{"id":2003,"date":"2012-09-02T10:53:05","date_gmt":"2012-09-02T10:53:05","guid":{"rendered":"https:\/\/hannes-jaehnert.de\/wordpress\/?p=2003"},"modified":"2012-09-02T10:53:05","modified_gmt":"2012-09-02T10:53:05","slug":"erster-engagementbericht-der-bundesregierung-corporate-citizenship-in-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hannes-jaehnert.de\/wordpress\/2012\/09\/02\/erster-engagementbericht-der-bundesregierung-corporate-citizenship-in-deutschland\/","title":{"rendered":"Erster Engagementbericht der Bundesregierung \u2013 Corporate Citizenship in Deutschland"},"content":{"rendered":"<p>Am 22. August stellte Bundesfamilienministerin Schr\u00f6der den <a title=\"Bekanntgabe der Ver\u00f6ffentlichung des ersten Engagementberichtes auf der Webseite des BMFSFJ\" href=\"http:\/\/www.bmfsfj.de\/RedaktionBMFSFJ\/Engagement\/Pdf-Anlagen\/engagementbericht-langfassung,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ersten Engagementbericht der Bundesregierung<\/a> vor. Die Erstellung dieses Berichtes geht auf den Antrag der Fraktionen CDU\/CSU und SPD vom 28. Januar 2009 zur\u00fcck, die seinerzeit die gro\u00dfe Koalition bildeten. Der Antrag wurde am 19. M\u00e4rz 2009 als Auftrag des Bundestages an die Bundesregierung beschlossen. Der <a title=\"Volltext Beschluss des Bundestages\" href=\"http:\/\/www.engagement-bericht.de\/auftrag_beschluss.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">konkrete Auftrag<\/a> lautete:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf, in dieser Legislaturperiode die Voraussetzungen zu schaffen, dass k\u00fcnftig pro Legislaturperiode ein wissenschaftlicher Bericht einer jeweils neu einzusetzenden Sachverst\u00e4ndigenkommission mit Stellungnahme der Bundesregierung vorgelegt wird, der auf Schwerpunkte konzentriert die Entwicklung des b\u00fcrgerschaftlichen Engagements darstellt. Dabei soll der Stand der Engagementpolitik einschlie\u00dflich der politischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen des b\u00fcrgerschaftlichen Engagements in Deutschland ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Die so geforderten Engagementberichte der kommenden Bundesregierungen werden demnach erst nach Erscheinen des dritten Berichts &#8212; wenn es keine Zwischenf\u00e4lle gibt &#8212; in 12 Jahren tats\u00e4chlich Ergebnisse liefern k\u00f6nnen, sollen sie doch, dem Auftrag gem\u00e4\u00df \u00fcber die Ist-St\u00e4nde hinaus die Entwicklungen im b\u00fcrgerschaftlichen Engagement darstellen. Dennoch lohnt sich ein Blick auf den aktuellen Engagementbericht, der in seiner Vollversion mehr als 1.300 Seiten umfasst. Nach dem viel kritisierten Beschluss der <a title=\"Nationale Engagementstrategie der Bundesregierung (PDF)\" href=\"http:\/\/www.bmi.bund.de\/SharedDocs\/Downloads\/DE\/Themen\/Politik_Gesellschaft\/GeselZusammenhalt\/engagementstrategie.pdf?__blob=publicationFile\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nationalen Engagementstrategie der Bundesregierung vom 10. Oktober 2010<\/a> kann der Bericht schlie\u00dflich auch als erste Evaluation der dort angedachten Ma\u00dfnahmen gelesen werden.<\/p>\n<h1 style=\"text-align: left;\">Zwei kritische Punkte der Nationalen Engagementstrategie<\/h1>\n<p>In der Nationalen Engagementstrategie spielt das \u201ab\u00fcrgerschaftliche Engagement\u2018 von Unternehmen (Corporate Citizenship) eine nicht unwesentliche Rolle. Unternehmen, so hei\u00dft es, <em>\u201eleisten mit ihrem Engagement, das auch mit strategischen Interessen verbunden wird, wertvolle Beitr\u00e4ge f\u00fcr das Gemeinwohl\u201c <\/em>(Nationale Engagementstrategie 2010: 4). Deshalb wurde seinerzeit die F\u00f6rderung der Zusammenarbeit zwischen Staat, Markt und Zivilgesellschaft &#8212; genauer gesagt Stiftungen &#8212; als ein zentrales Element der Strategie benannt. Nicht zu Unrecht kritisierte dies Berit Sandberg. Die Professorin f\u00fcr Public- und Nonprofit-Management der HTW Berlin schrieb im Juni 2011 <a title=\"Beitrag von Berit Sandberg zu Stiftungen in der Nationalen Engagementstrategie (PDF)\" href=\"http:\/\/library.fes.de\/pdf-files\/kug\/08287.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">in <em>betrifft B\u00fcrgergesellschaft<\/em><\/a>, die Bedeutung von Stiftungen in der Zivilgesellschaft (insb. in der Engagementf\u00f6rderung) sowie ihr demokratisches Innovationspotental w\u00fcrden in der Nationalen Engagementstrategie der Bundesregierung weitgehend \u00fcberbewertet. Mit der \u201e<em>Quangoisierung des Stiftungswesens<\/em>\u201c, so Sandberg im <a title=\"Webseite des Forschungsjournals Neue soziale Bewegung\" href=\"http:\/\/www.fjnsb.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Forschungsjournal Soziale Bewegung<\/a> (3\/2011), w\u00fcrde die Bundesregierung in ihrer Engagementpolitik nicht mehr dem Leitbild des aktivierenden Staates folgen, der keine Allzust\u00e4ndigkeit f\u00fcr die L\u00f6sung gesellschaftlicher Probleme beanspruchen kann und soll. Vielmehr f\u00e4llt die amtierende Bundesregierung \u201e<em>in die Haltung eines intervenierenden aktiven Staates zur\u00fcck, ohne dessen autoritativ-paternalistische F\u00fcrsorge das Engagement von B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern nicht denkbar ist\u201c <\/em>(ebd. 94). <em>\u00a0<\/em><br \/>\nTats\u00e4chlich werden im Abschnitt II des Kapitels zur \u201e<em>F\u00f6rderung der Zusammenarbeit von Staat, Wirtschaft und Stiftungen f\u00fcr mehr Engagement und Innovation\u201c<\/em> aber Unternehmen als potentielle Erm\u00f6glicher des freiwilligen Engagements ihrer Mitarbeitenden ausgemacht, auf die die Bundesregierung einwirken will. Es wird behauptet, dass es bereits eine ganze Reihe von Firmen gibt, die ihre Mitarbeitenden zwei, drei Tage im Jahr f\u00fcr ihr Engagement oder Ehrenamt freistellen, was \u201e<em>langfristig gesehen [\u2026] auch Investitionen in die soziale Infrastruktur\u201c <\/em>darstellt (Nationale Engagementstrategie 2010: 62). Inwieweit diese Investitionen aber sinnvoll sein sollen &#8212; meint inwiefern daf\u00fcr Anreize gegeben werden k\u00f6nnen &#8212; bleibt weitestgehend im Dunkeln und wird auch nicht weiter er\u00f6rtert. Stattdessen setzt die Bundesregierung auf die Forderung an Unternehmen, mehr Arbeitszeitflexibilisierung und Zeitsouver\u00e4nit\u00e4t der Mitarbeitenden zu schaffen, um deren freiwilliges Engagement zu erm\u00f6glichen. Doch auch diese \u00dcberlegung blieb nicht ohne Widerworte. So hie\u00df es im ersten Kurzbericht der von der TU-Dortmund durchgef\u00fchrten Besch\u00e4ftigtenbefragung zu Erwerbsarbeit und Ehrenamt zwar:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: left;\">Die [engagementf\u00f6rderlichen; Anm. H.J.] zeitlichen Dispositionsspielr\u00e4ume werden nicht durch Arbeitszeitflexibilisierung schlechthin aufgebaut, sondern durch eine mit Arbeitszeitkonten eindeutig beschreibbare spezifische Form der Arbeitszeitflexibilisierung, die in den letzten Jahren kontinuierlich ausgebaut und f\u00fcr die \u00fcberwiegende Mehrheit der darin involvierten Besch\u00e4ftigten gut geregelt wurde. Es ist diese spezielle Form von &#8216;regulierter Flexibilit\u00e4t&#8217;, die ehrenamtliches Engagement bef\u00f6rdert und f\u00fcr den Zuwachs in den letzen 12 Jahren mitverantwortlich sein d\u00fcrfte (Br\u00e4me et al. 2011: 13f.).<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Eben diese <em>\u201eregulierte Flexibilit\u00e4t<\/em>\u201c ist allerdings eher unter qualifizierten und hochqualifizierten Mitarbeitenden verbreitet, die sich ohnehin \u00f6fter freiwillig Engagieren als andere und zwar unabh\u00e4ngig von der Wochenarbeitszeit. Unternehmen also als Vehikel zur Mobilisierung freiwilligen Engagements ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu adressieren, hilft &#8212; wenn \u00fcberhaupt &#8212; nur dort, wo freiwilliges Engagement ohnehin schon weit verbreitet ist.<br \/>\nAuch scheint der Appell an die Unternehmen selbst, sich \u201ab\u00fcrgerschaftlich\u2018 zu engagieren nicht wirklich zu fruchten. Das zumindest zeigt der erste Engagementbericht. In der Zusammenfassung, wie auch den entsprechenden Pressemitteilungen findet sich recht prominent platziert &#8212; bspw. im Vorwort zur Zusammenfassung &#8212; die Aussage, Unternehmen w\u00fcrden in Deutschland sch\u00e4tzungsweise 11 Mrd. Euro in ihr gesellschaftliches Engagement investieren. Das ist zun\u00e4chst eine beeindruckende Zahl, schaut man sich aber an, aus welchen \u201aInvestitionen\u2019 sich diese 11 Mrd. Euro zusammensetzen, braucht man schon einige Phantasie, um hier noch von \u201ab\u00fcrgerschaftlichem Engagement\u2018 der Unternehmen im Sinne von Corporate Volunteering sprechen zu k\u00f6nnen.<br \/>\nMit 8,5 Mrd. Euro &#8212; weit \u00fcber die H\u00e4lfte des Sch\u00e4tzwertes &#8212; dominieren finanzielle Zuwendungen das \u201ab\u00fcrgerschaftliche Engagement\u2018 der Unternehmen in Deutschland. Mit weitem Abstand folgenden dann Sach- und Produktspenden (1,5 Mrd. Euro) sowie die \u00dcberlassung betrieblicher Infrastruktur (900 Mio. Euro). Hierbei von \u201ab\u00fcrgerschaftlichem Engagement\u2018 zu sprechen ist etwa so sinnvoll wie Privatspenden und Freiwilligenarbeit in einen Topf zu werfen. Insofern spricht die Sachverst\u00e4ndigenkommission hier auch von \u201eCorporate Giving\u201c als Strategie des Unternehmensengagements (S. 769f.) das im Gegensatz zum \u201eCorporate Volunteering\u201c (z.B. Freistellung von Mitarbeitenden &#8212; 22 Mio. Euro) mit marktwirtschaftlichen Anspr\u00fcchen vereinbar scheint.<\/p>\n<h1 style=\"text-align: left;\">Sinn und Motivation des Unternehmensengagements<\/h1>\n<p>Es scheint hier also, als m\u00fcsste das Unternehmensengagement konzeptionell etwas breiter angelegt werden, damit sich die Frage nach dem Stand der Dinge \u00fcberhaupt lohnt. Zur Erinnerung: Der (zugegeben etwas plumpen) Rechnung im Engagementatlas der AMB Generali zu folge bel\u00e4uft sich das b\u00fcrgerschaftliche Engagement von Privatpersonen in Deutschland auf ca. 35 Mrd. Euro (<a href=\"http:\/\/zukunftsfonds.generali-deutschland.de\/online\/CMSDeliveryPortlets\/servlet\/contentblob\/314342\/309602\/3\/data\/Engagementatlas%25202009_PDF_Version.pdf\">AMB Generali 2009: 14<\/a>). Stellt man das Unternehmensengagement, das auch wirklich so zu bezeichnen w\u00e4re (22 Mio. Euro aus Freistellung von Mitarbeitenden), \u00a0daneben, schrumpft der privatwirtschaftliche Beitrag zur deutschen Engagementquote auf ein L\u00e4cherliches zusammen.<br \/>\nDoch wie dem auch sei, ein Aspekt des Unternehemensengagements ist f\u00fcr dessen F\u00f6rderung bzw. die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaftsunternehmen und zivilgesellschaftlichen Organisationen, Gruppen und Initiativen durchaus interessant: Warum sollte es f\u00fcr Unternehmen eigentlich sinnvoll sein, in ein Engagement zu investieren, wenn ihre Kernfunktion doch in der marktwirtschaftlich koordinierten Bed\u00fcrfnisbefriedigung und (Eigen-)Nutzenmaximierung besteht? Die geforderte <em>wirtschaftswissenschaftliche Sicht auf Bedeutung, Strategien und Wirkung b\u00fcrgerschaftlichen Engagements<\/em> (<a href=\"http:\/\/www.bmfsfj.de\/RedaktionBMFSFJ\/Broschuerenstelle\/Pdf-Anlagen\/Engagementmonitor-2012-Erster-Engagementbericht-2012,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf\">BMFSFJ 2012: 9f.<\/a>) jedenfalls l\u00e4sst unternehmerisches Engagement, wie es in der nationalen Engagementstrategie skizziert wurde, kaum m\u00f6glich erscheinen. Da die f\u00fcr den ersten Engagementbericht durchgef\u00fchrte Unternehmensbefragung allerdings ergab, dass sich knapp 64% der deutschen Unternehmen nach eigenen Angaben b\u00fcrgerschaftlich engagieren (gewichteter Durchschnitt | S. 522) wurden im Rahmen des Engagementberichts auf der Grundlage g\u00e4ngiger Wirtschaftstheorie vier Idealtypen des Unternehemsengagements formuliert (Zusammenfassung: S. 493f.).<br \/>\n<strong>(1)\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong><strong>Stakeholderorientiertes Unternehmensengagement: <\/strong><br \/>\nF\u00fcr Wirtschaftsunternehmen ist b\u00fcrgerschaftliches Engagement dann sinnvoll, wenn die Inhaber der Ressourcen (z.B. Kunden, Mitarbeitende, Geldgeber) dieses Engagement w\u00fcnschen (S. 484). Ganz grob gesagt hei\u00dft das: Unternehmen engagieren sich dann, wenn sie sich daraus einen Imagegewinn erwarten. In den \u00f6ffentlichen Debatten ist dieses Typus \u201e<em>Unternehemsengagement als Marketing-Aktion<\/em>\u201c wohl am H\u00e4ufigsten anzutreffen.<br \/>\n<strong>(2)\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong><strong>Wettbewerbssicherndes oder marktmachterhaltendes Engagement<\/strong><br \/>\nIm Rahmen freien und gleichberechtigten &#8212; perfekten &#8212; Wettbewerbs ist Unternehemnsengagement weitgehend unwahrscheinlich, weil damit ethische Ziele \u00fcber die Gewinnmaximierung gesetzt werden (S. 488). Kurz gesagt: Theoretisch k\u00f6nnen sich Wirtschaftsunternehmen eigentlich kein b\u00fcrgerschaftliches Engagement leisten. Befindet sich Unternehmen auf Grund unzureichender Wettbewerbskontrolle nicht in gleichberechtigtem &#8212; imperfektem &#8212; Wettbewerb (die Kommission nennt hier als Beispiel den Energiesektor) oder erzeugen sie v\u00f6llig neue Produkte und Dienstleistungen und stehen deshalb nicht unter Konkurrenzdruck, ist es ihnen allerdings m\u00f6glich h\u00f6here Preise f\u00fcr ihre Leistungen zu erzielen und den Gewinn<em>\u00fcberschuss<\/em> in das Unternehmensengagement zur Imagebildung oder Selbstverwirklichung der Unternehmerinnen und Unternehmer zu investieren (S. 489). Der Trick besteht dabei darin, die Kosten f\u00fcr die Renovierung der Fassade auf diejenigen umzuschlagen, die sie anschauen.<br \/>\n<strong>(3)\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong><strong>Intrinsisch motiviertes Engagement <\/strong><br \/>\nAuch wenn sich Wirtschaftsunternehmen <em>eigentlich <\/em>kein b\u00fcrgerschaftliches Engagement leisten k\u00f6nnen, gibt es doch Unternehmerinnen und Unternehmen, die ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden wollen und Gewinne zu strukturbildenden Impulsen f\u00fcr die Gesellschaft einsetzen (S. 490).<br \/>\n<strong>(4)\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong><strong>Transaktionskostensenkendes Engagement<\/strong><br \/>\nEin vierter Typus unternehmerischen Engagements rekurriert im Kern auf die Begrenztheit nat\u00fcrlicher Ressourcen und der damit verbundenen Notwendigkeit von Effizienz- und Effektivit\u00e4tssteigerung unternehmerischer Aktivit\u00e4ten, resp. nachhaltiges Unternehemsmanagement (S. 492f.). So kann die Verwendung von Gewinnen f\u00fcr das unternehmerische Engagement dann sinnvoll sein, wenn es Vertrauen zwischen den Stakeholdern schafft und damit Transaktionskosten senkt.<br \/>\nSelbstverst\u00e4ndlich treten diese Idealtypen nicht &#8212; oder nur sehr selten &#8212; in Reinform auf, was die Sachverst\u00e4ndigenkommission dazu bewog, die Motivation von Unternehmen zu b\u00fcrgerschaftlichem Engagement in zwei Cluster zu fassen: reagierendes und agierendes Unternehemensengagement.<br \/>\n<strong>(I)\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong><strong>Reagierendes Engagement: <\/strong>Hierunter wird zun\u00e4chst das stakeholderorientierte Engagement subsumiert. Doch ist \u201e<em>[auch] die Sicherung von Wettbewerbsvorteilen, eventuell auch als Deckmantel zur Verschleierung einer aus gesellschaftlicher Sicht unerw\u00fcnschten Marktsituation, ein denkbares Motiv f\u00fcr reagierendes b\u00fcrgerschaftliches Engagement, mit dem das Unternehmen auf Druck von au\u00dfen reagiert, um seinen Wettbewerbsvorteil nicht einzub\u00fc\u00dfen<\/em>\u201c (S. 662).<br \/>\n<strong>(II)\u00a0\u00a0\u00a0 Agierendes Engagement: <\/strong>Hierunter f\u00e4llt vor allem die intrinsische Motivation, sich in die Gesellschaft einzubringen, doch auch das transaktionskostensenkende Engagement als Unternehmensstrategie zur Bildung von Sozialkapital f\u00e4llt hierunter.<\/p>\n<h1 style=\"text-align: left;\">Fazit<\/h1>\n<p>Liest man den Engagementbericht als Evaluation der Nationalen Engagementstrategie, ist festzuhalten, dass der erste Blick auf das Corporate Citizenship in Deutschland kaum nennenswerte Effekte der in die Wege geleiteten Ma\u00dfnahmen der Bundesregierung offenbart. Finanzielle Zuwendungen, die das deutsche Unternehmensengagement dominieren, sind f\u00fcr Unternehmen schlicht notwendig, um ihre moralische Reputation zu erhalten, damit Vertrauen zu ihren Stakeholdern zu schaffen und Transaktionskosten zu senken. Mit dem Appell der Bundesregierung an die Unternehmen, im Dreiklang Staat, Markt und Stiftungen doch bitte auch ihren Teil zu leisten, hat das jedenfalls nichts zu tun.<br \/>\nNoch viel schlechter f\u00e4llt die Evaluation bzgl. des Corporate Volunteering aus, das von der Sachverst\u00e4ndigenkommission als eine Strategie des Unternehmensengagements vorgestellt wurde. Mit der Freistellung von Mitarbeitenden werden gerade einmal 22. Mio. Euro in das Unternehmensengagement investiert. Neben den immensen (hier nicht zu beziffernden) Investitionen von Privatpersonen in die deutsche Zivilgesellschaft ist das nicht wirklich viel und wird in Zukunft wohl auch nicht viel mehr werden. F\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Unternehmen d\u00fcrfte die Freistellung von Mitarbeitenden schlicht weniger attraktiv sein, als gut zu steuernde und wesentlich besser zu vermarktende finanzielle Zuwendungen.<br \/>\nAlles in allem w\u00e4chst und wuchert auch das Corporate Citizenship in Deutschland vor sich hin. Eine strategische Entwicklung, die Ma\u00dfnahmen vorsieht, mit denen das Corporate Volunteering f\u00fcr Unternehmen attraktiver gestaltet werden k\u00f6nnte, ist nicht zu erkennen. Mich pers\u00f6nlich \u00fcberrascht das nicht, denn bei der amtierenden Bundesregierung ist so gut wie keine Engagementpolitik\u00a0 zu erkennen, die tats\u00e4chlich wirksam sein will.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 22. August stellte Bundesfamilienministerin Schr\u00f6der den ersten Engagementbericht der Bundesregierung vor. Die Erstellung dieses Berichtes geht auf den Antrag der Fraktionen CDU\/CSU und SPD vom 28. 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