{"id":1544,"date":"2011-10-13T16:31:42","date_gmt":"2011-10-13T16:31:42","guid":{"rendered":"https:\/\/hannes-jaehnert.de\/wordpress\/?p=1544"},"modified":"2011-10-13T16:31:42","modified_gmt":"2011-10-13T16:31:42","slug":"kommentar-zur-studie-internet-und-digitale-burgergesellschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hannes-jaehnert.de\/wordpress\/2011\/10\/13\/kommentar-zur-studie-internet-und-digitale-burgergesellschaft\/","title":{"rendered":"Kommentar zur Studie \u201eInternet und digitale B\u00fcrgergesellschaft\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Seit nunmehr drei Jahren schreibe ich in meinem Weblog \u00fcber das Online-Volunteering, die Freiwilligenarbeit \u00fcber das Internet. Eng damit verbunden war und ist die Diskussion um die Rolle von Internet und Social Media in NPOs und Zivilgesellschaft. Sowohl im Rahmen der <a title=\"Zentralblog der NPO-Blogparade\" href=\"http:\/\/www.npoblogparade.wordpress.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">NPO-Blogparade<\/a> als auch im lockeren Verbund der NPO-Blogger!nnen-Szene diskutierten wir Themen wie <a title=\"Diskussion in den Kommentaren im Blog nonprofits-vernetzt von Brigitte Reiser\" href=\"http:\/\/blog.nonprofits-vernetzt.de\/index.php\/aktion-uwe-entwicklungen-im-online-fundraising-und-wie-nonprofits-darauf-reagieren-sollten\/#comment-3920\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">gute Rahmenbedingungen<\/a> f\u00fcr moderne, partizipative Freiwilligenarbeit, die <a title=\"Blogbeitrag von Brigitte Reiser\" href=\"http:\/\/blog.nonprofits-vernetzt.de\/index.php\/soziales-kapital-und-gemeinnutzige-organisationen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Akkumulation sozialen Kapitals<\/a> durch den Social Media Einsatz in NPOs, <a title=\"Eintrag auf dem NPO-Blogparaden-Blog zur Auswertung der Runde zu Social Media Policys\" href=\"http:\/\/npoblogparade.wordpress.com\/2011\/07\/24\/auswertung-der-npo-blogprade-zu-social-media-policys-und-social-media-guidelines-in-npos-und-offentlicher-verwaltung-online\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Social Media Policys<\/a> und <a title=\"Diskussionsbeitrag zur Social Media Policy des Deutschen Caritasverbandes\" href=\"https:\/\/hannes-jaehnert.de\/2011\/07\/02\/zur-diskussion-der-social-media-policy-fur-die-caritas-deutschland\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Guidelines<\/a> sowie ungez\u00e4hlte Projekte von der <a title=\"Blogarchiv zu Aktion Uwe auf dem Blog von Ole Seidenberg\" href=\"http:\/\/socialaction20.wordpress.com\/aktion-uwe\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Aktion Uwe<\/a> bis zu <a title=\"Beitrag zur 14. Runde der NPO-Blogparade (den damalige Hostblog von engagiert in Deutschland gibt es nicht mehr)\" href=\"https:\/\/hannes-jaehnert.de\/2010\/03\/17\/npo-blogparade-14\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Engagiert in Deutschland<\/a>. Allein mein Blog z\u00e4hlt mittlerweile \u00fcber 200 Artikel, zu denen ich noch beinahe 5000 Eintr\u00e4ge auf <a title=\"Twitterstream von mir (@foulder)\" href=\"http:\/\/www.twitter.com\/foulder\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Twitter<\/a>, eine <a title=\"Facebookseite zu www.freiwilligenmanagement.de\" href=\"http:\/\/www.facebook.com\/freiwilligenmanagementde\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Facebook-Seite zum Freiwilligenmanagement<\/a> und <a title=\"Publikationen, Arbeiten und \u00d6ffentliches hier im Blog\" href=\"https:\/\/hannes-jaehnert.de\/wordpress\/works\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">div. Publikationen<\/a> rechnen w\u00fcrde; f\u00fcr Interessierte ein nicht einfach zu \u00fcbersehender Haufen von Ans\u00e4tzen, Ideen und Kommentaren &#8212; eine Art Nachhall der weiterlaufenden Debatte.<br \/>\n<a title=\"Studie als PDF\" href=\"http:\/\/www.cccdeutschland.org\/sites\/default\/files\/CCCDebatte08_Internet%20und%20digitale%20Buergergesellschaft_2011.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1545\" title=\"Titel CCCDebatte_8\" src=\"https:\/\/hannes-jaehnert.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Titel-CCCDebatte_8-212x300.jpg\" alt=\"\" width=\"212\" height=\"300\" \/><\/a>Das <a title=\"Webseite des CCCD\" href=\"http:\/\/www.cccdeutschland.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Centrum f\u00fcr Corporate Citizenship Deutschland (CCCD)<\/a> hat sich im vergangenen Jahr der Herausforderung angenommen, den Zusammenhang zwischen B\u00fcrgergesellschaft und den sozialen Medien des Internets zu ergr\u00fcnden und die Debatte darum in \u00fcbersichtlicher Form zusammen zu fassen. In der nun erschienenen Studie zu <a title=\"Internet und digitale B\u00fcrgergesellschaft (PDF)\" href=\"http:\/\/www.cccdeutschland.org\/sites\/default\/files\/CCCDebatte08_Internet%20und%20digitale%20Buergergesellschaft_2011.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eInternet und digitale B\u00fcrgergesellschaft\u201c<\/a> postulieren die Autorin <a title=\"Profil von Alexandra H\u00e4rtel auf der Webseite des CCCD\" href=\"http:\/\/www.cccdeutschland.org\/de\/users\/alexandra-haertel\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Alexandra H\u00e4rtel<\/a> und ihr Co-Autor <a title=\"Web-Visitenkarte von Dr. Serge Embacher\" href=\"http:\/\/www.serge-embacher.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Dr. Serge Embacher<\/a> \u201eneue Chancen f\u00fcr Beteiligung\u201c und fassen den Kern unserer Debatte damit treffend zusammen: Social Media bietet vielf\u00e4ltige Chancen f\u00fcr die zivilgesellschaftliche Beteiligung, die aber immer auch mit div. Herausforderungen verbunden sind.<\/p>\n<h1>Aufbau und Methodik<\/h1>\n<p>Nach einer einf\u00fchrenden Untersuchung des Zusammenhangs von Social Media, freiwilligem Engagement und B\u00fcrgerbeteiligung, zeigen Embacher und H\u00e4rtel unterschiedliche Ans\u00e4tze auf, die neue Handlungsspielr\u00e4ume f\u00fcr die B\u00fcrger- und Zivilgesellschaft er\u00f6ffnen k\u00f6nnen. Darunter finden sich neben dem Online-Volunteering auch Crowdsourcing- und Koproduktionsans\u00e4tze, die anhand unterschiedlicher Beispielprojekte illustriert werden. Daran anschlie\u00dfend setzen sich die Autorin und der Autor kritisch mit den Social Media Aktivit\u00e4ten von drei gr\u00f6\u00dferen Organisationen der (internationalen) Zivilgesellschaft auseinander bevor sie im letzten Teil der Arbeit die Herausforderungen und Handlungsperspektiven besprechen, die sich durch den Einsatz von Social Media f\u00fcr die Arbeit von NPOs ergeben.<br \/>\nDas methodischen Vorgehen w\u00e4hrend dieser Untersuchung zielte eher auf eine Bestandsaufnahme von Praxen und Potentialen des Social Media Einsatzes im zivilgesellschaftlichen Sektor, denn der Formulierung nie geh\u00f6rte Hypothesen. Damit wurde das Untersuchungsdesign sehr bodenst\u00e4ndig und zielf\u00fchrend gestaltet. Neben einer Literaturrecherche wurden 16 leitfadengest\u00fctzte Experteninterviews und ein Fachgespr\u00e4ch mit neun Teilnehmenden gef\u00fchrt, wobei sowohl Bef\u00fcrworter!nnen der sich verbreitenden Social Media Kommunikation als auch Skeptiker!nnen des \u201eWeb 2.0 Hype\u201c zu Wort kamen (eine Liste der Interviewpartner!nnen und Diskussionsteilnehmer!nnen findet sich im Anhang 5 auf Seite 30). Ich denke die Autorin und der Autor verstehen ihre Publikation zu Recht<\/p>\n<blockquote><p>\u2026 als Beitrag zur Fortentwicklung der Engagementpotentiale in Deutschland und damit auch als Schritt auf dem Weg in eine moderne, solidairische B\u00fcrgergesellschaft (Embacher\/H\u00e4rtel 2011: 6).<\/p><\/blockquote>\n<h1>Inhalte und zentrale Thesen<\/h1>\n<p>F\u00fcr Embacher und H\u00e4rtel liegt zwischen der \u201eWelt der Social Media\u201c und der B\u00fcrgergesellschaft eine gewisse \u201eWahlverwandtschaft\u201c vor (ebd.: 6). Sowohl die B\u00fcrgergesellschaft als auch die \u201egesellschaftsbildenden Medien\u201c des Social Web weisen ihnen zu folge deliberative Charakterz\u00fcge auf (ebd.: 8), die sie auch anhand einiger Kernelementen des seit Dekaden fortschreitenden Strukturwandels der Freiwilligenarbeit herausarbeiten (dazu ebd.: 9). Embacher und H\u00e4rtel folgend sind sowohl in der B\u00fcrgergesellschaft als auch im Social Web &#8220;Solidarit\u00e4t und Selbstverwirklichung&#8221; wie auch &#8220;Partizipation und Selbstbestimmung&#8221; nicht zu trennende Begriffspaare. \u00dcberdies \u2013 so behaupten die Autorin und der Autor ohne es recht zu belegen \u2013 w\u00fcrden die sozialen Medien des Internets wie auch die moderne Freiwilligenarbeit von den Individualisierungs- und Pluralisierungstendenzen moderner Gesellschaften profitieren und diese sogar verst\u00e4rken (ebd.).<\/p>\n<blockquote><p>Mit der Individualisierung und Pluralisierung von Lebenslagen l\u00f6sen sich die traditionellen Milieus allm\u00e4hlich auf und verlieren ihre soziale Bindekraft. Lebenswege sind heute weniger durch Milieuzugeh\u00f6rigkeit vorgezeichnet als durch (freilich damit verkn\u00fcpfte) Bildungschancen, durch Geschlechterrollen, individuelle Lebensentscheidungen und andere Faktoren (Embacher\/H\u00e4rtel 2011: 9).<\/p><\/blockquote>\n<p>Es wird an dieser Stelle leider nicht deutlich, was genau mit \u201eMilieuzugeh\u00f6rigkeit\u201c gemeint sein soll, inwieweit diese nicht doch vielleicht auf \u201eindividuelle Lebensentscheidungen\u201c wirkt und welche \u201eanderen Faktoren\u201c dabei noch eine Rolle spielen k\u00f6nnten. Tats\u00e4chlich ist der \u201eZerfall traditioneller Milieus\u201c eine gern angef\u00fchrte Folge der Individualisierungs- und Pluralisierungstendenzen mit denen wir es in modernen, freiheitlich verfassten Gesellschaften zu tun haben; empirisch belegen l\u00e4sst sich diese These &#8212; die m.E. auch den behaupteten deliberativen Charakterz\u00fcgen entgegen steht &#8212; m.W. aber nicht.<br \/>\nDen zweiten Teil ihrer Studie beginnen Embacher und H\u00e4rtel mit der (etwas versp\u00e4teten) Beschreibung dessen, was sie sich unter Social Media resp. dem Social Web vorstellen. Leser!nnen denen dieses Thema bisher noch fremd ist, sollten mit diesem Abschnitt (S. 12f.) beginnen. Mit dem Verweis auf <a title=\"Google Books &quot;Social Web&quot; von Eberbach, Glaser und Heigl \" href=\"http:\/\/books.google.com.br\/books\/about\/Social_Web.html?id=7lRSiI9GiFUC\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ebersbach, Glaser und Heigl<\/a> pl\u00e4dieren die Autorin und der Autor f\u00fcr den Terminus \u201eSocial Web\u201c anstelle der \u201ejournalistischen Chiffre f\u00fcr die Neuerfindung des Internets\u201c, dem Web 2.0 (Embacher\/H\u00e4rtel 2011: 12f.).<\/p>\n<blockquote><p>Im Rahmen des Konzepts Social Web werden durch webbasierte Anwendungen soziale Praktiken wie Informationsaustausch, Bereitstellung von Daten, Aufbau von Beziehungen und deren Pflege sowie die themenbezogene Kollaboration unterst\u00fctzt ([Ebersbach\/Glaser\/Heigl] 2011: 38). Diese web-basierten Anwendungen im Social Web werden unter dem Begriff <em>Social Media<\/em><em> <\/em>zusammengefasst\u00a0 (ebd.: 12).<\/p><\/blockquote>\n<p>Das so beschriebene Social Web mit seinen sozialen Medien (die als Anwendungen hier ausschlie\u00dflich auf das <a title=\"Wikipediaartikel zum Lemma World Wide Web\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/World_Wide_Web\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">WWW <\/a>aufsetzen) zeichnet sich f\u00fcr Embacher und H\u00e4rtel vor allem durch die Prinzipien \u201eOffenheit\u201c und \u201eTransparenz\u201c aus (ebd. 13): <em>Offenheit <\/em>als M\u00f6glichkeit jedwede Information und\/oder Meinung ohne redaktionelle Filterung ver\u00f6ffentlichen zu k\u00f6nnen, <em>Transparenz <\/em>als M\u00f6glichkeit Prozesse und Zusammenh\u00e4nge (wie die Debatte um Internet und digitale B\u00fcrgergesellschaft) auch ohne exklusiven Quellenzugang recherchieren zu k\u00f6nnen (ebd.).<br \/>\nDie neuen Handlungsspielr\u00e4ume, die sich aus den so beschriebenen Strukturen des Social Web ergeben, beschreiben die Autorin und der Autor zun\u00e4chst als Netzwerkbildung und Einbindung neuer Zielgruppen (Online-Volunteering), bevor sie anhand konkreter Beispiele \u201eDo-It-Yourself-Initiativen\u201c (ebd.: 16), \u201eAgenda-Setting mit Hilfe von Social Media\u201c (ebd.: 17) und \u201eSelbsthilfe im Social Web\u201c (ebd.: 18) umrei\u00dfen. Mit diesen Beispielen wollen Embacher und H\u00e4rtel zeigen,<\/p>\n<blockquote><p>\u2026 dass die Kommunikationsm\u00f6glichkeiten im Social Web f\u00fcr das individuelle Engagement neue Wege der Selbstorganisation, der Aktivierung von Ressourcen in Netzwerken (Wissen, Kompetenzen, finanzielle Mittel), der B\u00fcrgerbeteiligung und Einflussnahme er\u00f6ffnen und wie diese von den Engagierten genutzt werden (Embacher\/H\u00e4rtel 2011: 18).<\/p><\/blockquote>\n<p>Doch nicht nur f\u00fcr die Selbstorganisation der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger bietet das Social Web neue Handlungsperspektiven. Embacher und H\u00e4rtel konstatieren auch f\u00fcr etablierte Organisationen der (internationalen) Zivilgesellschaft vormals nicht gekannten M\u00f6glichkeiten zur Akquise wichtiger Netzwerkressourcen. Unter den Schlagworten <a href=\"http:\/\/books.google.com.br\/books?id=Kn1qVOQJksMC&amp;lpg=PP1&amp;dq=%E2%80%9ENetworked%20Nonprofits%E2%80%9C&amp;hl=de&amp;pg=PP1#v=onepage&amp;q=%E2%80%9ENetworked%20Nonprofits%E2%80%9C&amp;f=false\">\u201eNetworked Nonprofits\u201c<\/a> (Beth Kanter \/ Alison Fine) und <a title=\"Participation revisited von Brigitte Reiser\" href=\"http:\/\/www.buergergesellschaft.de\/fileadmin\/pdf\/gastbeitrag_reiser_101001.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eKoproduktion sozialer Dienstleistungen\u201c<\/a> (Brigitte Reiser) fassen Embacher und H\u00e4rtel diese selten strategisch genutzten M\u00f6glichkeiten zusammen (ebd.: 19). Anhand des <a href=\"http:\/\/www.caritas.de\/\">Deutschen Caritasverbandes<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.oxfam.de\/\">Oxfam<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.greenpeace.de\/\">Greenpeace Deutschland<\/a> zeigen sie anschlie\u00dfend auf, dass und wie Social Media hier eingesetzt werden (kann) (ebd.: 19ff).<br \/>\nIm dritten und letzten Teil ihrer Studie zeigen Embacher und H\u00e4rtel Herausforderungen und Handlungsperspektiven auf, die sich ihres Erachtens aus der \u201e\u201aLiaison\u2018 von Internet und B\u00fcrgergesellschaft\u201c ergeben (ebd.: 23). Dabei pl\u00e4dieren sie f\u00fcr den Einsatz von Social Media im zivilgesellschaftlichen Bereich, warnen allerdings vor einer Indienstnahme der sozialen Medien \u201ef\u00fcr die Verfestigung von intransparenten Macht- und Entscheidungsstrukturen\u201c wobei der implizite Verweis auf den deutschen Nationalsozialismus nat\u00fcrlich nicht fehlen darf:<\/p>\n<blockquote><p>Die Okkupation des Web 2.0 f\u00fcr die \u201abestehenden Verh\u00e4ltnisse\u2018 w\u00e4re nicht das erste Beispiel in der Geschichte der Massenmedien f\u00fcr eine negative Entwicklung. Ob sich Social Media und Social Web tats\u00e4chlich als Antriebskr\u00e4fte f\u00fcr einen transparenten, offenen und responsiven Dritten Sektor erweisen werden, h\u00e4ngt u.a. vom Handeln der Engagierten und ihrer Organisationen ab (Embacher\/H\u00e4rtel 2011: 23).<\/p><\/blockquote>\n<p>Anschlie\u00dfend an diese eher allgemeine Warnung beschreiben Embacher und H\u00e4rtel mit der \u201eAusgrenzung gesellschaftlicher Gruppen\u201c (ebd.: 23), der \u201em\u00e4nnlichen Dominanz\u201c (ebd.: 24) und des \u201eSlaktivism\u201c (ebd.) drei etwas handfestere Herausforderungen, die der durchaus evidente Einzug von Social Media in der b\u00fcrgergesellschaftlichen Selbstorganisation mit sich bringt. Als Anregungen f\u00fcr zivilgesellschaftliche Organisationen formulieren die Autorin und der Autor einige \u00a0Handlungsperspektiven, die vor allem etablierte, hierarchisch verfasste NPOs vor gro\u00dfe Herausforderungen stellen d\u00fcrften (zum folgenden: ebd.: 25ff.):<\/p>\n<ol>\n<li>Zun\u00e4chst sehen Embacher und H\u00e4rtel dringenden Fortentwicklungsbedarf bzgl. der Organisationskultur und des Selbstverst\u00e4ndnisses von Dritt-Sektor-Organisationen, womit sie auch eine strategische Organisationsentwicklung eingefordert sehen.<\/li>\n<li>Damit verbunden ist die Forcierung von Netzwerkarbeit wie auch der von Beteiligungsm\u00f6glichkeiten, die <a title=\"&quot;Pl\u00e4doyer f\u00fcr echte Partizipation&quot; Beitrag hier im Blog\" href=\"http:\/\/www.http\/hannes-jaehnert.de\/wordpress\/2010\/12\/07\/ein-pladoyer-fur-%E2%80%9Aechte-partizipation%E2%80%99-19-runde-der-npo-blogparade\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">echte Partizipation via Social Web<\/a> m\u00f6glich und die gemeinsame Erarbeitung (Koproduktion) von Social Media Policys und Social Media Guidelines erforderlich machen.<\/li>\n<li>Mit der F\u00f6rderung des Einbezugs der Stakeholder zivilgesellschaftlicher Organisationen (Partizipation) verbinden die Autorin und der Autor auch die F\u00f6rderung von Medien- und Beteiligungskompetenz durch fachliche Qualifikation, Beratung und Training.<\/li>\n<\/ol>\n<h1>Fazit und kritische Anmerkungen<\/h1>\n<p>Embacher und H\u00e4rtel meinen wohl zu Recht, dass die Debatte \u00fcber den Zusammenhang von b\u00fcrgerschaftlichem Engagement und Social Media innerhalb der Sph\u00e4ren etablierter Dritt-Sektor-Organisationen noch ganz am Anfang steht (ebd.: 27). W\u00e4hrend sich die B\u00fcrgergesellschaft \u2013 jene kleineren Vereine und Assoziationen, die Embacher und H\u00e4rtel als Form der b\u00fcrgerschaftlichen Selbstorganisation beschreiben \u2013 bereits wie selbstverst\u00e4ndlich <em>auch <\/em>\u00fcber die Sozialen Medien des Internets organisiert, ist ein Gros hierarchisch verfasster NPOs von flachen Beteiligungsstrukturen weit entfernt. Das Social Web wird hier allzu oft nur als neuer Kanal f\u00fcr die One-To-Many-Kommunikation mit der gro\u00dfen Masse an potentiellen Empf\u00e4nger!nnen im Internet eingesetzt , ohne dass hier ernstzunehmende R\u00fcckkan\u00e4le ge\u00f6ffnet und Informationsangebote strategisch fragmentiert w\u00fcrden. Damit wird das Social Web &#8212; \u00fcbrigens auch von Embacher und H\u00e4rtel &#8212; als Massenmedium (im analytischen Sinn) missverstanden.<br \/>\nWie bereits erw\u00e4hnt ist die hier vorgestellte Untersuchung methodisch auf eine Zusammenfassung einer (weiterlaufenden) Debatte angelegt. Inhaltlich stellt sie den aktuellen Stand treffend dar und ist Interessierten insofern nur zu empfehlen. Dennoch bleiben kritische Punkte anzumerken bzw. zu diskutieren:<\/p>\n<ul>\n<li>Als fundierter Beitrag zur Debatte um die Chancen und Herausforderungen, die die neuen Medienformate des Internets f\u00fcr den Dritten Sektor bergen, ist die vorliegende Arbeit zun\u00e4chst insofern zu kritisieren, als grundlegende Formalien wissenschaftlichen Arbeitens stellenweise nicht oder nur unzureichend eingehalten wurden. Nicht nur einmal werden Sachverhalte ohne entsprechende Zitation behauptet oder Darstellungen anderer Autor!nnen ohne entsprechenden Verweis \u00fcbernommen. Einerseits ist dies f\u00fcr jene &#8212; wie mich &#8212; \u00e4rgerlich, die sich die M\u00fche machen <a title=\"Auf der Unterseits &quot;Works&quot; dieser Webseite findet sich eine ganze Sammlung meiner Ver\u00f6ffentlichungen\" href=\"https:\/\/hannes-jaehnert.de\/wordpress\/works\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(auch wissenschaftliche und zitierf\u00e4hige) Publikationen<\/a> zu erarbeiten, andererseits wird damit auch das weiterf\u00fchrende Studium einzelner Aspekte dieses Themenfeldes (bspw. Online-Volunteering oder die \u201alernende Community\u2018 der <a title=\"&quot;Wissenstransfer aus der SocialBar&quot; Forschungsbericht einer empirischen Untersuchung der Social Media Szene\" href=\"https:\/\/hannes-jaehnert.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/wissenstransfer-aus-der-socialbar.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Social Media Szene<\/a>) erschwert, was ja gerade die St\u00e4rke dieser Zusammenfassung h\u00e4tte sein k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>\u00a0Weiterhin h\u00e4tten auch einige eingef\u00fchrte Begriffe und Konzepte wie der des Milieus oder der der \u201eMedien- und Beteiligungskompetenz\u201c n\u00e4her beschrieben werden m\u00fcssen. Was Embacher und H\u00e4rtel genau unter dem z.Zt. sehr popul\u00e4ren Milieubegriff oder dem der Medienkompetenz bzw. dem mir bislang unbekannten Begriff der Beteiligungskompetenz verstehen, bleibt leider im Dunkeln.<\/li>\n<li>Als diskussionsw\u00fcrdig erachte ich au\u00dferdem die nicht wirklich begr\u00fcndete Trennung von b\u00fcrgergesellschaftlicher Selbstorganisation in kleinen Vereinen und Initiativen und gr\u00f6\u00dferen Organisationen der Zivilgesellschaft. Semantisch stellen Embacher und H\u00e4rtel die einen als eine Art Manifestation der B\u00fcrger-, die anderen als eine der Zivilgesellschaft dar, was sich angesichts der deutlich zivilgesellschaftlichen Anspr\u00fcche (i.S. des Habermas&#8217;schen Vernetzungsimpetus) der <a href=\"http:\/\/www.sozialhelden.de\/\">Berliner Sozialhelden<\/a> oder der Kampagnennetzwerke wie <a href=\"http:\/\/www.campact.de\/\">Campact<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.avaaz.org\/\">Avaaz<\/a> wohl kaum durchhalten l\u00e4sst.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Interessierten Leserinnen und Lesern w\u00fcnsche ich viel Vergn\u00fcgen bei dieser m.E. erhellenden Lekt\u00fcre. Der dargestellte Stand der Dinge sollte dabei allerdings nicht als &#8216;in Stein gemei\u00dfelt&#8217; betrachtet, sondern als Aufforderung verstanden werden, sich aktiv in die laufende Diskussion einzubringen. Vielleicht ist hierf\u00fcr auch eine neue Runde der NPO-Blogparade sinnvoll. Was meint ihr?!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit nunmehr drei Jahren schreibe ich in meinem Weblog \u00fcber das Online-Volunteering, die Freiwilligenarbeit \u00fcber das Internet. Eng damit verbunden war und ist die Diskussion um die Rolle von Internet und Social Media in NPOs und Zivilgesellschaft. 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