{"id":2742,"date":"2013-08-20T08:37:53","date_gmt":"2013-08-20T06:37:53","guid":{"rendered":"https:\/\/hannes-jaehnert.de\/wordpress\/?p=2742"},"modified":"2021-10-01T20:12:15","modified_gmt":"2021-10-01T18:12:15","slug":"blick-ins-buch-freiwillig-zu-diensten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hannes-jaehnert.de\/wordpress\/2013\/08\/20\/blick-ins-buch-freiwillig-zu-diensten\/","title":{"rendered":"Blick ins Buch: Freiwillig zu Diensten?"},"content":{"rendered":"<p>Claudia Pinl (*1941) war Journalistin, Korrespondentin der taz in Bonn und Fraktionsmitarbeiterin der Gr\u00fcnen im Bundestag. Heute lebt die mitt-70erin in K\u00f6ln und schreibt B\u00fccher. 2010 ver\u00f6ffentlichte sie z.B. <i>&#8220;Ehrenamt: Neue Erf\u00fcllung Neue Karriere&#8221; <\/i>beim Walalla-Verlag. Ein Buch voll \u00f6ffentlicher Ehren\u00e4mter, die sich mehr oder weniger gut mit dem Beruf verbinden lassen.Ich habe das Buch seiner Zeit bei einem kleinen Preisausschreiben gewonnen. Gekauft h\u00e4tte ich es mir sicherlich nicht &#8212; zu flach, zu schwurbelig, zu sehr eine Anleitung zum Gl\u00fccklich werden.<\/p>\n<p>Nun hat Pinl ihr n\u00e4chstes Buch \u00fcber das Ehrenamt ver\u00f6ffentlicht. Bei <i>&#8220;Freiwillig zu Diensten&#8221; <\/i>geht es allerdings nicht \u00a0wirklich harmonisch zu. Es geht um <i>&#8220;die Ausbeutung von Ehrenamt und Gratisarbeit&#8221; <\/i>in Deutschland. Mit gro\u00dfem Pathos hei\u00dft es hier: <i>Pinl gegen den Rest der Welt<\/i>.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: left;\">Wer wagt es schon, dieses freiwillige Engagement zu hinterfragen? [&#8230;] &#8216;Zivilgesellschaft&#8217;, &#8216;Engagement&#8217;, &#8216;B\u00fcrgersinn&#8217;, &#8216;Freiwilligenarbeit&#8217; sind in Deutschland hehre Begriffe, die auf ihre politische Bedeutung hin abzuklopfen so gut wie tabu ist. Man kommt sich schon sonderbar vor &#8212; ein bisschen von gestern, ein bisschen asozial &#8212; wenn man daran erinnert, dass Bildung, Kultur, kommunale Infrastruktur und soziale Sicherung \u00f6ffentliche Aufgaben sind, die mit Steuergeldern finanziert werden m\u00fcssen, unter anderem deshalb, um Arbeitspl\u00e4tze zu erhalten (Pinl 2013: 8f.).<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Pinl <a title=\"Vortragsskript &quot;Freiwillig zu Diensten&quot; aus 2011\" href=\"http:\/\/www.weiterdenken.de\/downloads\/Freiwillig_zu_Diensten__Text_Claudia_Pinl.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">redet<\/a> und <a title=\"Artikel &quot;Freiwillig zu Diensten&quot; 2011\" href=\"http:\/\/www.blaetter.de\/archiv\/jahrgaenge\/2011\/mai\/ehrenamt-freiwillig-zu-diensten\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">schreibt<\/a> schon seit 2011 \u00fcber die systematische Nutzbarmachung freiwilligen Engagements. Seit dem europ\u00e4ischen Jahr der Freiwilligent\u00e4tigkeit hat sie ihr Material zu diesem Thema mit einigen Geschichten &#8212; z.B. \u00fcber das <a href=\"http:\/\/www.b-b-e.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">BBE<\/a>, seine <i>&#8216;Propagandisten des b\u00fcrgerschaftlichen Engagements&#8217;<\/i> und diese ganze <i>&#8216;Goodwill-Industrie&#8217;<\/i> &#8212; erg\u00e4nzt und nun alles in einem Buch ver\u00f6ffentlicht.<br \/>\nBeim Lesen habe ich mich \u00fcber diese Geschichten teilweise ge\u00e4rgert, teilweise haben sie mich aber auch erstaunt. Zur\u00fcckgeblieben ist ein Mischmasch aus positiven und negativen Eindr\u00fccken: Im Kern trifft die Kritik zu. Das Wie der Darstellung allerdings sinkt zuweilen auf das Niveau der BILD herab. \u00dcberraschen kann das nicht! Wenn das Buch irgendwelche Wellen schlagen und in nennswerter Anzahl verkauft werden soll, muss einfach beachtet werden, dass Berichte \u00fcber Ehrenamt, freiwilliges Engagement und B\u00fcrgergesellschaft in der Presse nur dann Kreise ziehen, wenn es einen Skandal gibt. Auf eben diesen Skandal legt es Pinl mit ihrem neuen Buch an.<\/p>\n<h3>Fr\u00fcher war alles besser!<\/h3>\n<p>Soweit sich Pinl in ihrem Leben zur\u00fcckerinnern k\u00f6nnen d\u00fcrfte (ich sch\u00e4tze mal bis 1946) ging es mit Westdeutschland bergauf. In der Nachkriegszeit entstand ein Deutschland, das zu einem Wirtschaftswunder f\u00e4hig war und im Zuge dessen seinen expansiven Wohlfahrtsstaat aufbaute. Sch\u00f6ne Welt, spannende Welt! Der Nachkriegszeit folgte die Studentenbewegung &#8212; gut versorgte Studies, die sich \u00fcber die <i>wichtigen Dinge<\/i> die K\u00f6pfe zerbrechen konnten. Bis in die 1990er Jahre war alles gut, doch es \u00e4nderte sich etwas: Der deutsche Wohlfahrtsstaat schw\u00e4chelte unter der <i>Last der Widervereinigung<\/i>, neue politische Ideen und Richtungsentscheidungen mussten her.<br \/>\nF\u00fcr Pinl in der R\u00fcckschau offenbar der Anfang vom Ende. Dem R\u00fcckbau des deutschen Wohlfahrtsstaates mit seinen aufgeblasenen Professionen, die keinerlei Einmischung des Ehrenamtes zulie\u00dfen, jedenfalls kann sie nichts abgewinnen &#8212; alles neoliberale Verschw\u00f6rungen! So stellt sie bspw. die st\u00e4rkere Betonung von Subsidiarit\u00e4t im Rahmen der (Neo) Liberalisierung unterschiedlicher Gesellschaftsbereiche als eine Art R\u00fcckschritt in einen vormodernen Feudalismus dar:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: left;\">Das Subsidiarit\u00e4tsprinzip [&#8230;] ist ein tragendes Element der katholischen Soziallehre und stammt in dieser Form aus Zeiten vor der Ausbildung des modernen Sozialstaates. Nun dient es dazu, den R\u00fcckbau dieses Sozialstaates zu rechtfertigen und diesen gleichzeitig als autorit\u00e4res, b\u00fcrokratisches Monster zu diffamieren (Pinl 2013: 19).<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Insgesamt ist Pinls Argumentation von einer liberalistischen Grundhaltung gepr\u00e4gt: Der Staat ist f\u00fcr die Grundversorgung verantwortlich und die B\u00fcrgerinn und B\u00fcrger k\u00f6nnen sich einbringen oder es auch sein lassen &#8212; ganz so wie es zu den Hochzeiten des deutschen Wohlfahrtsstaates gewesen sein muss. Kein Grund also freiwilliges Engagement, Teilhabe, Partizipation und Mitverantwortung zu f\u00f6rdern. Vor diesem Hintergrund ist Pinls Kritik an der <i>&#8220;\u00d6ffnung der europ\u00e4ischen Sozialdemokratie f\u00fcr neoliberales und kommunitaristisches Gedankengut&#8221;<\/i> (<i>&#8220;Die Wende 1989 und ihre Folgen&#8221; <\/i>S. 20f.) und das Aufw\u00e4rmen alter Kamellen \u00fcber die Bertelsmann-Stiftung nur nachvollziehbar (<i>&#8220;Bertelsmann \u00fcbernehmen Sie! <\/i>S.22f.). Fr\u00fcher war eben noch alles besser!<\/p>\n<h3>Zahlen, Daten, Fakten<\/h3>\n<p>Pinl kommt nat\u00fcrlich nicht umhin, das Ausma\u00df des Problems zu beziffern aus dem sie einen Skandal stricken will. Bei den Zahlen bezieht sie sich haupts\u00e4chlich auf den Engagementatlas der AMB-Generali von 2009. Erstaunlicher Weise schreibt sie durchweg von 23 Millionen Menschen, die sich in Deutschland freiwillig und unentgeltlich engagieren. Kaum ein Hinweis darauf, dass die ausgebeuteten <i>Gratisarbeiter<\/i> nur einen Teil davon sein d\u00fcrften und auch kein Wort dazu, dass sich tausende Engagierte in Ehren\u00e4mtern tummeln, die es auch schon vor der Wende gab (z.B. in Sport und Kultur).<\/p>\n<p>Neben dieser seltsamen Darstellung des Problemumfangs scheint Pinl, was die Historie der Debatte um freiwilliges Engagement und Ehrenamt in Deutschland anbelangt, vor allem von sich Selber &#8212; oder eben dem, was sie gerne darstellen will &#8212; auszugehen. Insbesondere die Wendejahre 1989\/1990 erscheinen bei ihr eine Art Scheitelpunkt von Aufstieg und Verfall eines funktionierenden Sozialstaates: Seit den 1990er Jahren ist der Neoliberalismus auf dem Vormarsch (s.o.), seither wird das Personal in der Pflege systematisch abgebaut (S. 45) und in Schulen und Kinderg\u00e4rten Flickschusterei betrieben (S. 50f.). Verd\u00e4chtig also, dass <i>&#8220;die Freiwilligenarbeit in Deutschland [seit der Wende] im Zentrum der politischen Aufmerksamkeit&#8221; <\/i>steht (S. 38).<\/p>\n<p>Neben diesen <i>interessanten Verkn\u00fcpfungen<\/i> finden sich \u00fcber das ganze Buch verstreut Andeutungen, die zwar faktisch richtig sind, aber eben im Stile der BILD Missverst\u00e4ndnisse provozieren: So schreibt Pinl, dass die freiwillig Engagierten Deutschland &#8212; alle zusammen! &#8212; 2009 ganze 4,6 Milliarden Arbeitsstunden geschrubbt haben, was insgesamt 3,2 Millionen Vollzeitbesch\u00e4ftigungen entspricht. <i>&#8220;Eine Zahl \u00fcbrigens, die eine gewisse \u00c4hnlichkeit mit einer anderen Zahl aus dem Jahr 2009 aufweist: 3,4 Millionen Menschen waren damals arbeitslos gemeldet&#8221; (Pinl 2013: 36).<\/i><\/p>\n<p>Aha! 23 Millionen Freiwillige nehmen also 3,2 Millionen Menschen die Arbeit weg!? Stoff aus dem Skandale gemacht werden.<\/p>\n<h3>Geschichten aus dem Ehrenamt<\/h3>\n<p>Wie gesagt: Pinl m\u00f6chte gern zeigen, dass die F\u00f6rderung freiwilligen Engagements eine Form der Ausbeutung von Gratisarbeit ist, die vor allem von neoliberalen Akteuren (z.B. der Bertelsmann Stiftung) erdacht und seit den 1990er Jahren durchgesetzt wurde. Das wir uns nun tats\u00e4chlich auf dem Weg zur\u00fcck in die Finsternis der Vormoderne befinden, versucht Pinl nicht nur an <i>Zahlen, Daten und Fakten<\/i> sondern auch Geschichten aus dem Ehrenamt zu zeigen. Geschichten sind ja immer gut &#8212; besonders f\u00fcr Skandale.<\/p>\n<p>Im Buch finden sich viele Beispiele \u00fcber Engagementbeschreibungen, die ziemlich nah an Stellenprofilen f\u00fcr bezahlte Jobs liegen. In einigen Kapiteln \u00a0konzentrieren sich die Geschichten in besonderem Ma\u00dfe. So auch im Abschnitt dar\u00fcber, <i>&#8220;wie Ehrenamtliche den Betrieb in Gang halten&#8221;. <\/i>Erstaunt hat mich hier das Beispiel eines B\u00fcndnisses f\u00fcr Verbraucherbildung, das Lehrerinnen und Lehrern dabei unterst\u00fctzen will, Kinder zu kritischen Verbrauchern zu erziehen und daf\u00fcr mit EDEKA, REWE und McDonals kooperiert (S. 56f.). MC DONALD&#8217;S?! Ein starkes St\u00fcck und sicherlich der kritischen Diskussion wert!<br \/>\nSicher, in Sachen Verbraucherschutz mit McDonals zu kooperieren ist ziemlich schr\u00e4g und vom Vorwurf des Greenwashings kaum zu befreien. Ich bin mir allerdings sicher, dass es auch andere Beispiele gibt, die zeigen, dass Kooperationen mit Unternehmen und Gesellschaften durchaus sinnvoll sein k\u00f6nnen. So hat z.B. die Kooperation von Liegenschafts- und Wohnungsverwaltungen mit Freiwilligenagenturen und -organisationen wenig mit Greenwashing, denn viel mehr mit handfesten wirtschaftlichen Interessen zu tun &#8212; z.B. an einem intakten Wohnumfeld. Solche Beispiele fehlen bei Pinl &#8212; st\u00fcnden sie ihrem sch\u00f6nen Skandal ja auch nur im Wege.<\/p>\n<h3>Die Goodwill-Industrie<\/h3>\n<p>F\u00fcr jeden Skandal braucht es Schuldige, gegen die sich der Zorn der Massen richten kann. Die Bertelsmann-Stiftung, Gerhard Schr\u00f6der und Toni Blair sind da schon ein guter Anfang. Das reicht aber noch nicht. Der Einfluss von ehemaligen Kanzlern und Premierministern oder Politikberatern auf das Geschehen im Hier und Jetzt ist einfach zu abstrakt. Etwas Handfesteres muss her! Etwas, dem die Menschen in ihrem eigenen Lebensumfeld begegnen und auf das sie ihren Zorn projizieren k\u00f6nnen. Etwas, das negative Assoziationen von Ru\u00df und Dreck, Wirtschaftsmacht und Lobbyismus &#8212; kurz: von etwas Verlogenem &#8212; provoziert, ist da gerade gut genug. Warum also nicht <i>&#8220;Goodwill-Industrie&#8221;<\/i>? <i>&#8220;Goodwill&#8221; <\/i>erinnert uns an die herzensguten Menschen in uns allen und <i>&#8220;Industrie&#8221; <\/i>daran, dass es jene gibt, die uns um des eigenen Profites Willen schamlos ausbeuten wollen.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: left;\">Ein ganzer Wirtschaftszweig ist damit besch\u00e4ftigt, den Engagementwillen der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger zu wecken und ihn in entsprechende Freiwilligent\u00e4tigkeit zu \u00fcberf\u00fchren. [&#8230;] &#8216;B\u00fcrgerschaftliches Engagement&#8217; ist so f\u00fcr viele Menschen zur hauptamtlichen T\u00e4tigkeit geworden und dient als Erwerbsquelle, zum Teil mit prek\u00e4ren Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnissen (S. 63).<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>So besteht die <i>Goodwill-Industrie <\/i>also aus jenen bemitleidenswerten Mitarbeitenden von Freiwilligenagenturen und Ehrenamtsb\u00fcros, die von <i>&#8220;betuchten Gutmenschen&#8221;<\/i> &#8212; Stifterinnen und Stifter, die ihre Millionen und Milliarden am Fiskus vorbei man\u00f6vrieren &#8212; mehr schlecht als recht unterhalten werden, um die Ausbeutung von Ehrenamt und Gratisarbeit voranzutreiben (S. 69ff.). Und damit nicht genug! Die Propagandisten des b\u00fcrgerschaftlichen Engagements &#8212; <i>&#8220;professorale Brillentr\u00e4ger&#8221; <\/i>wie Thomas Olk (S. 76) oder <i>naive Tr\u00e4umer<\/i> wie Ansgar Klein (S. 74f.) &#8212; treiben diese Entwicklung auch noch voran. Sie <i>&#8220;verbandeln&#8221; <\/i>die Akteure untereinander und halten schwurbelige Reden \u00fcber die langfristigen Wirkungen des freiwilligen Engagements vor mehr oder minder exklusiver Kulisse (<i>&#8220;zu Gast bei der Deutschen Bank [und] im Berliner Rathaus&#8221; <\/i>S. 75-79).<\/p>\n<p>Den gr\u00f6\u00dften Teil ihres 20-seitigen Kapitels \u00fcber die <i>Goodwill-Industrie <\/i>widmet Pinl dem Bundesnetzwerk B\u00fcrgerschaftliches Engagement. Ganz im Stile ihres rot-wei\u00dfen Vorbildes (BILD) stellt sie das BBE als ein Konglomerat aus prek\u00e4r besch\u00e4ftigten Enthusiasten und den &#8220;<i>immer gleichen Verd\u00e4chtigen&#8221;<\/i> aus Politik und Wissenschaft dar, die auch nicht davor halt machen, mit in die Kritik geratenen Wirtschaftskonzernen zu kooperieren (S. 83). Skandal\u00f6se Zust\u00e4nde in Deutschland!<\/p>\n<h3>&#8230; und der Rest<\/h3>\n<p>Es ist klar, worauf Pinl hinaus will: Das freiwillige Engagement von Millionen von Menschen in Deutschland wird instrumentalisiert, um die Reichen zu schonen. Die Kommunen sparen sich kaputt und sind so immer mehr auf den Goodwill ans\u00e4ssiger Unternehmer &#8212; f\u00fcr Pinl eine Art <i>Feudalherren 2.0<\/i> &#8212; angewiesen (S 83ff.). Wirtschaftsnahe Organisationen wie die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft kippen <i>tonnenweise <\/i>neoliberales Gedankengut in die \u00d6ffentlichkeit und fordern <i>&#8220;B\u00fcrger an die Besen&#8221; <\/i>(S. 91). In diesem Zusammenhang steht dann auch der Auftritt des <a title=\"Der Pop-Philosoph Richard David Precht - Beitrag hier im Blog\" href=\"https:\/\/hannes-jaehnert.de\/wordpress\/2011\/11\/27\/der-pop-philosoph-richard-david-precht-im-stern\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Pop-Ph<\/a><a style=\"font-size: revert;\" title=\"Der Pop-Philosoph Richard David Precht - Beitrag hier im Blog\" href=\"https:\/\/hannes-jaehnert.de\/wordpress\/2011\/11\/27\/der-pop-philosoph-richard-david-precht-im-stern\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ilosophen Richard-David Precht<\/a><span style=\"font-size: revert; color: initial;\">, aus dessen populistischem Gerede \u00fcber die Kevins und Achmets aus Berlin Marzahn oder K\u00f6ln-Chorweiler Pinl noch mehr Stoff f\u00fcr die unterste Schublade herauspickt (S. 98ff.): Wenn Kevin und Achmet in K\u00f6ln-Chorweiler einen Rentner verpr\u00fcgeln, liegt das an der unterfinanzierten Schule (hier muss der Staat was machen), nicht der sozialen Ausgrenzung von Familien aus prek\u00e4ren Lebensverh\u00e4ltnissen (hier m\u00fcsste sich ja die Menschen \u00e4ndern).<\/span><\/p>\n<p>Pinls Buch \u00fcber die <i>Ausbeutung von Ehrenamt und Gratisarbeit <\/i>ist nicht zu empfehlen. Es ist \u00e4rgerlich mit welchen Plattit\u00fcden die Autorin herumhantiert, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Unter all den Niveaulosigkeiten und unlauteren Anspielungen aber findet sich auch eine ernstzunehmende Botschaft: <i>Das Ehrenamt darf kein Ausfallb\u00fcrge f\u00fcr klamme Kommunen sein.<\/i> Skandal\u00f6s, neu und aufregend ist diese Botschaft nicht. Spannender finde ich da die Frage, wo die St\u00e4rken des Ehrenamts liegen.<\/p>\n<p><b>tl;dr: <\/b><i>Fr\u00fcher war alles besser! Wer das glauben will findet bei Pinl Best\u00e4tigung. Wer sich ernsthaft mit freiwilligem Engagement und Ehrenamt in Deutschland befassen will, l\u00e4sst es besser liegen &#8212; Zeitverschwendung.<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Claudia Pinl (*1941) war Journalistin, Korrespondentin der taz in Bonn und Fraktionsmitarbeiterin der Gr\u00fcnen im Bundestag. 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