{"id":2867,"date":"2013-09-26T19:58:35","date_gmt":"2013-09-26T17:58:35","guid":{"rendered":"https:\/\/hannes-jaehnert.de\/wordpress\/?p=2867"},"modified":"2013-09-26T19:58:35","modified_gmt":"2013-09-26T17:58:35","slug":"prozess-statt-moment-engagement-braucht-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hannes-jaehnert.de\/wordpress\/2013\/09\/26\/prozess-statt-moment-engagement-braucht-zeit\/","title":{"rendered":"Prozess statt Moment &#8212; Engagement braucht Zeit!"},"content":{"rendered":"<p>Wie sich freiwilliges Engagement attraktiver gestalten l\u00e4sst, ist die Frage der noch <a href=\"http:\/\/npoblogparade.wordpress.com\/2013\/09\/16\/26-npo-blogparade-freiwilliges-engagement-attraktiver-machen-aber-wie\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">bis Sonntag laufenden NPO-Blogparade<\/a> von <a href=\"http:\/\/blog.nonprofits-vernetzt.de\/index.php\/auftakt-zu-einer-neuen-npo-blogparade-freiwilliges-engagement-attraktiver-machen-aber-wie\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Brigitte Reiser<\/a> und <a href=\"https:\/\/hannes-jaehnert.de\/wordpress\/2013\/09\/22\/gute-grunde-fur-das-engagement\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mir<\/a>. Bei Vortr\u00e4gen und Workshops werde ich oft gefragt, wie neue Freiwillige zu gewinnen und zu halten sind<i>. <\/i>Wie so oft kann ich hier nicht mit einem Masterplan aufwarten. Ich Glaube aber, dass ein Blick in die Motivationstheorie n\u00fctzliche Anhaltspunkte f\u00fcr eine m\u00f6gliche Antwort bieten kann.<br \/>\nVom \u00fcblichen Material &#8212; dem Freiwilligensurvey &#8212; ausgehend, will ich hier kurz ein paar Motivationstheorien erl\u00e4utern, die sich mit dem Begriff der <i>&#8220;Kompetenzsteigerung&#8221; <\/i>klammern lassen. Drauf gebracht hat mich Lisa Sch\u00fcrmann, deren <a href=\"https:\/\/hannes-jaehnert.de\/wordpress\/2013\/04\/09\/blick-ins-buch-motivation-und-anerkennung-im-freiwilligen-engagement\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Masterarbeit ich mir hier im Blog schon genauer angeschaut<\/a> habe. Auf der Erkenntnis-Grundlage, dass die pers\u00f6nliche Weiterentwicklung &#8212; die Steigerung immer individueller Kompetenzen &#8212; Menschen in ihrem Tun motiviert, will ich zeigen, dass freiwilliges Engagement eher als Prozess pers\u00f6nlicher Weiterentwicklung, denn als Moment der Mobilisierung verstanden werden sollte.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: left;\">Was erwarten Freiwillige von ihrem Engagement?<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/hannes-jaehnert.de\/wordpress\/2013\/09\/26\/prozess-statt-moment-engagement-braucht-zeit\/erwartungen-an-das-engagement-fws-2009\/\" rel=\"attachment wp-att-2868\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2868 alignleft\" alt=\"Erwartungen an das Engagement FWS 2009\" src=\"https:\/\/hannes-jaehnert.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/Erwartungen-an-das-Engagement-FWS-2009.jpg\" height=\"327\" width=\"436\" srcset=\"https:\/\/hannes-jaehnert.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/Erwartungen-an-das-Engagement-FWS-2009.jpg 805w, https:\/\/hannes-jaehnert.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/Erwartungen-an-das-Engagement-FWS-2009-300x225.jpg 300w, https:\/\/hannes-jaehnert.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/Erwartungen-an-das-Engagement-FWS-2009-768x576.jpg 768w, https:\/\/hannes-jaehnert.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/Erwartungen-an-das-Engagement-FWS-2009-720x540.jpg 720w, https:\/\/hannes-jaehnert.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/Erwartungen-an-das-Engagement-FWS-2009-580x435.jpg 580w, https:\/\/hannes-jaehnert.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/Erwartungen-an-das-Engagement-FWS-2009-320x240.jpg 320w\" sizes=\"auto, (max-width: 436px) 100vw, 436px\" \/><\/a>Wie freiwilliges Engagement gestrickt sein muss, damit es f\u00fcr die Aktiven attraktiv ist, l\u00e4sst sich im <a href=\"https:\/\/hannes-jaehnert.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/literatur\/Freiwilligensurvey_2009-lang.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Freiwilligensurvey<\/a> nachlesen: Der Spa\u00df an der T\u00e4tigkeit und die Gewissheit, anderen Menschen helfen zu k\u00f6nnen bzw. gemeinsam mit anderen etwas f\u00fcr das Gemeinwohl zu tun, liegen ganz weit vorn. Im Mittelfeld folgen dann die Erwartungen, eigene Erfahrungen und Kompetenzen &#8212; auch generationen\u00fcbergreifend &#8212; einbringen bzw. erweitern zu k\u00f6nnen und dabei eigene Entscheidungsm\u00f6glichkeiten zu haben. Auf den <i>&#8216;hinteren Pl\u00e4tzen&#8217; <\/i>schlie\u00dflich folgen die Erwartungen, Anerkennung im Engagement zu finden und seine eigenen Interessen vertreten zu k\u00f6nnen.<br \/>\nDiese Befunde wurden schon unz\u00e4hlige Male zitiert und interpretiert. Um es kurz machen: Nur, weil der <i>Spa\u00df an der T\u00e4tigkeit <\/i>im Durchschnitt am wichtigsten ist, hei\u00dft das nicht, dass der <i>Fun-Faktor <\/i>das freiwillige Engagement dominieren w\u00fcrde. Was die Engagierten selbst angeht dominieren zur Zeit die Gemeinwohl- und Interessenorientierungen. Das wiederum hei\u00dft aber nicht, dass freiwilliges Engagement nun keinen Spa\u00df machen soll. Das hei\u00dft lediglich, dass in den Motivb\u00fcndeln der Freiwilligen andere Faktoren wichtiger sind. Und auch diesen Befund sollte man nicht \u00fcberstrapazieren. Gefragt wurden schlie\u00dflich nur die freiwillig Engagierten, nicht jene, die sich <i>&#8220;bestimmt&#8221; <\/i>oder <i>&#8220;eventuell&#8221; <\/i>engagieren w\u00fcrden.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: left;\">Wie kann die Motivation Freiwilliger erkl\u00e4rt werden?<\/h2>\n<p>\u00dcber das Stimmungsbild im freiwilligen Engagement hinaus, kann der Fragebogen mit den m\u00f6glichen Erwartungen an das freiwillige Engagement noch f\u00fcr etwas anderes n\u00fctzlich sein. Die Macher!nnen des Freiwilligensurveys haben sich ja etwas dabei gedacht, genau diese Fragen zu stellen und keine anderen. Dementsprechend finden sich hier Anhaltspunkte f\u00fcr g\u00e4ngige Theorieans\u00e4tze, die zu erkl\u00e4ren versuchen, was das freiwillige Engagement eigentlich attraktiv macht. Ich will im Folgenden ein paar m\u00f6gliche Kandidaten kurz vorstellen.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\">Theorie des guten Lebens<\/h3>\n<p>Nahe liegt zun\u00e4chst, sich mit dem klaren Favoriten des Fragekataloges zu befassen: dem Spa\u00df an der T\u00e4tigkeit. Gemeinhin wird das Bed\u00fcrfnis, Spa\u00df zu haben, mit dem Hedonismus &#8212; der Theorie des guten Lebens &#8212; assoziiert. Nicht selten wird der Hedonismus vor der Folie weit verbreiteter \u00a0Wertvorstellungen als eine Art moderne Plage abgetan. Insbesondere jene, die sich nicht anzupassen bereit sind und <i>&#8216;ihr eigenes Ding&#8217; <\/i>machen wollen, werden als Hedonisten bezeichnet (z.B. in der SINUS-Jugendstudie). Menschen, so hei\u00dft es etwas allgemeiner, die nur tun, was ihnen Spa\u00df macht, verkennen die Notwendigkeit, dass alle Mitglieder einer Gesellschaft ihren Beitrag leisten m\u00fcssen. Sie ignorieren die Interdependenzen moderner Gesellschaftssysteme und sind deshalb weniger zivilisiert (i.S. Norbert Elias).<br \/>\nDiese Lesart des Hedonismus ist eine ungerechtfertigte Abwertung. Zum einen besch\u00e4ftigt sich die Theorie des guten Lebens nicht mit Fragen der Moral sondern einzig und allein damit, was ein gutes Leben ausmacht. Zum anderen &#8212; und das macht die Kritik tats\u00e4chlich kleinkariert &#8212; w\u00e4gen wir alle f\u00fcr uns selbst potentielles Leid gegen potentielle Freude ab und treffen so Entscheidungen im Sinne des modernen Hedonismus. Hier klingt es bereits an: der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Utilitarismus\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Utilitarismus Jeremy Benthams<\/a> bildet eine Grundlage f\u00fcr den modernen Hedonismus; eine Lehre des guten Lebens \u00fcbrigens, die\u00a0via Gamificaion bereits Einzug in die Sph\u00e4ren des Fundraising und der <a href=\"http:\/\/dm.tzi.de\/human-computation\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><i>&#8220;Human Computation&#8221;<\/i><\/a>(Luis von Ahn) gefunden hat. Anschauliche Beispiele f\u00fcr Verhaltensmanipulation via Fun-Faktor finden sich zum Beispiel unter \u00a0<a href=\"http:\/\/www.thefuntheory.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.thefuntheory.com<\/a>.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\">Theorie der Wertkongruenz<\/h3>\n<p>Die zwei Angaben, die dem Spa\u00df an der T\u00e4tigkeit im Ranking des Freiwilligensurvey folgen und im freiwilligen Engagement in Deutschland seit 1999 immer wichtiger geworden sind, betreffen das Streben nach Wertkongruenz. Auch das eine Frage des guten Lebens! Anders als beim Hedonismus aber spielen hier Moralvorstellungen eine prominentere Rolle. Werte bezeichnen &#8212; etwas verk\u00fcrzt &#8212; die Vorstellung vom Guten und W\u00fcnschbaren &#8212; etwas, das man anstrebt. Dementsprechend handelt es sich um Wert<em>vorstellungen<\/em>, die je nach Historie und kollektivem Erfahrungsschatz in einer Gesellschaft, einem Land oder einer Region mehr oder weniger weit verbreitet sind.<br \/>\nDer <a href=\"http:\/\/www.worldvaluessurvey.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">World Value Survey<\/a> bspw. ordnet die in Deutschland vorherrschenden Wertorientierungen dem Cluster des protestantischen Europa zu, in dem s\u00e4kulare Werte und die das Streben nach Selbstentfaltung vorherrschen. Diese allgemeine Verortung in Deutschland vorherrschender Wertorientierung finden sich etwas ausdifferenzierter in den Wertesurveys von Klages und Gensicke. Hier werden drei Dimmensionen von Wertorientierung genauer untersucht: die b\u00fcrgerlichen Pflicht- und Akzeptanzwerte (Konvention, Sicherheit &amp; Leistungsorientierung) die Selbstentfaltungs- und Engagementwerte (Phantasie, Kreativit\u00e4t, Toleranz &amp; Hilfsbereitschaft) sowie die hedonistischen und materiellen Wertorientierungen (insbesondere Konkurrenzf\u00e4higkeit &amp; Konsumm\u00f6glichkeit).<br \/>\nDie Theorie der Wertkongruenz erkl\u00e4rt nun das Handeln von Menschen zum Versuch den eigenen Wertvorstellungen gerecht zu werden. Freiwilliges Engagement wird dementsprechend h\u00e4ufig auch als <i>wertrationales Handeln<\/i> (Max Weber) verstanden, das nicht unerhebliche Investitionen voraussetzt und von dem die Freiwilligen selbstverst\u00e4ndlich erwarten, dass es sich lohnt.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>Rein wertrational handelt, wer ohne R\u00fccksicht auf die vorauszusehenden Folgen handelt im Dienste seiner \u00dcberzeugung von dem, was Pflicht, W\u00fcrde, Sch\u00f6nheit religi\u00f6se Weisung, Piet\u00e4t oder die Wichtigkeit einer &#8216;Sache&#8217; gleichviel welcher Art ihm zu gebieten scheinen (<\/i><a href=\"http:\/\/books.google.de\/books?id=RWK_6TKVENcC&amp;lpg=PP1&amp;dq=wirtschaft%20und%20gesellschaft%20weber&amp;hl=de&amp;pg=PA12#v=onepage&amp;q=ohne%20r%C3%BCcksicht%20&amp;f=false\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><i>Weber 2002: 12<\/i><\/a><i>).<\/i><\/p>\n<\/blockquote>\n<h3>Theorie der Selbstbestimmung<\/h3>\n<p>Die Angaben der Wichtigkeit im freiwilligen Engagement mit anderen <i>symphytischen <\/i>Menschen zusammenzukommen, die eigenen Erfahrungen und Kenntnisse einbringen bzw. erweitern zu k\u00f6nnen sowie eigene Entscheidungsm\u00f6glichkeiten zu haben, betreffen die Theorie der Selbstbestimmung. Edward L. Deci und Richard M. Ryan sprechen hier von einer humanistischen Theorie menschlicher Motivation, der zu folge aus gef\u00fchlter Entscheidungsfreiheit eine intrinsische Motivation zur Kompetenzentwicklung erw\u00e4chst, die sich wiederum positiv auf individuelles Wohlbefinden, Selbstwertgef\u00fchl sowie Selbstwirksamkeitserwartung (<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Albert_Bandura\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Albert Bandura<\/a>) auswirkt und so die Motivation im Engagement weiter steigert.<br \/>\nSelbstbestimmte Bildung setzt dementsprechend einen sich selbst verst\u00e4rkenden Kreislauf aus intrinsischer Motivation und Erfolgserlebnissen in Gang, der allerdings durch externe Einflussnahme korrumpiert bzw. unterminiert werden kann. Insbesondere materielle Formen der Anerkennung werden &#8212; so die Annahme &#8212; von den Freiwilligen in einen kausalen Zusammenhang mit der T\u00e4tigkeit gebracht, wodurch diese nicht mehr als selbstbestimmt erlebt wird (zsf. dazu Lisa Sch\u00fcrrmann 2013: 32).\u00a0 Und auch immaterielle Formen der Anerkennung seitens der Organisation k\u00f6nnen sich negativ auf das Wohlbefinden der Freiwilligen auswirken. Stefan G\u00fcntert (2007) zeigt, dass die Anerkennung seitens der Organisation von Freiwilligen als \u00e4hnlich belastend empfunden wird wie <i>&#8220;erlittene B\u00fcrokratie&#8221; <\/i>(mehr dazu <a href=\"https:\/\/hannes-jaehnert.de\/wordpress\/2012\/01\/21\/anerkennung-vom-lohn-fur-das-freiwillige-engagement\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>)<i>. <\/i><\/p>\n<h2 style=\"text-align: left;\">Was ist der gemeinsame Nenner der Motivation Freiwilliger?<\/h2>\n<p>Motivationstheorien wie die von Wertkongruenz und Selbstbestimmung lassen sich relativ problemlos mit der Klammer der <i>Kompetenzsteigerung <\/i>versehen (siehe auch dazu Lisa Sch\u00fcrrmann 2013: 34f.). Hier wie dort ist der zentrale Punkt die Weiterentwicklung individuelle F\u00e4higkeiten und Fertigkeiten der Engagierten. Diese Weiterentwicklung ist beim Hedonismus nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Und doch gibt es sie! Zur Erinnerung: Der moderne Hedonist w\u00e4gt bei seinen Handlungsentscheidungen lediglich erwartbares Leid gegen erwartbare Freude ab und entscheidet sich f\u00fcr das rechnerisch geringere \u00dcbel. Was dabei Leid und was Freude ist, ist allerdings eine Frage individueller Neigungen (dementsprechend selbstbestimmt) sowie der Vorstellungen vom Guten und W\u00fcnschbaren (dementsprechend wertrational).<br \/>\nEs gibt Menschen, die Tage damit verbringen, auf hohe Berge zu klettern und sich dabei nicht selten in Lebensgefahr bringen. Es gibt Menschen die n\u00e4chtelang auf LAN-Partys wirklichkeitsferne und h\u00f6chst redundante Computerspiele spielen, ohne einzuschlafen. Und es gibt Menschen, die sich stundenlang in das Zusammenkleben ma\u00dfstabsgerechter Modelle vertiefen k\u00f6nnen und dabei alles um sich herum vergessen. Das sind nur drei Beispiele f\u00fcr T\u00e4tigkeiten, die im Sinne des g\u00e4ngigen Verst\u00e4ndnisses als <i>moderne Plage<\/i> sehr hedonistisch anmuten, die mit dem freiwilligen Engagement aber eines gemeinsam haben: Sie machen gl\u00fccklich.<br \/>\nDer Psychologe <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mih%C3%A1ly_Cs%C3%ADkszentmih%C3%A1lyi\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mihaly Csikszentmihalyi<\/a> machte sich seiner Zeit auf die Suche danach, was Menschen eigentlich gl\u00fccklich macht bzw. zun\u00e4chst, wann Menschen \u00fcberhaupt Gl\u00fcck empfinden. F\u00fcr seine Forschung zur <i>&#8220;optimal experience&#8221; <\/i>stattete Csikszentmihalyi seine Probanden mit Piepern und Frageb\u00f6gen aus. Immer wenn er sie anpiepte &#8212; das tat er nat\u00fcrlich nach dem Zufallsprinzip &#8212; sollten die Probanden einen Fragebogen ausf\u00fcllen, in dem sich Csikszentmihalyi nach den aktuellen T\u00e4tigkeiten und Befindlichkeiten erkundigte. Erstaunlicher Weise f\u00fchlten sich die Probanden gerade dort am gl\u00fccklichsten, wo man es am wenigsten erwartete: bei der Arbeit. Csikszentmihalyi formulierte daraufhin seine Theorie des Flowerlebens:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: left;\"><i>&#8230; einem Gef\u00fchl, dass die eigenen F\u00e4higkeiten ausreichen, eine gegebene Herausforderung in einem zielgerichteten, regelgebundenen Handlungssystem zu bew\u00e4ltigen, das deutliche R\u00fcckmeldung dar\u00fcber bietet, wie gut man dabei abschneidet (Csikszentmihalyi 1992: 103).<\/i><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich taugt nicht jede T\u00e4tigkeit f\u00fcr den Flow. Sie muss zu den jeweiligen Kompetenzen und Neigungen passen. Au\u00dferdem &#8212; und auch das ist verst\u00e4ndlich &#8212; muss sie mit der Zeit anspruchsvoller werden. Die Zeit bzw. der Zeitverlauf ist hier eine wesentliche Komponente! Eine T\u00e4tigkeit, vielleicht das Spielen eines bestimmten Comuputerspiels auf dem A-Level, macht eine Weile Spa\u00df. Irgendwann aber wird es langweilig, weil das Spiel nicht mehr herausfordert. Man wechselt auf Level B &#8230; Die Langeweile bildet also die untere Begrenzung des so genannten Flows-Kanals. Und auch nach oben wird der Flow begrenzt: Die T\u00e4tigkeit darf nicht \u00fcberfordern. F\u00e4ngt man gleich auf Level F &#8212; also viel zu hoch &#8212; an, wird man die gegebenen Herausforderungen nicht meistern k\u00f6nnen und das Spiel bald frustriert abbrechen. Wenn man sich in einer T\u00e4tigkeit also zwischen \u00dcber-und Unterforderung einpendelt kann man in einen Flow geraten, f\u00fcr dessen Aufrechterhalten ebenfalls eine Kompetenzsteigerung notwendig ist.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/hannes-jaehnert.de\/wordpress\/2013\/09\/26\/prozess-statt-moment-engagement-braucht-zeit\/flow-channel_states\/\" rel=\"attachment wp-att-2869\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2869\" alt=\"flow-channel_states\" src=\"https:\/\/hannes-jaehnert.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/flow-channel_states.png\" height=\"418\" width=\"800\" srcset=\"https:\/\/hannes-jaehnert.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/flow-channel_states.png 1390w, https:\/\/hannes-jaehnert.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/flow-channel_states-300x157.png 300w, https:\/\/hannes-jaehnert.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/flow-channel_states-1024x536.png 1024w, https:\/\/hannes-jaehnert.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/flow-channel_states-768x402.png 768w, https:\/\/hannes-jaehnert.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/flow-channel_states-720x377.png 720w, https:\/\/hannes-jaehnert.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/flow-channel_states-580x303.png 580w, https:\/\/hannes-jaehnert.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/flow-channel_states-320x167.png 320w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><br \/>\nDer gemeinsame Nenner der vorgestellten Motivationstheorien ist also die individuelle Kompetenzsteigerung &#8212; die pers\u00f6nliche Weiterentwicklung, die Entfaltung der eigenen F\u00e4higkeiten und das Streben nach der <i>&#8220;optimal experience&#8221; <\/i>haben alle gemeinsam, dass der Akteur im Tun seine F\u00e4higkeiten und Fertigkeiten <em>wie von alleine <\/em>ausbaut.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: left;\">Wie l\u00e4sst sich freiwilliges Engagement attraktiver machen?<\/h2>\n<p>Ich habe hier nur eine handvoll Motivationstheorien angerissen, von denen ich glaube, dass sie der oben dargestellten Abfrage im Freiwilligensurvey zu Grunde liegen. Es gibt sicher noch viele weitere! Einige davon lassen sich bestimmt mit der Kompetenzsteigerung klammern, andere vielleicht nicht. Ich will hier einfach annehmen, dass Kompetenzsteigerung ein wesentlicher Faktor ist, der Menschen in ihrem tun motiviert. Diese Klammer funktioniert allerdings nur, wenn jeder Kompetenz, so zwecklos sie auch scheint, eine Daseinsberechtigung einger\u00e4umt und akzeptieren wird, dass Menschen versuchen gerade diese oder jene F\u00e4higkeiten und Fertigkeiten zu entfalten.<br \/>\nNun ist es schwer zu leugnen, dass es spezielle Kompetenzen gibt, f\u00fcr die man M\u00fche hat, ein passendes Engagement zu finden. Mit den individuellen Kompetenzen verh\u00e4lt es sich allerdings wie mit der Motivation: Wir tragen ganze B\u00fcndel davon mit uns herum. Freiwilliges Engagement bietet Interessierten dementsprechend die M\u00f6glichkeit, einige Kompetenzen zu erweitern, w\u00e4hrenddessen andere in anderen T\u00e4tigkeiten entwickelt werden k\u00f6nnen. Freiwilliges Engagement sollte dementsprechend als gleichberechtigt mit anderen (Freizeit-) Aktivit\u00e4ten gedacht und nicht irgendwie in moralisierende H\u00f6he getrieben werden. Zudem sollte das Freiwillige am freiwilligen Engagement auch nicht l\u00e4nger als <em>Spende von Zeit oder Skill<\/em> verkauft werden &#8212; viel besser trifft es doch die selbstbestimmte Wahl einer Kompetenz, die weiterentwickelt werden soll. Das w\u00e4re &#8212; nebenbei &#8212; auch ein Verst\u00e4ndnis, dass die so oft geforderte Win-Win-Situation f\u00fcr Organisation und Freiwillige, die bei einer Spende ja durchaus schief h\u00e4ngen kann, in die Waage bringen w\u00fcrde.<br \/>\nDas Verst\u00e4ndnis freiwilligem Engagements als Wahl zu entfaltender Kompetenzen ist eigentlich nicht neu. Bei Gespr\u00e4chen, die in Freiwilligenagenturen vor der Vermittlung mit Engagementinteressierten an Freiwilligenorganisationen gef\u00fchrt werden, wird nichts anderes getan, als abzuklopfen, was die Leute interessiert und was sie machen m\u00f6chten. Auch Engagements auf Probe zielen in diese Richtung. Allerdings glaube ich, dass dieses Verst\u00e4ndnis von freiwilligem Engagement noch nicht wirklich durchgedrungen ist. Insbesondere im Bereich der &#8216;neuen&#8217;, der <i>bit sized<\/i> Netzengagements steht immer noch viel zu oft der Moment der Mobilisierung im Vorder- und der Prozess des Engagements im Hintergrund. Dabei liegt hier gro\u00dfes Potential! Kleine Engagements &#8212; ob sie nun \u00fcber das Internet geleistet werden oder an einem bestimmten Einsatzort &#8212; k\u00f6nnen durch aus zu gr\u00f6\u00dferen werden. Es m\u00fcssen einfach Bedingungen geschaffen werden, bei denen Online- und Micro-Volunteers ihre Kompetenzen einbringen und entfalten k\u00f6nnen. Das ist schlie\u00dflich das, was freiwillige in ihrem Engagement motiviert.<br \/>\n<b>tl;dr: <\/b><i>Motivationstheorien gibt es viele! Klammern wie die der Kompetenzsteigerung lichten das Dickicht und machen den Blick daf\u00fcr frei, dass der Prozess des Engagierens wichtiger ist als der Moment der Mobilisierung.<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie sich freiwilliges Engagement attraktiver gestalten l\u00e4sst, ist die Frage der noch bis Sonntag laufenden NPO-Blogparade von Brigitte Reiser und mir. Bei Vortr\u00e4gen und Workshops werde ich oft gefragt, wie neue Freiwillige zu gewinnen und zu halten sind. Wie so oft kann ich hier nicht mit einem Masterplan aufwarten. 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