{"id":1691,"date":"2012-01-14T14:52:16","date_gmt":"2012-01-14T14:52:16","guid":{"rendered":"https:\/\/hannes-jaehnert.de\/wordpress\/?p=1691"},"modified":"2012-01-14T14:52:16","modified_gmt":"2012-01-14T14:52:16","slug":"expertise-zur-partizipation-im-und-mit-dem-social-web","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hannes-jaehnert.de\/wordpress\/2012\/01\/14\/expertise-zur-partizipation-im-und-mit-dem-social-web\/","title":{"rendered":"Expertise zur Partizipation im und mit dem Social Web"},"content":{"rendered":"<p><em>Auf <a title=\"Weblog pb21 - Web 2.0 in der politischen Bildung\" href=\"http:\/\/pb21.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">pb21<\/a> &#8212; einem Webangebot zur politischen Bildung im Web 2.0 der <a title=\"Webseite der Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung\" href=\"http:\/\/www.bpb.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung<\/a> in Kooperation mit dem <a title=\"Webseite des DGB Bildungswerkes\" href=\"http:\/\/www.dgb-bildungswerk.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bildungswerk des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB)<\/a> &#8212; wurde zu Beginn dieses Jahres die <span style=\"text-decoration: underline;\">sehr lesenswerte\u00a0 Zusammenfassung<\/span> einer Expertise zur Partizipation im und mit dem Social Web von Ulrike Wagner, Peter Gerlicher und Niels Br\u00fcggen ver\u00f6ffentlicht. Da ich hier einige Parallelen zum Thema Engagementf\u00f6rderung, Zivilgesellschaft im Zeitalter Sozialer Medien und nat\u00fcrlich auch dem Online-Volunteering sehe, sei der Text an dieser Stelle gem\u00e4\u00df der <a title=\"CC-by-nc-nd 3.0 Lizenz Deutschland\" href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nc-nd\/3.0\/de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">CC-Lizenz unter der pb21 ver\u00f6ffentlicht<\/a> wiedergegeben.<\/em><br \/>\n<small><a title=\"Partizipation im und mit dem Social Web \u2013 Herausforderungen f\u00fcr die politische Bildung\" href=\"http:\/\/pb21.de\/2012\/01\/partizipation-im-und-mit-dem-social-web\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Originalbetrag auf pb21<\/a> &#8212; <a title=\"Vollst\u00e4ndige Fassung der Expertise zur Partizipation im und mit dem Social Web\" href=\"http:\/\/pb21.de\/files\/2012\/01\/bpb-Expertise_Partizipation_im_Social_Web.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">komplette Fassung der Expertise (45 S. PDF)<\/a> &#8212; <a title=\"Kurzfassung der Expertise zur Partizipation im und mit dem Social Web\" href=\"http:\/\/pb21.de\/files\/2012\/01\/bpb-Expertise_Partizipation_im_Social_Web_Kurzfassung.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kurzfassung Expertise (5 S. PDF)<\/a><\/small><\/p>\n<h2>Ziel und Auftrag der Expertise<\/h2>\n<p>Die Expertise verfolgt das Ziel, mit Blick auf die neueren Medienentwicklungen im Social Web die Potenziale f\u00fcr Partizipation im Rahmen des Online-Medienhandelns von Kindern und Jugendlichen zu eruieren.<br \/>\nIhre Basis ist eine Definition von Partizipation, die soziale, kulturelle und politische Sph\u00e4ren umfasst und nicht auf die Unterscheidung zwischen Inklusion oder Exklusion an bzw. von Gesellschaft reduziert werden kann. Vielmehr wird Partizipation konzipiert als \u201epolitische Beteiligung m\u00f6glichst vieler \u00fcber m\u00f6glichst vieles, und zwar im Sinne von Teilnehmen, Teilhaben, Seinen-Teil-Geben und innerer Anteilnahme am Schicksal eines Gemeinwesens\u201c.<a href=\"#FN1\"><sup>1<\/sup><\/a> Ernstgemeinte Partizipation sichert B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern ihren Status als Subjekte mit eigener Entscheidungsgewalt und wird nicht gew\u00e4hrt, sondern sie ist ein fundamentales Recht aller Mitglieder der Gesellschaft in allen sie be\u00adtreffenden gesellschaftlichen Bereichen.<a href=\"#FN2\"><sup>2<\/sup><\/a><br \/>\nDen normativen Rahmen der Expertise bildet die Annahme, dass politische Bildungsarbeit diese Subjektwerdung der Individuen bef\u00f6rdert. F\u00fcr die Jugendarbeit konkretisiert meint dies das Ziel, dass Kinder und Jugendliche \u201esich als Subjekte (Selbstbestimmung) politischen Handelns (gesellschaftliche Mitverantwortung) erfahren, ihre (politischen) Perspektiven und Handlungsm\u00f6glichkeiten erweitern und sich Kompetenzen politisch-demokratischen Handelns und Mitentscheidens aneignen\u201c.<a href=\"#FN3\"><sup>3<\/sup><\/a> Mit dem Begriff der gesellschaftlichen Mitverantwortung <a href=\"#FN4\"><sup>4<\/sup><\/a> ist zu\u00addem ein weiter Politikbegriff grundgelegt, der offen f\u00fcr die Themen der Lebenswelt und somit f\u00fcr einen sozialraumorientierten Ansatz ist und gleichzeitig das Subjekt und seine Ressourcen in den Mittelpunkt r\u00fcckt.<br \/>\nMit dieser Grundkonzeption von Partizipation im und mit dem Social Web kann das demokratische Poten\u00adzial im Medienhandeln untersucht werden. Insbesondere mit Blick auf die neueren Medien\u00adentwick\u00adlungen im Social Web stellen sich daran anschlie\u00dfend Fragen in Bezug auf die Verwirklichung von Mitsprache, Mitwirkung, Mitbestimmung und Selbstbestimmung der Beteiligten, insbesondere mit Blick auf Jugendliche und junge Erwachsene als Zielgruppe politischer Bildung:<br \/>\nWelche medialen Werkzeuge, Kommunikationskan\u00e4le und -angebote sind geeignet, um Partizipation im oben genannten Sinne zu verwirklichen?<br \/>\nWelche (medialen) R\u00e4ume k\u00f6nnen von den Beteiligten in welcher Form gestaltet werden? Welche Anforderungen ergeben sich daraus f\u00fcr die politische Bildungsarbeit im und mit dem Social Web?<br \/>\nZentrale Grundbedingungen sowie Thesen und Kriterien f\u00fcr die politische Bildungsarbeit im und mit dem Social Web sind in dieser Kurzfassung geb\u00fcndelt:<\/p>\n<h2>I Grundbedingungen f\u00fcr die politische Bildungsarbeit<\/h2>\n<p>Partizipation im und mit dem Social Web wird im Verst\u00e4ndnis dieser Expertise folgenderma\u00dfen ge\u00adfasst und impliziert damit bestimmte Grundbedingungen f\u00fcr p\u00e4dagogisches Handeln:<br \/>\n<strong>1. Partizipation<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>sichert den Subjektstatus der Einzelnen und ihrer Entscheidungsmacht<\/li>\n<li>hat ihre Grundlage in der allt\u00e4glichen Lebensf\u00fchrung, in welcher Teilhabeinteresse und Teilhabef\u00e4higkeiten entwickelt werden<\/li>\n<li>ist verankert in der Lebenswelt der Subjekte, in der sowohl Potenziale als auch Beschr\u00e4nkungen liegen k\u00f6nnen<\/li>\n<li>nimmt Bezug auf pers\u00f6nliche, soziale und kulturelle Voraussetzungen und Ressourcen der Beteiligten (z.B. Entwicklungsstand und Verstehensf\u00e4higkeiten)<\/li>\n<li>entfaltet \u201aWirkung\u2018 im Sinne von Einflussnahme auf und Gestaltung von Entscheidungsprozessen<\/li>\n<li>ist zu differenzieren in unterschiedliche Formen der Online-Beteiligung, deren Spektrum von Mitwirkung \u00fcber Mitbestimmung bis hin zur Selbstbestimmung reicht<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>2. Die Qualit\u00e4t von Partizipation ist \u00fcber die M\u00f6glichkeiten und Grenzen zu bestimmen, die sich in den Angebotsformen differenzieren lassen, und zwar in Bezug auf<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Zugangsm\u00f6glichkeiten<\/li>\n<li>Handlungs- und Gestaltungsm\u00f6glichkeiten (z.B. Kommunikationskan\u00e4le)<\/li>\n<li>Reichweite der Entscheidungen<\/li>\n<li>Transparenz<\/li>\n<li>notwendige F\u00e4higkeiten und Fertigkeiten im Umgang mit Social Web-Angeboten<\/li>\n<\/ul>\n<p>Entlang dieser Aspekte sind Partizipationsangebote im Social Web einzusch\u00e4tzen. Mit der Expertise liegt nun eine exemplarische Analyse unterschiedlicher Partizipationsangebote vor.<\/p>\n<h2>II Thesen und Kriterien f\u00fcr die politische Bildungsarbeit im und mit dem Social Web<\/h2>\n<p>Partizipationsprojekte im und mit dem Social Web m\u00fcssen sich der Frage stellen, wie die Prinzipien der Orientierung am Subjekt und seinen Ressourcen im Rahmen handlungsorientierten Lernens umge\u00adsetzt werden k\u00f6nnen. Dabei werden unter den gegebenen gesellschaftlichen Bedingungen Heraus\u00adforderungen offenkundig, die in Form von f\u00fcnf Thesen zusammengefasst werden:<\/p>\n<ol>\n<li>Politische Bildung im Social Web muss Individualisierungstendenzen im Medienhandeln aufgrei\u00adfen und hinterfragen.<\/li>\n<li>Die kommerziellen Entwicklungen im Social Web m\u00fcssen von der politischen Bildung als Thema aufgegriffen werden und zugleich muss politische Bildungsarbeit nicht-kommerzielle Alternativen bereithalten.<\/li>\n<li>Transparenz durch den Einsatz digitaler Dienste ist zum einen Voraussetzung f\u00fcr die Realisierung von Partizipation, birgt zum anderen aber auch die Gefahr der Kontrolle \u00fcber die Beteiligten. Dieses Spannungsfeld muss von politischer Bildung ber\u00fccksichtigt und f\u00fcr ihre Ziel\u00adgruppen er\u00adfahrbar gemacht werden.<\/li>\n<li>Prozesse der Entgrenzung von \u00f6ffentlichen und privaten Sph\u00e4ren m\u00fcssen Gegenstand politischer Bildungsarbeit werden.<\/li>\n<li>Projekte der politischen Bildungsarbeit m\u00fcssen sich am normativen Ziel, den Beteiligten m\u00f6g\u00adlichst viel Selbstbestimmung zu erm\u00f6glichen, messen lassen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>P\u00e4dagogische Partizipationsprojekte, deren Leitlinien handlungsorientiertes Lernen und Ressourcenorientierung bilden und die sozialr\u00e4umliche Aneignungsprozesse von Heranwachsenden ber\u00fcck\u00adsichtigen, erm\u00f6glichen es, Heranwachsende in der Entwicklung ihrer F\u00e4higkeiten und Kompetenzen zu begleiten, um gesellschaftliche Verantwortung zu \u00fcbernehmen.<br \/>\nBei der politischen Arbeit im Social Web haben diese Leitlinien weiterhin G\u00fcltigkeit. Gesch\u00e4rft werden m\u00fcssen aber die Kriterien, an denen Projekte der politischen Bildungsarbeit zu messen sind, die sich dieser medialen Werk\u00adzeuge bedienen. Im Sinne der Verwobenheit von On- und Offline-Inter\u00adaktionen in den Sozial\u00adr\u00e4umen werden die Projekte im Folgenden als \u201aPartizipationsprojekte\u2018 bezeich\u00adnet.<br \/>\n<strong>1. Partizipationsprojekte brauchen ein klares Profil.<\/strong><br \/>\nZentral ist f\u00fcr die Bestimmung der Projektziele zun\u00e4chst eine Verortung im Spektrum an Partizipationsformen Mitwirkung, Mitbestimmung und Selbstbestimmung. Dabei muss auch gekl\u00e4rt werden, ob und in welcher Form auf Social Web-Angebote eingegangen wird und ob und wie sie im Rahmen des Projekts eingesetzt werden (\u201elinking to communities for action\u201c oder \u201ebuilding communities for action\u201c).<br \/>\nDer Charakter der eingebundenen medialen Strukturen muss von Anfang an gesch\u00e4rft wer\u00adden, um Klarheit dar\u00fcber zu haben, in welcher Art und Weise Partizipationsr\u00e4ume geschaffen wer\u00adden. Dabei gilt es folgende Fragen zu kl\u00e4ren:<\/p>\n<ul>\n<li>Dienen Medien als Pr\u00e4sentationsfl\u00e4che f\u00fcr bestimmte Aktionen?<\/li>\n<li>Sind sie Werkr\u00e4ume f\u00fcr die Arbeit mit Heranwachsenden, in denen eine diskursive Auseinandersetzung und\/oder die Produktion eigener Werke stattfindet?<\/li>\n<li>Soll die Vernetzung zwischen den Nutzenden im Vordergrund stehen, also der Interaktion zwischen den Beteiligten Raum gegeben werden?<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>2. Partizipationsprojekte m\u00fcssen sich an den Aneignungs- und Handlungsweisen der Einzelnen in ihren Sozialr\u00e4umen orientieren.<\/strong><br \/>\nDas Wissen \u00fcber die Aneignungs- und Handlungsweisen der Einzelnen in ihren Sozialr\u00e4umen ist (weiterhin) Voraussetzung, um Projekte der politischen Bildungsarbeit zu konzipieren und umzusetzen. F\u00fcr Partizipationsprojekte bedeutet dies, sich differenziert mit den anzusprechenden Zielgruppen und ihrem Medienhandeln zu besch\u00e4ftigen.<br \/>\nMedienhandeln erweist sich als sozial strukturiert und ist eng mit kulturellen Milieus und ihren spezifischen Ausdrucksformen, wie z.B. in bestimmten jugend\u00adkulturellen Szenen, verbunden. Umso wichtiger ist eine fundierte Auseinander\u00adsetzung mit der anvi\u00adsierten Zielgruppe und ihren Themen und Interessen sowie den damit verbundenen Motivlagen, den medialen und nicht medialen Interaktions- und Kommunikationsformen in ihren Sozialr\u00e4umen, vor allem im Peer-to-Peer-Kontakt, den von ihnen gew\u00e4hlten produktiven Ausdrucksweisen (z.B. Videos oder Fotos) sowie ihren \u00e4sthetischen Anspr\u00fcchen an die mediale Aufbereitung und Gestaltung von Themen.<br \/>\nDie Verwobenheit von On- und Offline-Interaktionen bedeutet, dass Sozialr\u00e4ume zunehmend \u00fcber Social Web-Angebote, insbesondere Soziale Netzwerkdienste, von den Heranwachsenden struktu\u00adriert werden. Ihre Handlungspraktiken im Alltag sind es, die zun\u00e4chst den Ma\u00dfstab f\u00fcr den Einstieg in politische Bildungsarbeit setzen, um sie in der medialen Artikulation ihrer Interessen und Belange zu unterst\u00fctzen und zu begleiten. Dabei ist insbesondere das Zusammenspiel verschiedener Artikulationsformen (\u00fcber Text, Bild und Ton) als vernetztes Handeln in den Blick zu nehmen.<br \/>\n<strong>3. Partizipationsprojekte m\u00fcssen Resonanzr\u00e4ume schaffen, damit Jugendliche Anerkennung und Wirksamkeit erfahren.<\/strong><br \/>\nDie Artikulation von Interessen und Belangen impliziert deren Ver\u00f6ffentlichung. Sich Geh\u00f6r zu ver\u00adschaffen f\u00fcr seine Anliegen ist aber ein schwieriges Unterfangen, da mit dem Prinzip, dass im Social Web potenziell jede\/r senden und empfangen kann, es auch schwieriger geworden ist, \u00d6ffentlich\u00adkeit(en) anzusprechen und zu erreichen.<br \/>\nDamit ePartizipationsprojekte sich nicht nur mit einem \u201aSo-tun-als-ob\u2018 begn\u00fcgen, bei dem Partizipation auf einer Spielwiese erprobt wird, sondern die Stimmen der Jugendlichen auch geh\u00f6rt werden und sie die Wirksamkeit ihres Handelns erfahren k\u00f6nnen, sind Resonanzr\u00e4ume erforderlich. Diese Resonanzr\u00e4ume m\u00fcssen in Projekten politischer Bildungsarbeit bewusst gestaltet werden, dabei sind insbesondere die Spezifika der Social Web-Angebote, z.B. Feedback-Kan\u00e4le, kooperative Arbeitsweisen etc. in den Blick zu nehmen.<br \/>\nDiese erm\u00f6glichen zum einen Resonanz in Bezug auf das subjektive Kompetenzerleben der Einzelnen, die R\u00fcckmeldung auf ihre Handlungen bekommen. Zum anderen ist aber auch Resonanz \u00fcber das aktive Einbinden von relevanten Teil\u00f6ffentlichkeiten anzustreben, in dem z.B. der Kontakt zu relevanten Entscheidungstr\u00e4\u00adgern oder zu anderen im selben Themenfeld engagierten Gruppierungen on- und offline gesucht wird.<br \/>\nSo kann eine diskursive Auseinandersetzung stattfinden, die \u00fcber den engen Projektkontext hinausreicht und Partizipationserfahrungen in einem (wenn auch medial vermittelten) sozialen Aus\u00adtausch erm\u00f6glicht.<br \/>\n<strong>4. Partizipationsprojekte m\u00fcssen ihre Unterst\u00fctzungsleistungen differenzieren, die sie \u00fcber medial gest\u00fctzte Strukturen anbieten.<\/strong><br \/>\nHeranwachsende erfahren vielf\u00e4ltige Unterst\u00fctzung \u00fcber ihre Peergroup und insbesondere in Sozialen Netzwerkdiensten in Form von sozialer Einbettung, Erleben von Kompetenz und Erfahrung von Autonomie. F\u00fcr Partizipationsprojekte ist es wichtig, Unterst\u00fctzung im Peer-to-Peer-Kontext als auch angeleitete oder mediale Unterst\u00fctzungsangebote zu differenzieren. Dabei ist zu kl\u00e4ren,<\/p>\n<ul>\n<li>in welchen Bereichen Heranwachsende Unterst\u00fctzung erfahren k\u00f6nnen und<\/li>\n<li>in welcher Form Social Web-Strukturen daf\u00fcr herangezogen werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Information, Hilfestellungen und Materialien sind dabei ein wichtiger Bestandteil, um thematische Ankn\u00fcpfungspunkte zu bieten. Zentral ist aber, die Beteiligungsm\u00f6glichkeiten zu differenzieren und je nach Zielstellung des Projekts ihren Einsatz zu \u00fcberlegen. Die Kategorien der Mitwirkung, Mitbe\u00adstimmung und Selbstbestimmung sollten dabei leitend sein.<br \/>\nJe nach Vorerfahrungen brauchen Jugendliche Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner f\u00fcr ihre Fragen. Insbesondere Gleichaltrige werden dabei besonders gesch\u00e4tzt. Dem Ideal der Selbstbestimmung am n\u00e4chsten kommen Projekte, die auf die Expertise unter Gleichaltrigen setzen (Peer-to-Peer-Lernen). Insbesondere jene Jugendlichen, die weniger Erfahrung mit Social Web-Angeboten mitbringen, brauchen gezielte Unter\u00adst\u00fctzungsangebote zu den Zielen des Projekts, zur Erl\u00e4uterung der Handlungs- und Gestaltungsm\u00f6glichkeiten und dazu, wie sie ihre Ansprechpersonen bei Fragen finden k\u00f6nnen.<br \/>\n<strong>5. Partizipationsprojekte m\u00fcssen die Rollen der beteiligten p\u00e4dagogischen Fachkr\u00e4fte reflektieren.<\/strong><br \/>\nPartizipationsprojekte, die in den Strukturen des Social Web durchgef\u00fchrt werden, stellen auch An\u00adforderungen an die p\u00e4dagogischen Fachkr\u00e4fte und ihre Medienkompetenz. Eine Orientierung an der Selbstbestimmung aller Beteiligten eines Projektes impliziert dabei auch, dass die p\u00e4dagogischen Fachkr\u00e4fte bestimmte Aufgaben abgeben oder zumindest arbeitsteilig mit anderen Beteiligten realisieren k\u00f6nnen\/m\u00fcssen.<br \/>\nDies ist insbesondere in zwei Bereichen denkbar bzw. im Sinne der F\u00f6rde\u00adrung von Selbstbestimmung und einer Partizipationskultur geradezu not\u00adwendig: (gegenseitige) Unterst\u00fctzung und Bereitstellen von Information.<br \/>\nUnterst\u00fctzende Angebote sind f\u00fcr Partizipationsprojekte mit Medien unverzichtbar. Im Sinne der Selbstbestimmung w\u00e4re hier als Strategie denkbar, die Heranwachsenden als \u201aMedienexpertinnen und -experten\u2018 einzubeziehen, die ihr Wissen an andere Mitwirkende (ggf. auch an die Fachkr\u00e4fte) weitergeben.<br \/>\nAuch bei der Aufbereitung von Themen und dem Zusammenstellen einer gemeinsamen Informationsgrundlage ist angesichts individualisierter Informationszug\u00e4nge die Einbindung der Beteiligten notwendig, so dass kooperativ und kollektiv relevante Informationsquellen zusam\u00admengestellt und bewertet werden. Aspekte von Medienkompetenz wie Quellenkritik k\u00f6nnen hierbei in der gemeinsamen Bewertung erworben werden, bed\u00fcrfen aber der Unterst\u00fctzung durch p\u00e4dagogische Fachkr\u00e4fte.<br \/>\nHeranwachsenden die Rolle von Expertinnen und Experten zuzuerkennen, hat zur Folge, dass die Fachkr\u00e4fte den Teilnehmenden gr\u00f6\u00dfere Handlungsr\u00e4ume gew\u00e4hren m\u00fcssen. F\u00fcr sie bedeutet bspw. die Abgabe von Souver\u00e4nit\u00e4t \u00fcber die Inhalte einen \u201aKontrollverlust\u2018, der f\u00fcr die beteiligten Heran\u00adwachsenden mehr Selbstbestimmung und damit verbunden auch mehr Verantwortung im p\u00e4dagogi\u00adschen Prozess mit sich bringt.<br \/>\nDiese Ver\u00e4nderung der Rollen im p\u00e4dagogischen Prozess kann das Projekt an sich \u201ademokratisieren\u2018 und erm\u00f6glicht zugleich vielf\u00e4ltige Lernprozesse im Hinblick auf Autonomieerfahrungen und Selbstwirksamkeit als wichtige Bedingungen f\u00fcr Teilhabeinteresse und Teilhabef\u00e4higkeiten. Dies impliziert allerdings auch, Ressourcen bereitzustellen, mit denen haftungs\u00adrechtliche Fragen gel\u00f6st werden k\u00f6nnen (z.B. regelm\u00e4\u00dfiges \u201aScreening\u2018 der Inhalte).<br \/>\n<a name=\"FN1\"><\/a><small><sup>1<\/sup> Schmidt, Manfred G. (2008): Demokratietheorien. Eine Einf\u00fchrung. 4. \u00fcberarbeitete und erweiterte Auflage. Wiesbaden: VS Verlag f\u00fcr Sozialwissenschaften. S. 236.<br \/>\n<a name=\"FN2\"><\/a><sup>2<\/sup> Vgl. z.B. Knauer, Raingard; Sturzenhecker, Benedikt (2005): Partizipation im Jugendalter. In: Hafeneger, Benno; Jansen, Mechthild M.; Niebling, Torsten (Hg.): Kinder- und Jugendpartizipation: Im Spannungsfeld von Interessen und Akteuren. Opladen: Leske + Budrich, S. 63\u201394.<br \/>\n<a name=\"FN3\"><\/a><sup>3<\/sup> Sturzenhecker, Benedikt (2007): \u201ePolitikferne\u201c Jugendliche in der Kinder- und Jugendarbeit. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, H. 32-33, S. 9.<br \/>\n<a name=\"F41\"><\/a><sup>4<\/sup> Dieser Begriff ist auch im Sozialgesetzbuch VIII als Ziel von Jugendarbeit verankert (Sturzenhecker 2007, S. 9).<\/small><br \/>\n<strong><small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" title=\"CC-BY-NC-ND 3.0\" src=\"http:\/\/i.creativecommons.org\/l\/by-nc-nd\/3.0\/88x31.png\" alt=\"\" width=\"110\" height=\"39\" \/>Dieser Artikel steht unter der <a title=\"zu den Lizenzbestimmungen auf creativecommons.org\" href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nc-nd\/3.0\/de\/\">CC-by-nc-nd 3.0 Lizenz.<\/a><em>\u00a0<\/em> Sie d\u00fcrfen den Text unbearbeitet und unter unter Nennung der Quelle (pb21) f\u00fcr nicht kommerzielle Zwecke weiterverbreiten.<\/small><\/strong><br \/>\nZitation: Wagner, Ulrike \/ Gerlicher, Peter \/ Br\u00fcggen, Niels (2011): Partizipation im und mit dem Social Web &#8212; Herausforderungen f\u00fcr die politische Bildung. Expertise f\u00fcr die Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung. M\u00fcnchen: JFF &#8212; Institut f\u00fcr Medienp\u00e4dagogik in Forschung und Praxis.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf pb21 &#8212; einem Webangebot zur politischen Bildung im Web 2.0 der Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung in Kooperation mit dem Bildungswerk des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) &#8212; wurde zu Beginn dieses Jahres die sehr lesenswerte\u00a0 Zusammenfassung einer Expertise zur Partizipation im und mit dem Social Web von Ulrike Wagner, Peter Gerlicher und Niels Br\u00fcggen ver\u00f6ffentlicht. 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