{"id":1927,"date":"2012-06-11T12:59:36","date_gmt":"2012-06-11T12:59:36","guid":{"rendered":"https:\/\/hannes-jaehnert.de\/wordpress\/?p=1927"},"modified":"2012-06-11T12:59:36","modified_gmt":"2012-06-11T12:59:36","slug":"zukunft-des-freiwilligen-engagements-teil-4-zwei-zukunftsszenarien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hannes-jaehnert.de\/wordpress\/2012\/06\/11\/zukunft-des-freiwilligen-engagements-teil-4-zwei-zukunftsszenarien\/","title":{"rendered":"Zukunft des freiwilligen Engagements Teil 4: zwei Zukunftsszenarien"},"content":{"rendered":"<p>Hier nun der letzte Teil meiner Reihe zur Zukunft des freiwilligen Engagements &#8212; vorerst. Ich hatte in den letzten Teilen dargestellt, in welchen Rahmenbedingungen freiwilliges Engagement (nicht erst in Zukunft) gestaltet werden muss. <a title=\"Zukunft des freiwilligen Engagements, der Reihe erster Teil zu &quot;Beschleunigung&quot;\" href=\"https:\/\/hannes-jaehnert.de\/wordpress\/2012\/05\/15\/die-zukunft-des-freiwilligen-engagements-teil-1-%E2%80%9Ebeschleunigung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">These #1<\/a> lautete, <em>sich freiwillig zu engagieren muss wie Fernsehen, eine Aktivit\u00e4t friktionsloser Kurzweil, werden. <\/em><a title=\"Zukunft des freiwilligen Engagements, der Reihe zweiter Teil zu &quot;kostenlosem Engagement&quot;\" href=\"https:\/\/hannes-jaehnert.de\/wordpress\/2012\/05\/24\/die-zukunft-des-freiwilligen-engagements-teil-2-%E2%80%9Ekostenloses-engagement\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">These #2<\/a> lautete, <em>Engagementf\u00f6rderung besteht nicht (nur) darin, abstrakte Versprechungen vom Ehrenamt zu vermarkten, sondern darin, den Return on Engagement erlebbar zu machen. <\/em>Und die implizite <a title=\"Zukunft des freiwilligen Engagements, der Reihe dritter Teil zu &quot;Return on Engagement&quot;\" href=\"https:\/\/hannes-jaehnert.de\/wordpress\/2012\/06\/01\/zukunft-des-freiwilligen-engagements-teil-3-%E2%80%9Eder-return-on-engagement\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">These #3<\/a> lautete, <em>die ganze Sache k\u00f6nnte zwar engagementf\u00f6rderlich &#8212; sprich \u201aerfolgreich\u2018 &#8212; sein, k\u00f6nnte aber auch ziemlich in die Hose gehen &#8212; ich hatte gar vom \u201eEnde des Ehrenamts\u201c geschrieben. <\/em><br \/>\nNun ist es freilich eine verzwickte Angelegenheit, sich mit der Zukunft zu besch\u00e4ftigen. Viel zu oft f\u00e4llt man dabei auf das eigene Wunschdenken herein. Zu einfach ist es, sich \u201apassende\u2018 empirische Befunde zusammen zu suchen und daraus &#8216;Trends&#8217; abzuleiten. Ein Beispiel: Nach der zweiten Welle des Freiwilligensurveys war in der Engagmentszene die Ansicht noch weit verbreitet, die Engagementf\u00f6rderung in Deutschland w\u00e4re wirklich so erfolgreich, dass sie die bundesdeutsche Engagementquote peu a peu anheben k\u00f6nnte &#8212; keine gro\u00dfen Spr\u00fcnge aber solide Schritte. Nach der dritten Welle haben viele gemerkt, dass dem nicht so ist; viel eher stagniert die Engagementquote und wir m\u00fcssen nach neuen Wegen zum freiwilligen Engagement suchen.<br \/>\nUm nun nicht erneut auf mein Wunschdenken hereinzufallen &#8212; auch ich war vom Erfolg der Engagementf\u00f6rderung mehr oder weniger \u00fcberzeugt &#8212; will ich einen kleinen Kniff versuchen, den ich aus der Betriebswirtschaftslehre bzw. der Managementlehre oder noch genauer einer Vorlesung zu strategischer Planung kenne: die <a title=\"Wikipediaartikel zum Lemma Szenariotechnik\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Szenariotechnik\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Szenariotechnik<\/a>. Grunds\u00e4tzlich geht es dabei um den gedankenexperimentellen Entwurf zweier Zukunftsszenarien: einem <em>best case <\/em>und einem <em>worst case szenario. <\/em>Wie gesagt, es ist recht einfach, eine vorgestellte Zukunft zu beschreiben; die Vorstellung formt den Text. Nimmt man sich nun vor, ein grelles Positivszenario und ein d\u00fcsteres Negativszenario zu entwerfen, bekommt man genau das: Zwei Extreme zwischen denen <em>irgendwo <\/em>die wahrscheinliche Zukunft liegt.<\/p>\n<h1>Online- und Micro-Volunteering: die Flugzeuglandung<\/h1>\n<p>Das positive Zukunftsszenario der Engagementf\u00f6rderung mit <em>situativ passgenauen Engagements<\/em>, die den <em>Return on Engagement erlebbar<\/em> machen, habe ich mit dem Bild der Flugzeuglandung beschrieben. Hier waren die Freiwilligen jene, die Flugzeugen gleich, losgel\u00f6st von fester Struktur <em>in der Zeit<\/em> sind und sich je nach Situation zur Kontaktaufnahme mit der Au\u00dfenwelt \u201averf\u00fchren\u2018 lassen. Sie unterhalten sich per Funk mit anderen Pilotinnen und Piloten und steuern regelm\u00e4\u00dfig unterschiedliche Flugh\u00e4fen an &#8212; Unternehmen, f\u00fcr die sie arbeiten, Familienstrukturen, in die sie eingebettet sind, (Aus-)Bildungsst\u00e4tten, in denen sie sich qualifizieren (m\u00fcssen). Neben diesen <em>Basisinstitutionen<\/em> moderner Gesellschaften (Erwerbsarbeit, Familie und Bildung) stehen an der Peripherie des modernen Lebensvollzuges allerdings noch weitere Flugh\u00e4fen zur Auswahl &#8212; z.B. der Fitnessclub um die Ecke, kulturelle Angebote in der Region und Freiwilligenorganisationen mit \u201aguten Zwecken\u2018.<br \/>\nW\u00e4hrend die \u201aLandungen\u2018 an der Arbeitsstelle, der Familie oder Bildungsinstitutionen mehr oder minder unausweichlich sind (deshalb <em>Basisinstitutionen<\/em>), stellen die anderen <em>M\u00f6glichkeiten der individuellen Gestaltung frei zur Verf\u00fcgung stehender Zeit<\/em> dar, die prinzipiell frei gew\u00e4hlt und insofern gegeneinander abgew\u00e4gt werden m\u00fcssen. <a title=\"Zukunft des freiwilligen Engagements, der Reihe zweiter Teil zu &quot;kostenlosem Engagement&quot;\" href=\"https:\/\/hannes-jaehnert.de\/wordpress\/2012\/05\/24\/die-zukunft-des-freiwilligen-engagements-teil-2-%E2%80%9Ekostenloses-engagement\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wie gezeigt<\/a>, spielt bei dieser Abw\u00e4gung neben der grunds\u00e4tzlichen Wahrnehmung der Option (a) der erwartete Return und (b) die Einsch\u00e4tzung der Realisierbarkeit des jeweiligen Engagements eine Rolle; Abw\u00e4gungen, die zumeist auf der Basis vereinfachender Heuristiken getroffen werden und damit \u201avon au\u00dfen betrachtet\u2018 nicht unbedingt rational erscheinen (stark verk\u00fcrzt: <em>Fernsehen statt Ehrenamt<\/em>).<br \/>\nDer erste Schritt dieser Landung an Flugh\u00e4fen der gesellschaftlichen Peripherie besteht nun in der Kontaktaufnahme des Towers mit dem Piloten bzw. der Pilotin. Ganz allgemein kann das Bild dieser Kontaktaufnahme unter das Marketing bzw. die \u00d6ffentlichkeits- und Pressearbeit einer Organisation subsumiert werden, wobei allerdings daran zu erinnern ist, dass die Kultur des Social Webs andere Formen der Ansprache n\u00f6tig macht, als sie in fr\u00fcheren Tagen noch Gang und G\u00e4be waren (<a title=\"Hannes J\u00e4hnert -- Vom Flyer zu Facebook &amp; Co. (PDF)\" href=\"https:\/\/hannes-jaehnert.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011-10-31_Vom_Flyer_zu_Facebook.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Vom Flyer zu Facebook &amp; Co.<\/a>). Mit der Ansprache wird die erste Determinante der Entscheidung f\u00fcr ein freiwilliges Engagement anvisiert: die Wahrnehmung des Engagements als Handlungsoption.<br \/>\nDer zweite Schritt kann erst nach dem <em>Engagement<\/em> des Piloten bzw. der Pilotin, \u00fcberhaupt auf die Ansprache zu antworten &#8212; sprich, Anschlusskommunikation m\u00f6glich zu machen &#8212; gegangen werden. An dieser Stelle folgt nun die Offerte der Freiwilligenorganisation, ein friktionsloses Micro-Engagement \u201adazwischen zu schieben\u2018, das mit einem <em>konkreten Return-Versprechen<\/em> verbunden wird (vll. \u201eWenn du uns an dieser oder jener Stelle hilfst, kommen wir mit unserem sozialen Projekt weiter\u201c). Das Versprechen des guten Gef\u00fchls,<em> <\/em>jemandem mit seinen F\u00e4higkeiten geholfen oder auch &#8216;nur&#8217; etwas dazu gelernt zu haben, bleibt f\u00fcr die Freiwilligen allerdings solange substanzlos, bis er (oder sie) es tats\u00e4chlich selbst erlebt und auch als solches erinnert. Nur die Erinnerung des Return on Engagement kann schlie\u00dflich dazu f\u00fchren, sich auch wieder zu engagieren &#8212; das n\u00e4chste Mal vielleicht etwas l\u00e4nger, in einem Team, auf schon geringerer Flugh\u00f6he, schlie\u00dflich steter in Form traditioneller Strukturen freiwilligen Engagements (Landung) und letztendlich (angekommen im Hangar) als ehrenamtliche F\u00fchrungs- und Leitungspers\u00f6nlichkeit.<br \/>\nDer entscheidende Punkt bei diesem positiven Szenario der Engagementf\u00f6rderung ist das Erinnern des <em>guten Gef\u00fchls des \u201agiving back\u2018<\/em>, das durch die direkte Beziehung zwischen Organisation und Freiwilligen entsteht. An eben dieser Stelle wiederspricht das Szenario den Forschungsergebnissen Hartmut Rosas, der schlie\u00dflich konstatiert, die Postmoderne w\u00fcrde durch die Kurz-Kurz-Muster der Erinnerung <em>so erlebnisreich wie erfahrungsarm<\/em>. W\u00e4re dem n\u00e4mlich so, w\u00fcrden Micro-Volunteers zwar ihren pers\u00f6nlichen Return on Engagement erleben, aber eben &#8212; wenn \u00fcberhaupt &#8212; nur als kurzes Schlaglicht und nicht als wirklich positive Erfahrung erinnern. Hier setzt das, Rosa zufolge wahrscheinlichere, Negativszenario an.<\/p>\n<h1>Crowdsourcing: der ewige Blindflug<\/h1>\n<p>Mithin wird das Online- und Micro-Volunteering sowohl im angels\u00e4chsischen Sprachraum als auch hierzulande unter dem Schlagwort <a title=\"Wikipediaartikel zum Lemma Crowdsourcing\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Crowdsourcing\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eCrowdsourcing\u201c<\/a> lanciert. Der zentrale Gedanke dabei ist, aus der Crowd &#8212; wenn man es \u00fcberspitzt ausdr\u00fccken will, der gesichtslosen Masse &#8212; Ressourcen f\u00fcr die Erreichung eigener Ziele zu akquirieren. F\u00fcr die Veranschaulichung dieser Verhei\u00dfung werden zumeist prominente Beispiele wie die Online-Enzyklop\u00e4die Wikipedia, die Wheelmap der Berliner SOZIALHELDEN oder das Projekt reCAPTCHA herangezogen. Dass<em> \u201eMicro-Volunteers\u201c<\/em> damit z.T. unfreiwillig unbezahlte Arbeit f\u00fcr Wirtschaftsunternehmen leisten, denen sie sonst vielleicht eher kritisch gegen\u00fcber stehen, wird dabei gern unter den Teppich gekehrt (man denke hier an die<em> \u201eVolunteers\u201c<\/em>, die Facebook \u00fcbersetzen oder jene, die die Datenbanken von Google mit OCR-untauglichen Informationen f\u00fcllen).<br \/>\nZwar gilt es bei Crowdsourcing-Projekten prinzipiell zwischen denen zu unterscheiden, die eine Verbindung der \u201eCrowd\u201c mit dem jeweiligen Zweck des Projektes herstellen (Wikipedia oder Wheelmap) und jenen, die das nicht tun (reCAPTCHA, Duolingo, Microtask usw.), doch kann f\u00fcr beide gleicherma\u00dfen gelten, dass ein Mehr an Commitment damit nicht anvisiert wird. Vielmehr werden zwei unterschiedliche Gesellschaftssph\u00e4ren <em>konstruiert<\/em> &#8212; n\u00e4mlich jene der Engagierten, die wissen, was getan werden muss und jene der Individualisten, die die Zielereichung m\u00f6glich machen sollen &#8211;, die allein \u00fcber die Mobilmachung, also das Marketing, aneinander gekoppelt sind. Abseits des eklatanten Demokratiedefizits (nicht gew\u00e4hlte \u201aEliten\u2018 meinen zu wissen, was getan werden muss) ist diese Vorstellung auch f\u00fcr die Engagementf\u00f6rderung problematisch. Dazu hier der Versuch, das Crowdsourcing in das Bild des Flugverkehrs zu integrieren:<br \/>\nEs kann weiterhin gelten, dass die Individuen der Crowd, Flugzeugen gleich, losgel\u00f6st von fester Struktur <em>in der Zeit <\/em>sind und zwischen den gesellschaftlichen Basisinstitutionen hin und her pendeln. Wie gesagt, die \u201aLandung\u2018 im Erwerbsleben, den Familienstrukturen bzw. den gesellschaftlichen Institutionen der (Aus-)Bildung bleibt auch in der Postmoderne mehr oder minder unausweichlich. Flugh\u00e4fen an der gesellschaftlichen Peripherie allerdings werden nur noch gelegentlich angesteuert; n\u00e4mlich dann, wenn sich der jeweilige Pilot bzw. die jeweilige Pilotin zu einem <em>Ausflug<\/em> zum Sportstudio um die Ecke oder zu kulturellen Angebote in der Region verleiten l\u00e4sst. Mitgliedschaften ohne Vertragsbindung und Grundgeb\u00fchr, Drive-In-Angebote unterschiedlichster Couleur wie auch Produkte und Dienstleistungen \u201ato go\u2018 m\u00fcssen in diesem Bild immer weitere Verbreitung finden, weil sich der individualisierte &#8212; auf \u201aflexicurity\u2018 angewiesene &#8212; Mensch in der Postmoderne sonst nicht mehr erreichen l\u00e4sst. Von einer echten Landung <em>irgendwo <\/em>auf Flugh\u00e4fen der gesellschaftlichen Peripherie kann hier gar nicht mehr gesprochen werden, weil die Pilotinnen und Piloten immer nur kurz aufsetzen, um dann gleich wieder durch zu starten.<br \/>\nUnd auch die Freiwilligenorganisationen mit guten Zwecken tauchen in diesem Bild nur noch auf, wenn auch sie Dienstleistungen (Kinderbetreuung, Sport- und Kultur, Notrettung, Pflegedienste usw.) anbieten und zwar auf die gleiche Weise wie auch alle anderen: Ohne Vertragsbindung und wenn m\u00f6glich \u201ato go\u2018. Das Commitment potentieller Freiwilliger wird hier nicht mehr forciert, schlie\u00dflich muss in diesem Bild davon ausgegangen werden, dass der postmoderne Mensch ohnehin keine positiven Erfahrungen damit macht. An die Stelle der Commitment-F\u00f6rderung tritt der Versuch, die Bewegungen der Crowd (vll. auch nur die Abw\u00e4rme der Motoren) f\u00fcr den Betrieb eigener Projekte zu nutzen. Daf\u00fcr k\u00f6nnten die Pilotinnen und Piloten vielleicht darum gebeten werden, kleine Windr\u00e4der auf den D\u00e4chern ihrer Flugzeuge zu montieren und so mit minimalen Friktionskosten \u201egr\u00fcnen Strom\u201c zu erzeugen. Oder sie montieren sich hochaufl\u00f6sende Kameras an die Unterseite ihrer Maschinen, um somit eine Echtzeit-Karte der Erdoberfl\u00e4che zu erstellen. Vielleicht wird auch der Funkverkehr k\u00fcnftig nicht mehr peer-to-peer, sondern \u00fcber die Bande einer Heerschar von Dolmetsching-Sch\u00fclern laufen, sodass die Kommunikation in Echtzeit \u00fcbersetzt und jedermann zug\u00e4nglich wird.<br \/>\nPrinzipiell r\u00fcckt die Organisation von Zivilgesellschaft als <em>\u00f6ffentliche Veranstaltung<\/em> in diesem Bild hinter die pragmatische Erreichung <em>gesetzter<\/em> Ziele zur\u00fcck, wobei unterschiedliche Marketing- und Motivationsstrategien zum Einsatz kommen, die die Individuen der Crowd zum Arbeiten verleiten sollen. Neben moralisierenden \u00dcberzeugungsstrategien, die ein\u00a0 ausgemachtes Problem m\u00f6glichst dicht an die (\u201adie einzige\u2018) L\u00f6sung r\u00fccken, wird zunehmend auch die <a href=\"https:\/\/hannes-jaehnert.de\/wordpress\/2012\/06\/05\/das-gaaanze-leben-ist-ein-spiiiel-und-wir-sind-nur-die-kan-di-da-ten\/\">Gamification &#8212; also die Verbindung mit Kurzweil und Flow versprechenden spielerischen Elementen &#8212; mit dem Crowdsourcing<\/a> verkn\u00fcpft. Da somit der Zweck des Engagements von der eigentlichen Arbeit entkoppelt wird, gestaltet sich eine so entworfene Zivilgesellschaft so undemokratisch wie blind f\u00fcr die tats\u00e4chlichen Probleme, die sich in den allt\u00e4glichen Lebensbereichen der Menschen finden. Mit Hartmut Rosa w\u00e4re im Anschluss an Max Weber sogar zu konstatieren, dass wir es hier mit einem neuen <em>stahlharten Geh\u00e4use <\/em>zu tun h\u00e4tten, in dem die pragmatisch-rationale Arbeitsteilung soweit ausdifferenziert wird, dass jede T\u00e4tigkeit ihren Sinn in sich verliert und dementsprechend kaum noch mit dem eigenen Leben in Verbindung gebracht werden kann. Im Endeffekt wiederum: <a href=\"https:\/\/hannes-jaehnert.de\/wordpress\/2012\/06\/03\/beschleunigung-bis-zum-rasenden-stillstand\/\">Beschleunigung bis zum rasenden Stillstand<\/a>.<\/p>\n<h1>Fazit<\/h1>\n<p>Es mag sein, dass sich engagierte Unterst\u00fctzerinnen und Unterst\u00fctzer des Crowdsourcings dem Bild des ewigen Blindflugs nicht anschlie\u00dfen m\u00f6chten. Schlie\u00dflich &#8212; so k\u00f6nnte ihr Argument lauten &#8212; darf dem postmodernen Menschen ein gewisser Durchblick unterstellt werden, der ihm oder ihr die Entscheidung offen l\u00e4sst, sich von dem einen oder anderen Projekt <em>vercrowden <\/em>zu lassen. Ignoriert man die Tatsache voranschreitender Ausdifferenzierung und Komplexit\u00e4tssteigerung, mag das zumindest bei jenen Projekten, die eine Verbindung zwischen dem Anliegen (dem ausgemachten Problem) und der Arbeit der Crowd herzustellen versuchen auch stimmen, doch scheinen mir diese Projekte rar ges\u00e4t. Viel h\u00e4ufiger sind Crowdsourcing-Aktionen, die mit moralischen \u00dcberzeugungsstrategien ansetzen oder die Arbeit v\u00f6llig von ihrem eigentlichen Zweck entkoppeln. Bei ersteren stellt sich zumindest die demokratietheoretische Frage, wer den eigentlich entscheiden (und vermarkten) soll, was moralisch verwerflich ist und was nicht, bei zweiterer l\u00e4sst sich dar\u00fcber hinaus noch Fragen, ob solcherlei Engagements nicht vielleicht sogar psychische Sch\u00e4den (insb. Depressionen) provozieren.<br \/>\nUm es an dieser Stelle deutlich zu sagen: Ich bin kein Gegner gesellschaftlicher Beschleunigung. Ich glaube nicht, dass Reservate der Entschleunigung \u00f6ffentlich finanziert werden m\u00fcssen, um<em> m\u00fcde Gewordenen<\/em> eine Zuflucht zu bieten. Ich meine aber, dass gesellschaftliche Beschleunigung gestaltet werden kann und sollte. Insbesondere die Desychronisationserscheinungen zwischen den Subsystemen moderner Gesellschaften provozieren Exklusion, die zumindest dem Wording nach mit den<em> Digital Natives <\/em>(den Beschleunigten), den <em>Digital Immigrants <\/em>(den Beschleunigern) und den <em>Digital Outsiders<\/em> (den Beschleunigunsm\u00fcden) treffend beschrieben sind; eine Exklusion, die einer Gesellschaft teuer zu stehen kommt, wenn sie weiterhin dem Wachstumsprimat der globalisierten \u00d6konomie folgen will\/muss\/soll.<br \/>\nWas nun die <em>wahrscheinliche Zukunft des freiwilligen Engagements <\/em>anbelangt, bleibt festzuhalten, dass sie <em>irgendwo<\/em> zwischen den beiden entworfenen Extremen liegen wird. Allerdings sehe ich mehr empirische Evidenzen f\u00fcr den \u201eBlindflug\u201c als f\u00fcr die \u201eFlugzeuglandung\u201c. Kurzfristig wird Crowdsourcing einigen (bei weitem nicht der Mehrzahl) zivilgesellschaftlichen und profitorientierten Unternehmungen mehr R\u00fccklauf einbringen, langfristig aber wird diese Strategie immer exklusiver (Jene, die erfolgreich sind, werden immer mehr Erfolg haben als andere &#8212; Matth\u00e4useffekt), bis schlie\u00dflich einige <em>ungew\u00e4hlte <\/em>Eliten ihre Vorstellung \u201aeiner besseren Welt\u2018 durchsetzen. Welche Problemlagen sich dann tats\u00e4chlich in den privaten Lebensbereichen finden, ist f\u00fcr diese Eliten relativ unerheblich &#8212; wichtig ist vielmehr, ob sich das jeweilige Anliegen <em>vermarkten <\/em>l\u00e4sst, was wiederum dazu f\u00fchren d\u00fcrfte, dass immer versucht wird noch einen Schritt weiter zu gehen.<br \/>\nF\u00fcr mich ist das keine w\u00fcnschbare Zukunft. Dennoch bleibt der Auftrag, gesellschaftliche Entwicklung &#8212; meint Beschleunigung &#8212; zu gestalten. Wir werden <em>gemeinsam <\/em>Wege suchen m\u00fcssen, wie gute Erfahrungen &#8212; oder Erfahrungen \u00fcberhaupt &#8212; mit zunehmender Individualisierung (\u201elosgel\u00f6st von fester Struktur <em>in der Zeit <\/em>sein) und steigender Mobilit\u00e4t (st\u00e4ndiges <em>Durchstarten<\/em>) noch m\u00f6glich gemacht werden k\u00f6nnen. Auf eure Ideen, Kritikpunkte und Anregungen bin ich sehr gespannt.<br \/>\nPS: Das Video zum auf der Berliner SocialBar <em>gefreestylten <\/em>Vortrag <em>&#8220;Neues Freiwilligenengagement&#8221; <\/em>reiche ich sobald als m\u00f6glich nach.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hier nun der letzte Teil meiner Reihe zur Zukunft des freiwilligen Engagements &#8212; vorerst. Ich hatte in den letzten Teilen dargestellt, in welchen Rahmenbedingungen freiwilliges Engagement (nicht erst in Zukunft) gestaltet werden muss. 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