastenden Gefühl der Verpflichtung" einher: Logisch! Es liegt ja nahe, dass in der Hoffnung auf mehr desselben gewürdigt, gelobt und gefeiert wird ... und voir la schon gibt's eine tolle neue Möglichkeit, sich für das größere Wohl zu engagieren: die Mitmachseite der Ehrenstiftung (DSEE) zur neuen Engagementstrategie der Bundesregierung.
Ansonsten halt das Übliche: Für die aktuelle Voluntaris habe ich über die Irrungen und Wirrungen des Bürokratieabbaus und eine Art "Kuschelparadox" der Bürgernähe geschrieben. Die Ehrenstiftung hat dafür einmal mehr als Case herhalten müssen. Geschrieben haben auch die Wikimedia-Menschen was: ein Brief an die Politik mit sechs Hinweisen darauf, was digitales Engagement braucht. Spoiler: Breitband ist nicht dabei. Ich belasse es hier lieber dabei. Einzig noch der Hinweis, dass es bei DSEE.de/jobs nur für kurze Zeit noch ein paar Ausschreibungen gibt.

Und jetzt du!

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